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Großes Drama, große Darstellerinnen

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Bühnenszene, zwei Frauen schauen sich nicht an
Große Schauspielkunst: die beiden Rivalinnen Sarah Giebel (links) und Janet Bens (rechts) im Kampf um Englands Thron. © Ingrid Koch

Ein Klassiker auf der Bergkirchner Hoftheater-Bühne: Schillers „Maria Stuart“ lebt vor allem von der Leistung zweier großartiger Schauspielerinnen.

Bergkirchen – Großes Drama mit großartigen Darstellern auf der Bühne des Hoftheaters Bergkirchen: Das Trauerspiel „Maria Stuart“ von Friedrich Schiller, das am 14. Juni 1800 im Hoftheater zu Weimar uraufgeführt wurde, hat Herbert Müller bearbeitet und in verkürzter Form spannend und zeitgemäß inszeniert. Die eingespielte Musik untermauert das dramatische Geschehen im Bühnenbild von Ulrike Beckers mit staatstragenden Klängen, schrillen Tönen bis hin zu der unsterblichen Melodie „Let it be“ von den Beatles. Die Premiere hatte coronabedingt immer wieder verschoben werden müssen.

Schauplatz der Tragödie ist England im 16. Jahrhundert. Maria Stuart, Königin von Schottland, musste als Mörderin ihres Gatten aus ihrem Land fliehen und suchte Schutz bei ihrer Verwandten Elisabeth, Königin von England. Die Gegensätze treffen aufeinander: Protestanten gegen Katholiken, England gegen Schottland – und zwei starke Frauen, die in der damaligen politischen Welt männliche Rollen innehaben, ringen um den Thron und die rechtmäßige Herrschaft über England. In „Maria Stuart“ stellt Schiller unter anderen die Frage nach persönlicher Verantwortung und Schuld sowie die Bewahrung geistiger Freiheit.

Sarah Giebel spielt die Titelrolle und überzeugt, wie sie als selbstbewusste, attraktive junge Frau würdevoll ums Überleben kämpft. Sie hofft auf Begnadigung und versucht, ihrer Rivalin Elisabeth (Janet Bens) persönlich gegenüber treten zu können. Hilfe verspricht ihr dabei der sie umgarnende junge Ritter Mortimer, den Verena Konietschke voller Hingabe und Leidenschaft verkörpert.

Und da sind die Höflinge, Berater und Intriganten wie Robert Dudley, Graf von Leicester (Ansgar Wilk) und Wilhelm Cecil, Baron von Burleigh (Jürgen Füser), die die Fäden ziehen, um ihre eigene Macht auszubauen.

Es kommt zur dramatischen Begegnung der beiden Königinnen. Größer könnten die Unterschiede schon rein äußerlich nicht sein: Die schwarz gekleidete jüngere „Lady Stuart“, wie Elisabeth sie nennt, trifft auf die auffällig in Weiß mit schwarzer verführerischer Corsage gekleidete Elisabeth, die dazu lange rote Handschuhe trägt.

Schließlich fehlt zur Hinrichtung Marias nur noch die Unterschrift Elisabeths. Doch diese zögert. Sie ist einsam, will frei und unabhängig bleiben, ist von Angst getrieben und aufgerieben zwischen ihren Ratgebern und deren politischen Interessen. Robert Dudley ist schwer zu durchschauen, er gibt vor, Maria retten zu wollen, und tauscht Zärtlichkeiten mit Elisabeth aus. Wilhelm Cecil vertritt von Anfang an die harte Linie: „Das Haupt soll fallen.“

In der Zerrissenheit der Gefühle läuft Janet Bens zum Schluss zu Höchstform auf, sie windet sich und hadert. Letztendlich scheitern beide Frauen. Maria Stuart wird hingerichtet, doch sie betrachtet das Todesurteil als Sühne für ihr früheres Leben. Elisabeth hat ihren engsten Vertrauten verloren, ihr rigoroses Streben nach Macht hat sie noch einsamer gemacht. „God save the Queen“, summt sie in ihrer Verzweiflung leise vor sich hin.

Die Zuschauer waren beeindruckt von der starken Leistung der Darsteller in der ideenreichen Inszenierung um politische Machenschaften und Intrigen und bedankten sich bei der Premiere im Hoftheater mit stürmischen App

Zu sehen ist Schillers Klassiker wieder am Sonntag, 21. November, um 17 Uhr. Karten gibt es unter: mail@hoftheater-bergkirchen.de , per Telefon 08131/326400 oder an der Abendkasse.

Ingrid Koch

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