Brücke, rechts zwei Schilder
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Die Maisachbrücke heute – eine überaus wichtige Verbindung und manchmal ein Nadelöhr zwischen Bergkirchen und Feldgeding.

Verbindung zwischen Bergkirchen und Felgeding

Maisachbrücke hat eine bewegte Geschichte

70 Jahre Maisachbrücke in Bergkirchen: Das sind 70 Jahre mit kleinen Geschichten und Ereignissen. Sogar gerauft wurde wegen der Brücke - bei einer Hochzeit!

Bergkirchen – Die Maisachbrücke in Bergkirchen, die in der jetzigen Bauweise im Jahr 1951 errichtet wurde, wird 70 Jahre alt. Heimatforscher Hubert Eberl ist der wechselvollen Geschichte dieser wichtigen Verbindung zwischen Feldgeding und Bergkirchen nachgegangen, denn: „Zwischen beiden Orten wurde außerordentlich oft „hin- und hergeheiratet“. Aber es gab auch wegen der Brücke kommunalpolitische Unstimmigkeiten der beiden bis 1978 selbstständigen Gemeinden.

Bereits 1906 hatte die Gemeinde Bergkirchen eine massive Betonbrücke über die Maisach gebaut. Fuhrwerke mussten ab dieser Zeit nicht mehr die Furt durch die Maisach benutzen. Für Fußgänger gab es damals 50 Meter abwärts an der Maisach einen Steg, der es ermöglichte, trockenen Fußes ganzjährig den Fluss zu überqueren. Das war schon deshalb wichtig, weil die Feldgedinger die Sonntagsmesse regelmäßig in Bergkirchen besuchten.

Der vom Steg ausgehende Weg führte damals auf der Bergkirchner Seite quer über eine Wiese vom Gastwirt Groß (heute Siedlung an der Wührstraße) in den Ort hinein. 1935 sollte der auf der Sauweide (heute Badeweiher) befindliche Fußballplatz auf diese Wiese verlegt werden, was den Feldgedingern nicht passte. Der Bergkirchner Landwirt Franz Brummer senior hat hierzu berichtet: „Bei der Hochzeit vom Guggerl Jackl [Jakob Leitenstorfer] und der Schuster Marie von Feldgeding sind die Bergkirchner und Feldgedinger Burschen wegen dem Fußweg übers ,Kreuz‘ geraten. Das hat die schönste Rauferei gegeben.“

Die „Seufzerbrücke“ von Bergkirchen

Die Brücke aber wurde schon bald nach ihrer Errichtung im Jahre 1906 auch als „Seufzerbrücke“ bezeichnet, weil die Feldgedinger Brautpaare über sie zur Trauung nach Bergkirchen ziehen mussten.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges hin erfüllte diese Brücke ihren Zweck. Kurz vor Einmarsch der US-Streitkräfte, am 29. April 1945, wurde sie von der Wehrmacht noch gesprengt. Sollten die Amerikaner, die längst in weiten Teilen des Reichs, etwa an der Maisach noch gestoppt werden? Am gleichen Tag noch wurde Bergkirchen ohne weiteren Widerstand besetzt. Die gesprengte Maisachbrücke konnte bald notdürftig instandgesetzt werden. Ab 1950 war aber ein Befahren, ohne die Gefahr durchzubrechen, nicht mehr gewährleistet.

Im Einvernehmen mit dem Vorstand des Wasserverbandes Maisach III stellte die Gemeinde an das Wasserwirtschaftsamt München den Antrag für einen Brückenneubau. Der Chef des Wasserwirtschaftsamtes, Dr. Niedermeier, und Regierungsoberbaurat Weiß erschienen bald darauf zur Brückenbesichtigung.

Das Ergebnis: eine sofortige, kostenlose Plananfertigung für eine Spannbrücke (ohne Pfeiler) mit einer Tragkraft von acht Tonnen. Aufgrund von vorausschauenden gemeindlichen Einwänden wurde die Tragkraft noch auf zwölf Tonnen erhöht.

Zugleich wurde beantragt, beiderseits der Brücke einen Gehweg für Fußgänger mit zu planen, um den alten Maisachsteg zu beseitigen, der diese immer noch überspannte und bei Hochwasser den Wasserablauf hemmte.

Steg beseitigen? Kommt nicht in Frage!

Dieses Vorhaben rief bei den Feldgedinger Bürgern eine Protestwelle hervor. Bürgermeister August Riedl legte daraufhin im Namen seiner Gemeinde Einspruch gegen den Abbruch des Fußgängersteges ein und erhob in gleicher Angelegenheit Klage gegen die Gemeinde Bergkirchen. Die Klage wurde jedochabgewiesen.

Michael Krotzer schrieb dazu in seinen Lebenserinnerungen: „Daraufhin waren Bürgermeister Riedl und sein Gemeinderat nicht besonders gut auf Bergkirchen zu sprechen. Die Zukunft bewies aber die Richtigkeit dieser Planung.“ Immerhin, der Konflikt wurde in diesem Fall friedlich gelöst.

Kurz vor dem Einmarsch der US-Amerikaner, am 29. April 1945, wurde die Maisachbrücke noch gesprengt.

Akribisch hat Michael Krotzer auch die schwierige Finanzierung der Brücke aufgelistet: „Die Kostenberechnung betrug 32 000 DM. In der Gemeindekasse befand sich aber keinerlei Rücklage für den Brückenbau. Ein Gesuch an die Regierung von Oberbayern brachte 5000 DM Zuschuss. Ein Gesuch an den Landkreis wurde abgelehnt, ein Gesuch an das Amt für Kriegsfolgelasten ebenfalls. Der Antrag an den neuen Jagdpächter, Fritz Barth, eine Vorschusszahlung zu leisten, brachte 5000 DM, und der Verkauf der großen Eisenträger von der alten Brücke noch einmal 2500 DM. Mit diesem Anfangskapital von 12 500 DM wurde der Brückenbau zum berechneten Kostensatz von 32 500 DM an die Firma Hanisch & Kiendl aus München vergeben. Die Sparkasse Dachau gewährte einen Kredit von 20 000 DM. Somit war die Finanzierung gesichert. Die Fertigstellung der Brücke war im Herbst 1951. Das Brückengeländer fertigte die ortsansässige Schreinerei Anton Pfeil.“

Fazit: Nach 70 Jahren besteht die Brücke über die Maisach, etwas verbreitert durch einen angebauten Steg, immer noch. Feldgedinger und Bergkirchner haben trotz Streitigkeiten um Brücke oder Steg in der Vergangenheit immer einen Weg über die Maisach – mit oder ohne Brücke – gefunden. Und die Gemeinde Bergkirchen führt ein Brückenbuch mit dem Ziel der Erkennung und Beurteilung des Ist-Zustands sowie einer frühzeitigen Schadenserfassung. In Anbetracht des zunehmenden Verkehrsaufkommens ist die Maisachbrücke allerdings zu bestimmten Zeiten zu einem Nadelöhr geworden.

Ingrid Koch

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