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Schon die erste Premiere ist ein Volltreffer

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2 Männer, einer hält Decke im Arm
Abschied von einem treuen Begleiter: Holger Weller (links) gibt Hund Poldi die letzte Spritze, und Ansgar Wilk mit schmerzverzerrtem Gesicht trauert. © ink

Bergkirchen – Einen unglaublich schönen Abend hat Ansgar Wilk seinem Publikum im Hoftheater Bergkirchen bei der ersten Premiere der neuen Spielzeit beschert. Er ist in dem Solostück „All das Schöne“ des britischen Erfolgsautors Duncan Macmillan zu erleben, das er auch inszeniert hat. Wilk gelingt es mit Einfühlungsvermögen und guter Laune, geschickt 70 Minuten lang die Zuhörer mit einzubeziehen und zum Lachen zu bringen.

VON INGRID KOCH

Wie Wilk im Vorfeld berichtete, sei ihm „das Werk sprichwörtlich zufällig über den Weg gelaufen beim Durchstöbern von Theaterspielplänen. Und es war Liebe auf den ersten Blick. Denn obwohl es ein ernstes Thema behandelt, ist es auf seine Art unglaublich lebensbejahend und komisch.“

In „All das Schöne“ geht es um Einsamkeit, Depression, Leben und Tod, aber auch darum, warum es sich lohnt, jeden Morgen aufzustehen und sich an den kleinen Dingen des Lebens zu erfreuen. Ein kleiner Junge beginnt nach dem Suizidversuch seiner Mutter, eine Liste zu schreiben, auf der all das Schöne steht, was den Tag für ihn heller macht: Eiscreme, Wasserschlachten, länger aufbleiben dürfen als sonst und fernsehen. Er wird erwachsen, und die Liste wird immer länger. Musik und Tanzen machen ihm Freude, als Student ist es die Literatur, die ihn weiterbringt. Die suizidgefährdete Mutter beeinflusst weiterhin sein Leben.

Die erste Begegnung mit dem Tod hat der Junge, als sein Hund Poldi stirbt. Und da kommt aus dem Publikum Holger Weller, von Beruf Landwirt, als Tierarzt ins Spiel, der Poldi die letzte Spritze setzt. Ingo Thomas übernimmt glaubwürdig auf Zuruf die Rolle des wortkargen Vaters. Den Part der sympathischen, vertrauenserweckenden Lehrerin Frau Wolf spielt Gabriele Gruber, die diesen Beruf auch im richtigen Leben ausübt.

Ja, und dann nimmt der schüchterne junge Mann Blickkontakt zu der hübschen Sarah in den Zuschauerreihen auf – Nicole, die ihm spontan einen Heiratsantrag macht. Die Glücksgefühle überwältigen ihn, lassen ihn tanzen und singen – bis Nicole nach Jahren der Routine ihre Sachen packt. Der Zurückgelassene braucht in seiner Verzweiflung wieder jemanden zum Sprechen – die Selbsthilfegruppe und erneut Frau Wolf.

Das Resümee des sehenswerten, unkonventionellen Stücks im Bühnenbild von Ulrike Beckers Stücks: Ohne Hoffnung können wir nicht weitermachen. Phantasie und Zuversicht bestimmen das Leben. Suizid ist keine Lösung.

Zum Schluss noch ein Gag: Nach dem nicht enden wollenden Beifall der Zuschauer für die schauspielerische Glanzleistung und die Spontanität des Solodarstellers bläst Wilk ein Meer von Papierschnitzeln über die Bühne – ein optisches Zeichen, dass es eine Million Gründe gibt, um Schönes zu entdecken.

Ihm ist es jedenfalls hervorragend gelungen, so wie es sein Wunsch war, „ etwas Gemeinsames zu gestalten und dem Publikum ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“.

Weitere Vorstellungen:

Freitag, 8. Oktober, um 20 Uhr, Sonntag, 17. Oktober, um 17 Uhr, Freitag, 29. Oktober, um 20 Uhr und Sonntag, 28. November, um 17 Uhr. Karten gibt es per E-Mail an mail@hoftheater-bergkirchen.de oder telefonisch unter 0 81 31/32 64 00.

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