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Liebe ist unbeirrbar: So finden Zofe Lisette (Mona Weiblen) und der Diener Arlequin (Stefan Roth) zusammen.

Premiere am Hoftheater Bergkirchen

Der Glaube an die Liebe

Doppelbödiges Spiel, aufgewühlte Gefühlte, temporeiche Dialoge und große Schauspielkunst: Die Besucher der Premiere von „Das Spiel von Liebe und Zufall“ im Hoftheater Bergkirchen waren begeistert. Schließlich geht es um nichts Geringeres als den unerschütterlichen Glauben an die Liebe.

Bergkirchen – Der Park des Hauses von Monsieur Orgon in Paris ist der Schauplatz der galanten Komödie „Das Spiel von Liebe und Zufall“ von Pierre de Marivaux (1688-1763). Herbert Müller hat das Stück für das Hoftheater Bergkirchen bearbeitet. Es handelt sich um eines der meist gespielten Werke des französischen Dramatikers, das sprachlich spielerisch und elegant das Leben in den Pariser Salons im 17. Jahrhundert widerspiegelt und zugleich unter den Einflüssen der Aufklärung die gesellschaftliche Hierarchie in Frage stellt. Zum ersten Mal führt im Hoftheater Bergkirchen die Münchner Schauspielerin und Leiterin der Weilheimer Festspiele, Yvonne Brosch, Regie.

In dem turbulenten Verwechslungsspiel geht es um den unerschütterlichen Glauben an die Liebe und darum, dass „der Diener kein richtiger Diener und der Herr alles andere als ein Herr ist“. Leugnen können beide ihre Herkunft nicht. Das frische, luftige Bühnenbild von Ulrike Beckers in Weiß und Grün mit zwei Gartenbänken schafft den ansprechenden Rahmen in dem klassischen Lustspiel. Sie hat ferner für die beiden entzückenden Hauptdarstellerinnen, Helena Schneider als Silvia, Tochter des Hauses, und Mona Weiblen in der Rolle der Zofe Lisette, schmeichelnde Kostüme geschneidert.

Die beiden selbstbewussten, grazilen jungen Damen halten sich im Park durch Laufen fit – auch ein Handstand ist kein Problem. Sie kämpfen mit großer Überzeugungskraft um ihre Liebe. Von den Ansichten der „alten Knacker“ lassen sie sich nicht beeinflussen, denn sie haben ihre eigenen Vorstellungen von den „zweigesichtigen“ Männern – eins vor der und eins nach der Ehe. Als Monsieur Orgon, Silvias Vater (Herbert Müller), und dessen Bruder Mario (Jürgen Füser) für die arrangierte Hochzeit den für Silvia zugedachten Bräutigam avisieren, tauschen Herrin und Dienerin die Rollen, um den Charakter des Kandidaten, Monsieur Dorante (Ansgar Wilk), zu prüfen.

Doch dieser verfolgt die gleiche Idee, indem er sich als sein Diener Arlequin ausgibt, sein höfisches Gebaren jedoch nicht ablegen kann. Er ist sogleich verzaubert von der reizenden Zofe. Der falsche Dorante (Stephan Roth) gibt sich flegelhaft und borniert. Er kann die Augen nicht mehr von der angeblichen Herrin lassen, und es entbrennt eine stürmische Liebe. Letztendlich gilt es noch, die Frage des Klassenunterschieds zu klären: Ist die Liebe des echten Dorante so groß, dass er eine Zofe heiraten würde?

Da die Zuschauer von Anfang an in den Identitätswechsel eingeweiht sind, können sie das doppelbödige Spiel der aufgewühlten Gefühle mit seinen tempo- und geistreichen Dialogen bis zum glücklichen Ausgang in vollen Zügen genießen. Das Premierenpublikum in der ausverkauften Vorstellung war hingerissen von der darstellerischen Leistung der Mitwirkenden, dem Liebreiz der Damen und dem temperamentvollen Werben der Herren, die gelegentlich auch derb-komische Züge an den Tag legen. Monsieur Orgon hat das Schlusswort und prognostiziert: „Das dicke Ende kommt erst in der Ehe.“

Weitere Vorstellungen

Die nächsten Aufführungen finden statt am Samstag, 20. Mai, 20 Uhr, Sonntag, 21. Mai, um 17 Uhr, sowie 9. und 23. Juni, jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es unter: 0 81 31/32 64 00 oder mail@hoftheater-bergkirchen.de.

(ink)

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