Mit einem gezielten Biss in die Kehle wurde das Rehkitz getötet. 
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Mit einem gezielten Biss in die Kehle wurde das Rehkitz getötet. 

Tragödie in Bergkirchen

Wildernder Hund reißt Rehkitz

  • Nikola Obermeier
    vonNikola Obermeier
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Einige Wochen lang hat sich eine Rehgeiß mit ihrem Kitz immer wieder im Garten der Eberls am Ortsrand von Bergkirchen aufgehalten, von köstlichen Pflanzen gekostet, sich geschützt gefühlt. Eine trügerische Sicherheit. Vergangenen Freitag kam ein Hund in den Garten, riss das Kitz und verschwand wieder. Traurig auch für die Kinder, die den Tod des Kitzes miterlebten.

Bergkirchen Tagelang haben die Kinder die Rehgeiß und ihr Kitz beobachtet und zugeschaut, wie die Tiere von den schmackhaften Blättern der Obstbäume im Garten kosteten. Manchmal legte sich das Kitz auch in die Wiese und schlief. Am vergangenen Freitag hörten die Kinder aber plötzlich Schreie. Ein Hund rannte aus dem Garten. Das Kitz drehte sich im Kreis, fiel hin, die Beine zuckten, dann starb es.

Als der Jagdpächter Martin Heitmeier vom Hofeigentümer Bernhard Eberl am vergangenen Freitag gerufen wurde, war das Kitz schon tot. „Man hat gesehen, dass es in die Kehle gebissen wurde“, so der Jagdpächter. Der Hof der Eberls liegt in Ortsrandlage in Bergkirchen, auf der einen Seite fließt die Maisach, dahinter befindet sich ein Wald. Die Rehgeiß habe sich mit ihrem Kitz auf den Wiesen zwischen Maisach und Bergkirchen sicher gefühlt, „das ist eine Art Ruhezone für die Tiere“, sagt Heitmeier.

Wie Bernhard Eberl erzählt, seien Geiß und Kitz seit einigen Wochen öfters zu ihnen in den Garten gekommen, „sie sind immer um unser Haus und die Halle rumgegangen und haben an den Obstbäumen gefressen“, sagt Bernhard Eberl. „Mein Sohn hat extra immer beim Mähen aufgepasst“. Am vergangenen Freitag geschah dann das Unglück. Die Kinder seiner Mieter hörten die Schreie, sahen den Hund weglaufen und fanden das Kitz. Der Hund wurde als dunkel und etwa kniehoch beschrieben.  

„Es passiert leider immer wieder, dass Rehe von Hunden gerissen werden“, sagt Jagdpächter Heitmeier. Er erinnert sich aber an einen Fall im Frühjahr 2019 mit gleichem Beuteschema: „Ein Hund trieb damals ein Reh in eine Hofeinfahrt, dort biss er es in die Kehle und lief sofort wieder davon.“ Auch damals hieß es, dass der Hund „dunkel und halbhoch“ gewesen sei. Ein Mensch, der so einen wildernden Hund hat, muss ihn halt anhängen“, fordert Heitmeier. Zumal in Bergkirchen Leinenpflicht herrscht. „Die meisten halten sich auch daran, es geht nur um Einzelne, die sich nicht daran halten“, so Heitmeier. „Solange die Leute auf den Wegen bleiben mit ihren Hunden, ist das kein Problem.“ Die Leinenpflicht bestehe nicht nur wegen der Wildtiere, sondern auch wegen Radfahrern und Spaziergängern, die entlang der Maisach unterwegs sind – und die sich des Öfteren von frei laufenden Hunden belästigt fühlen.

Davon weiß Siegfried Ketterl, Verwaltungsleiter der Gemeinde Bergkirchen, ein Lied zu singen. „Wir haben jede Woche einige Beschwerden, Bissvorfälle, Verstoß gegen die Leinenpflicht, Hundehalter, die die Hinterlassenschaften nicht wegräumen.“ Dazu kommen Anzeigen, die die Polizei an die Gemeinde weiterleitet. In diesem Fall muss die Gemeinde den Hundehalter anhören, möglicherweise ein Gutachten von einem Sachverständigen ausstellen lassen und dann entscheiden, „ob wir Auflagen erlassen“.

Die meisten Vorfälle, die Beschwerden nach sich ziehen, ereignen sich im Gemeindegebiet Bergkirchen in dem Erholungsgebiet an der Maisach. „Dort gilt auch Leinenpflicht“, so Ketterl. „Wir haben schon überlegt, ob wir dort Kontrollen durchführen sollen.“ Grundsätzlich besteht innerhalb von Ortschaften eine Leinenpflicht für Hunde, die eine Schulterhöhe von mehr als 50 Zentimeter haben. „Es gibt viele vernünftige Leute, die sich daran halten“, so Ketterl.

Dass ein Hund ein Rehkitz reißt, sei kein Tagesgeschäft, sagt Ketterl. Trotzdem passiere es immer wieder. Wenn der Hund identifizierbar wäre, dann würde die Gemeinde Bergkirchen auch hier ein Verwaltungsverfahren in die Wege leiten und nach einer Anhörung des Hundebesitzers über die möglichen Auflagen entscheiden. In diesem Fall wird das schwierig, mit der Beschreibung „dunkler Hund“ und keinem ungefähren Wohnort, „da hat man keine Chance“.

Jagdpächter Martin Heitmeier hat die Hoffnung nicht aufgegeben, den Hund zu finden, der vergangene Woche das Rehkitz gerissen hat. „Vielleicht hat jemand etwas beobachtet“, meint er. Derjenige kann sich einfach bei der Gemeinde Bergkirchen melden. Zumindest hofft Martin Heitmeier, dass die Besitzer des Hundes das Bild des toten Rehkitzes sehen und „sich Gedanken machen“.

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