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Wenn der Alltag hörbar gemacht wird

Projekt „Hörpfade“ in der Gemeinde Bergkirchen entwickelt sich gut

Im Jahr 2015 haben Anita Zacherl, stellvertretende Vhs-Vorsitzende in Bergkirchen, und Anna Schwarz die „Hörpfade“ in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk, der Stiftung Zuhören und dem Bayerischen Volkshochschulverbund initiiert und weiterentwickelt. 26 Audio-Stationen sind oder werden im Gemeindebereich zur „Spurensuche“ noch aufgestellt.

Anita Zacherl lädt zu den jeweiligen Treffen im Bruggerhaus auch Interessierte aus dem Landkreis ein, denn sie arbeitet außerdem im Vorstand der Volkshochschulen Dachauer Land mit. Beim jüngsten Treff war als Dozent der Radiojournalist Dr. Hellmuth Nordwig zu Gast, um Anregungen zu geben und über Qualitätskriterien zu urteilen, während die letzte Entscheidung der Bayerischen Rundfunk trifft. Dr. Nordwig zeigte sich „fasziniert von den Themen und dass Alltag hörbar wird“.

„Hut ab“ lobte er, nachdem er zunächst den fertiggestellten Audio-Beitrag von Paula Donhauser aus Hebertshausen gehört hatte. Sie hatte sich intensiv mit dem Kräutergarten in Dachau beschäftigt. Entstanden ist ein lebendiges, packendes Hörbild aus der jüngsten Vergangenheit.

Angelika Witter aus der Gemeinde Schwabhausen stellte ihr bereits ausgefeiltes Manuskript über den 12. Juli 1944 vor, als 53 Bomben, „unter Umständen aus Versehen“, in Machtenstein einschlugen und es Tote und Verletzte zu beklagen gab. Der Dozent hatte noch einige Verbesserungsvorschläge.

Das galt auch für Anita Zacherl, die einen schon mehrfach überarbeiteten Text in Mundart über ihr Dorf Palsweis erneut präsentierte. An diesen Beispielen lässt sich schon erahnen, wie viel Arbeit die Heimatforscher investieren, um Wissenswertes über Persönlichkeiten, historische Ereignisse oder Besonderheiten aus der Region hörbar zu vermitteln. „Manche geben auf“, weiß Anita Zacherl aus Erfahrung.

Als Heimatforscher ist Hubert Eberl mit der Geschichte seiner Heimatgemeinde Bergkirchen bestens vertraut, denn er hat für die 2014 erschienene Bergkirchner Dorfchronik jahrelang recherchiert. Sein neues Thema für eine Audio-Station ist das Leobschützer Kreuz auf dem Friedhof der Pfarrkirche, das in neuem Glanz erstrahlt, nachdem die Gemeinde die Restaurierung veranlasst hat. Es erinnert an Flucht und Vertreibung aus Oberschlesien.

In der Kirche St. Johann Baptist trafen sich nach dem Krieg die Heimatvertriebenen, um dort gemeinsam Gottesdienste zu feiern. Hubert Eberl hat für das Projekt eine ältere Zeitzeugin aus Maisach ausgemacht, und er möchte das hier gänzlich unbekannte St.-Anna-Lied einbauen, „das in Leobschütz eine Art Hymne war“. Dr. Nordwig empfahl unter anderem, die Erzählpassagen zu kürzen und das Emotionale mehr wirken zu lassen.

Am Montag, 10. Februar 2020, von 19 bis 21.30 Uhr findet der nächste Hörpfade-Treff mit Dr. Nordwig und Anita Zacherl im Bruggerhaus statt. Die Aufnahmetechnik steht dann im Vordergrund. Auskunft unter www.vhs-bergkirchen.de oder E-Mail bildung @vhs-bergkirchen.de. Ingrid Koch

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