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Sind ihren Nachbarn unendlich dankbar: Irmgard (79) und Oswald Sauer (80).

Nachbarn befreien 80-Jährigen aus misslicher Lage

„Die Nachbarn waren meine Lebensretter“

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Er lag hilflos in der Badewanne, kam nicht mehr heraus. Ein 80-jähriger Lauterbacher wusste sich nicht mehr zu helfen. Seine Frau schon. Sie klingelte die Nachbarschaft heraus. Das war die beste Idee.

Lauterbach – Irmgard (79) und Oswald Sauer (80) aus Lauterbach sind ihren Nachbarn unendlich dankbar: „Das waren meine Lebensretter“, sagt Ossi Sauer und lächelt. Denn am vergangenen Montagmorgen schaffte er es nicht mehr, aus der Badewanne herauszukommen: „Ich hab alles mögliche probiert, aber ich habe es nicht geschafft, mich am Griff hochzuziehen.“ Denn im Mai vergangenen Jahres hatte er einen Schlaganfall, sein rechter Arm und das rechte Bein sind seitdem gelähmt, das Gehen mit dem Rollator fällt ihm schwer.

„Ich konnte ihn auch nicht rausheben“, sagt seine Ehefrau Irmgard. Also suchte sie Hilfe in der Nachbarschaft - zunächst vergeblich. Irmgard Sauers Bruder und Neffe wohnen zwar direkt daneben: „Aber der eine hat Rücken- und Knieprobleme, und der andere wurde erst operiert.“

Also lief sie zu den gegenüberliegenden Häusern mit den zugezogenen Nachbarn: „Da habe ich dann erzählt, dass mein armer Mann hilflos in der Badewanne liegt“, aber: „Herr Bienhaus war mit dem Auto schon auf dem Sprung, er hat gemeint, er hat jetzt einen Termin.“ Also lief Irmgard Sauer zum nächsten Haus: „Und der Herr Kasparek ist dann gleich mitgekommen.“ Und einige Minuten später kam auch noch Nachbar Peter Bienhaus zu den Sauers: „Der hat mit dem Auto extra nochmal umgedreht, um uns zu helfen.“

Ossi Sauer erinnert sich: „Das war echt ein Halleluja, ich hab in der Badewanne bestimmt schon 20 Minuten lang gewartet.“ Die starken Nachbarn schafften es letztlich, den großgewachsenen Rentner herauszuheben.

Irmgard Sauer ist noch immer beeindruckt: „Ich weiß eigentlich gar nicht, wie ich denen danken kann. Ich hab weinen müssen, als sie gegangen sind.“ Schließlich gab sie sich die Schuld an der unglücklichen Situation: „Normalerweise legt sich mein Mann nicht in die Badewanne“, erzählt sie. Normalerweise badet er sich auf einem Sitz in der Wanne oder in der Dusche: „Aber er hatte so Unterleibschmerzen, und dann hab ich zu ihm gesagt, er soll sich reinlegen.“

Nach der Rettungsaktion lächelt sie ihren Mann an und sagt: „Du brauchst Dich sicher nie mehr im Liegen baden.“ Beide sind glücklich, dass alles so gut ausgegangen ist und haben noch einen Appell: „Es soll auch ein Aufruf sein, dass man mit seinen Nachbarn gut auskommt – was hätten wir sonst in der Situation getan?“ Ossi Sauer sagt: „Dann hätten wir das Rote Kreuz anrufen müssen, das hätte nochmal länger gedauert. Unsere Nachbarn haben in wenigen Minuten geholfen.“

Dass Ossi Sauer ausgerechnet im Wasser hilflos ist, hätte er sich früher nicht vorstellen können. Er war 25 Jahre lang Schwimmmeister im Karlsfelder Hallenbad: „Da habe ich Kindern von der zweiten bis vierten Klasse das Schwimmen gelernt und Menschen aus dem Becken gerettet oder wiederbelebt, denn damals konnten viele nicht schwimmen, oder nur sehr schlecht.“

Jetzt war er auf die Hilfe anderer angewiesen: „Erste Hilfe ist das A & O, viele schauen da weg“, aber seine Nachbarn haben alles richtig gemacht: „Ich kann stolz auf meine Retter sein.“

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