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Claire und Kurt im Zentrum des „Milieus“: Janet Bens und Herbert Müller. 

Premiere im Hoftheater Bergkirchen

Eine Liebeserklärung an das Berlin der 20er

Das Hoftheater Bergkirchen hat mit der Revue und Collage „Nach meene Beene is’ ja janz Berlin verrückt“ eine umjubelte Premiere gefeiert. Es geht zurück ins Berlin der 20er Jahre.

Bergkirchen – Es ist eine unwiderstehliche Liebeserklärung an das Berlin der 1920er Jahre: Das Hoftheater Bergkirchen hat die zweite Premiere der neuen Spielzeit gefeiert, und die Zuschauer waren hingerissen von dem Zauber des musikalisch-literarischen Abends, einer Revue und Collage mit Claire und Kurt.

Unter dem Titel „Nach meene Beene is’ ja janz Berlin verrückt“ entführen Janet Bens und Herbert Müller geistreich und charmant ins turbulente Leben der Hauptstadt mit dem aufregenden Nachtleben, Nobelbordells und unsittlichen Gestalten „vom anderen Ufer“. Die Schauspielerin und Sängerin Janet Bens ist als Berlinerin die ideale Besetzung für die berühmte Sängerin Claire Waldoff (1884-1957). Sie singt wie die Waldoff ganz „unbekümmert und frech“, mit Bubikopf, in schlichter weißer Bluse und Herrenschlips im Berliner Dialekt die unvergesslichen Melodien und erzählt zusammen mit Herbert Müller als kritischem Beobachter Kurt Tucholsky (1890-1935) Hintergrundgeschichten und Anekdoten aus der Welt des Theaters.

Mit dem meist gesungenen Erkennungslied „Hermann heest er“ eröffnet Janet Bens den unterhaltsamen Abend im Bühnenbild von Ulrike Beckers, das die Atmosphäre des Vergnügungsviertels am Potsdamer Platz widerspiegelt, während die Pianistin Anna Nam-Winkler virtuos auf dem Flügel begleitet.

Auf der Bühne zeigt das Berliner Milieu viele Gesichter: Herbert Müller ist in verschiedenen Rollen zu erleben, unter anderem als der Maler, Grafiker und Fotograf Heinrich Zille (1858-1929) mit dem Schlapphut, wie Tucholsky ist er ein Freund der Waldoff. Zille durchleuchtete sozialkritisch sein „Milljöh“ in der proletarischen Unterschicht in den Hinterhöfen der Mietskasernen. Diese Trostlosigkeit greift wehmütig der bekannte „Leierkastenmann“ auf. Um die Liebe, die Langeweile des Ehelebens und „dem Erwin seine unanständige Lust“ geht es ebenso.

Doch es ziehen dunkle Wolken auf, wilde Horden verunsichern die Metropole, die Gefahr kommt von „rechts“, wie der Dichter und Journalist Tucholsky warnend aufzeigt. Die unerschrockene Waldoff, eine emanzipierte Draufgängerin und Mittelpunkt der lesbischen Szene, bleibt von der politischen Entwicklung nicht verschont. „Raus mit den Männern aus’m Reichstag“, ist ihre Forderung. Doch sie bleibt dabei: „Ne dufte Stadt is’ mein Berlin.“

Und dann gibt es noch einen Gag nach der vergnügten und zugleich scharfsinnigen Analyse der sogenannten goldenen 20er Jahre: Marlene Dietrich erscheint und setzt an: „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ – doch, wie Herbert Müller ankündigt, wird das „ein anderer Abend“. Die nächsten Vorstellungen im Hoftheater finden statt am 3., 11., 16. und 30. November, jeweils um 20 Uhr. Ingrid Koch

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