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Gefangen im Alptraum: Patrick Brenner, Ansgar Wilk und Janet Bens in ihrem geheimen Zufluchtsort, Jürgen Füser versteckt sich hinter dem Vorhang (von links). 

Premiere von „1984 – Alptraum“ am Hoftheater

Erschreckend aktuell

Das Stück „1984 – Alptraum“ hat jetzt im Bergkirchner Hoftheater Premiere gefeiert. Darin wird ein düsteres Szenario eines totalitären Überwachungsstaats gezeichnet.

Bergkirchen – Nach der turbulenten Komödie „Der nackte Wahnsinn“, die temperamentvoll die Welt des Theaters beleuchtet, rückt das Hoftheater Bergkirchen nun in der aufrüttelnden Inszenierung von Herbert Müller das Schauspiel „1984 – Alptraum“ des tschechisch-österreichischen Autors Pavel Kohout nach dem Roman von George Orwell in den Blickpunkt.

Kohout, geboren 1928 in Prag, der als Folge des Prager Frühlings aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen und mit Publikationsverbot belegt wurde, führt auf beängstigende Weise das Schreckensszenario eines totalitären Systems mit menschenverachteten Strukturen vor Augen. Im Bühnenbild von Ulrike Beckers bilden eine transparente Wand, drei Leitern und weiße Tücher die Kulisse, um die Gewaltherrschaft Ozeaniens, in der der „Große Bruder“ herrscht, zu verdeutlichen. Der schrill dröhnende Kampfgesang der Gedankenpolizei und die angekündigten Maßnahmen lassen erahnen, welchen Einfluss die Folterknechte auf das Leben der Menschen ausüben: Die Anzahl der Wörter wird reduziert, Träume sind verboten, Freiheit ist Sklaverei, Krieg bedeutet Frieden. Der Leitsatz im fiktiven Jahr 1984 heißt: „Big brother is watching you!“ Gegner werden „vaporisiert“.

In der Hauptrolle als grüblerischer Winston Smith ist Ansgar Wilk zu erleben. Er sucht verzweifelt nach Auswegen aus der Diktatur, die er sich mit einem heimlichen Tagebuch verschafft. In einer bewegenden Szene fragt er einen alten Mann (Jürgen Füser), wie das Leben früher war, als ein Ehrenwort noch zählte. Und dann trifft er Julia (Janet Bens), die als Parteimitglied „alles tut, was die Schweine wollen“. Mit Hilfe des geheimnisvollen Dr. Charrington (Patrick Brenner) findet Winston einen Zufluchtsort, um sich mit seiner Geliebten Julia zu treffen. Julia ist gefühlsbetont, pragmatisch und will sich von der Partei ihre Lebenslust nicht zerstören lassen. Die Liebenden vertrauen sich einem scheinbar Verbündeten an, dem mächtigen Parteimitglied O’Brian (Jürgen Füser), einem vom Ministerium für Liebe eingesetztem Spion, der Mitglieder der Äußeren Partei auf „Gedankenverbrechen“ überwachen soll. Durch Folterung im „Ministerium der Liebe“ findet das Leben des Paares ein jähes Ende. Ein letzter Blick fällt hinter dem Vorhang auf Julia, die mit dem Tode ringend, ein tröstendes Lied auf den Lippen hat.

Das Premierenpublikum zeigte sich tief beeindruckt von der großartigen schauspielerischen Leistung der Mitwirkenden, die sich in menschliche Abgründe begeben, um wachzurütteln und damit auch die aktuellen Auswirkungen moderner Technik anzusprechen. Max I. Milian komponierte für dieses Stück eigens eine Bühnenmusik. Jonathan Kramer ist Mitglied der Gedankenpolizei und Regieassistent.

Weitere Vorstellungen

finden jeweils an den Samstagen 24. Februar, 3. und 10. März sowie am Freitag, 27. April zum letzten Mal in dieser Spielzeit um 20 Uhr statt. Karten zu 20 Euro beziehungsweise 18 Euro für Senioren sind erhältlich unter Telefon 0 81 31/32 46 00 oder E-Mail (mail@hoftheater-bergkirchen). 

  Ingrid Koch

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