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Unterwegs im besten Sommer ihres Lebens (von links): Patrick Brenner, Lisa Wittemer und Jonathan Kramer im Hoftheater-Stück „Tschick“, das Ansgar Wilk inszeniert. foto: koch

Hoftheater bringt „Tschick“ auf die Bühne

Mit Hitlerbärtchen in die Walachei

Das Bergkirchner Hoftheater führt Tschick auf: Die Helden des Stücks fahren dabei durch die ostdeutsche Provinz und erleben den Sommer ihres Lebens.

Bergkirchen Witzig, unterhaltsam und mit einem Schuss Ironie hat das Hoftheater Bergkirchen ein jugendrelevantes Stück auf die Bühne gebracht, die auch Erwachsene nicht kalt lässt. Es gibt viel zu lachen in der von Robert Koall geschriebenen Bühnenfassung des vielfach ausgezeichneten Jugendromans „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf. Doch auch die nachdenklichen Momente fehlen nicht.

Ansgar Wilk hat die Geschichte über die beiden jugendlichen Außenseiter Maik und Tschick spannend inszeniert und die berührend komischen Situationen wirkungsvoll in Szene gesetzt. Die Helden des Stücks wachsen in unterschiedlichen Milieus in Berlin auf, ihnen fehlt der Zugang zu ihren Mitschülern und den Eltern. Nach einer abenteuerlichen Irrfahrt durch die ostdeutsche Provinz schließen sie Freundschaft und erleben den „besten Sommer“ ihres Lebens.

Faszinierend und erfrischend agieren die beiden Hauptdarsteller: Patrick Brenner, der seit „Party für eine Leiche“ zum Hoftheater-Ensemble gehört, spielt den sensiblen Loser Maik Klingenberg, „den Psycho und Langweiler“ aus der wohl situierten Familie. Die Mutter (Lisa Wittemer), eine Trinkerin, begibt sich zum Entzug auf eine Beauty Farm, der Vater (Ansgar Wilk) vergnügt sich derweil mit seiner Geliebten auf einer angeblichen Geschäftsreise. Maiks cooler Mitschüler, der Russlanddeutsche Adrej Tschichatschow, genannt Tschick, aus den Wohnsilos von Berlin-Mahrzahn hat „fast nichts mehr zu verlieren“. 

Als lässiger Draufgänger mit natürlichem Charme, locker und frech, ist erstmals der 19-jährige Jonathan Kramer zu erleben. „Eine Entdeckung des Hoftheaters“, wie Theaterleiter Herbert Müller sagt. Jonathan absolviert in Bergkirchen gerade ein einjähriges Praktikum als Regieassistent, und ihm wurde der erste Sprung auf die Bretter – und dazu gleich eine Titelrolle – zugetraut. Als Tschick beeindruckt er vom ersten Augenblick an mit seinen flotten Sprüchen und wie er simuliert, den gestohlenen Lada in den Griff zu bekommen und dabei versucht, den vorsichtigeren Maik bei Laune zu halten. Dazu läuft auf der einzigen Kassette die Musik von Richard Clayderman.

Um älter zu wirken, kleben sich die beiden 14-Jährigen Hitlerbärtchen an. An der Müllkippe stoßen sie auf die wohnsitzlose Isa, die Lisa Wittemer packend verkörpert. Mit ihr kommt Sexualität ins Spiel und ein kurzes Nachdenken: Was wird mit uns in 50 Jahren sein? Die geplante Fahrt in die Walachei endet mit einem Unfall, der Leben und Tod drastisch vor Augen führt. Das Erwachsenwerden ist unaufhaltsam.

Ulrike Beckers hat im Bühnenbild die unterschiedlichen Welten angedeutet. Die Handlung unterstreichen die Sound- und die Lichteffekte von Max.I. Milian, Jonathan Kramer, Gudrun Wilk und Ansgar Wilk.

Das Premierenpublikum war hingerissen und honorierte die überragende Leistung der Darsteller dieser bewegenden Geschichte in authentischer Sprache mit lang anhaltendem Applaus.

Die nächsten Vorstellungen 

finden am Sonntag, 26. November, um 17 Uhr und Samstag, 9. Dezember, um 20 Uhr statt. Karten gibt es unter Telefon 0 81 31/32 64 00 oder E-Mail an mail@hoftheater-bergkirchen.de. 

Von Ingrid Koch

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