Altes Schwarz-Weiß-Foto mit mehreren Kindern.
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Die Feldgedinger Scherfanger auf der Obergürg-Wiese Ende der 1960er Jahre: Albert Doll, Josef Taferner, Franz Taferner, Hans Doll, mit der Gabel Sepp Fischhaber und Irmgard Doll (von links); am Scherhaufen Martin Steier.

Die Scherfanger von Feldgeding

Geschichtswerkstatt - Vom Donisl und seinen Schwanzln

Nach dem zweiten Weltkrieg kümmerte sich der Dachauer Donisl um das Scherfangen - dem Fangen von Maulwürfen. Die Schwanzerl seiner Beute verkaufte er für Bier.

Feldgeding – Eine wichtige Aufgabe in den landwirtschaftlichen Fluren war das Scherfangen, also das Fangen von Maulwürfen. Dies verrichtete in Feldgeding nach dem Krieg bis in die 1950er- Jahre der Dachauer Donisl.

Er war eine merkwürdige Gestalt. Seine rechte Hand hatte nur noch einen Finger, den Daumen. Der linke Arm war amputiert. Seine Gliedmaßen hatte er beim Schwarzfischen verloren. Er benutzte dabei keine Angel, sondern eine der Granaten, die nach dem Krieg zentnerweise in den Amperauen lagen. Die Granate warf er ins Wasser, und die Explosion warf die Fische aufs Land. Doch einmal explodierte die Granate vorzeitig in seiner Hand. Dennoch war er war beim Wildern im Moos und beim Schwarzfischen flinker und geschickter als jeder nicht Versehrte. Er brauchte keine Flinte, sondern erlegte Hasen, Rebhühner und Fasane nur mit seinem Arm.

Erstaunt verfolgten die Kinder, wie er mit dem einen Daumen den Bügel vom Bierflaschl aufschnalzen lassen konnte. Und das Bier mochte er gerne, egal ob aus der Flasche oder dem Bierkrug. Wenn er die Schwanzln seiner gefangenen Beute beim Bürgermeister Riedl auf den Küchentisch legte, bekam er seinen Lohn: für 1 Scher 20 Pfennig, für eine Wühlmaus 30 Pfennig.

Und diesen Lohn setzte er in Bier um! Damit ihm niemand von seinem Bier trank, tauchte er den Scher ins Bierglas. Wenn er wieder mal knapp bei Kasse und sein Durst groß war, ging er auch mal eine Wette ein: Er sollte für eine Mass Bier einem Scher den Kopf abbeißen. Ohne Aufhebens vollbrachte er die Tat und seine Mass war ihm gewiss.

Als Donisl aufhörte, übernahm 1953 der Heimatvertriebene Hans Willinger die Tätigkeit des Scherfangens. Für ein Maulwurfschwanzerl gab’s dann schon 35 Pfennig, für ein Wühlmausschwanzerl ein Fuchzgerl. Albert Doll von der Jagdgenossenschaft tätigte die Auszahlung.

Nachdem Johann Willinger aufhörte, machten sich Feldgedinger Buben ans Scherfangen und besserten so ihr klägliches Taschengeld auf. Das Ersparte reichte für einen Volksfestbesuch in Dachau. Der Huawa Xare von Dachau zum Beispiel war Jahrzehnte lang auch Scherfanger, in den Fluren von Webling, Pullhausen und Breitenau. Auch er verkaufte die Schwanzl. Die gefangenen Nager enthäutete er und trocknete sie an einer Bretterwand. Diese Felle verkaufte er an Pelz Thaler in Dachau. Sie wurden in die teuren Pelzmäntel als Futter eingenäht.

Mittlerweile stehen die unterirdischen Nager unter Artenschutz und sind streng geschützt. Und dass sie sich gut vermehren, zeigen die vielen Scherhaufen auf den Fluren.

Inge Bortenschlager

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