Aufenthaltsbereich: Das sieht gemütlich aus, viel Platz haben die Hallenbewohner aber nicht. fotos: claus schunk

Traglufthallen für 1200 Flüchtlinge

Dachau - Sie sehen aus wie überdimensionale Iglus: Die Rede ist von Traglufthallen, wie sie derzeit in vielen Orten aufgebaut werden. Auch der Landkreis mietet vier Stück, um insgesamt 1200 Asylbewerber unterzubringen.

Der Landkreis Dachau wird vier große Traglufthallen mieten, um darin Asylbewerber unterzubringen. Die erste soll noch im September im Karlsfelder Gewerbegebiet entstehen (wir berichteten), im Oktober folgt Nummer zwei auf einem Grundstück zwischen Gada und Eisolzrieder See in der Gemeinde Bergkirchen. Die dritte Halle wird nach Auskunft aus dem Landratsamt in Dachau aufgebaut, vielleicht noch Ende des Jahres. Der vierte Standort ist noch offen.

„Wir handeln aus der Not heraus“, sagt Wolfgang Reichelt, Pressesprecher im Landratsamt. „Die Flüchtlingszahlen explodieren“. Etwa über 800 Asylbewerber sind derzeit im Landkreis untergebracht, im Normalfall werden pro Woche 42 weitere zugeteilt.

Die für 300 Personen ausgelegten Hallen werden von einem Anbieter aus Berlin aufgestellt, ausgestattet und möbliert. Der Landkreis mietet sie - zunächst bis Mitte 2017. Wie Reichelt mitteilt, liegt die Monatsmiete bei rund 80 000 Euro. Der Freistaat Bayern erstattet dem Landkreis Dachau die Miete zurück.

Die Asylbewerber werden in Abteilen untergebracht - je sechs Personen auf 11,6 Quadratmetern, geschlafen wird in Stockbetten. In der 2600 Quadratmeter großen Halle gibt es unter anderem Sanitäranlagen, einen Aufenthaltsbereich sowie Büros für Betreuer.

Kochen und waschen können die Bewohner dort nicht. „Das ist bei so vielen Menschen gar nicht möglich“, sagt Reichelt, „wir müssten Batterien an Kochgelegenheiten und Waschmaschinen aufstellen.“ Der Landkreis organisiert die Verpflegung über einen Caterer. Dafür bezahlen die Asylbewerber gewissermaßen selbst: Die Kosten werden ihnen vom Regelsatz abgezogen, Gleiches gilt für die Kosten für Leistungen wie das Wäschewaschen.

Die Traglufthallen haben einen entscheidenden Vorteil: Sie sind innerhalb von Tagen, und damit sehr viel schneller als Containeranlagen, aufgestellt. Benötigt wird nur ein etwa fußballfeldgroßes Grundstück mit Anschlüssen für Kanal, Wasser, Strom.

In die erste Halle in Karlsfeld sollen die Flüchtlinge verlegt werden, die derzeit in der Dachauer Berufsschulhalle untergebracht sind. Diese soll dann wieder Schülern und Sportlern zur Verfügung stehen.

In Karlsfeld gibt es noch keine Flüchtlingsunterkunft, in der Gemeinde Bergkirchen schon. Seit 2013 leben 54 Menschen in Gröbenried. Jetzt kommen auf einen Schlag 300 dazu. Bürgermeister Simon Landmann: „Das wird nicht einfach für uns.“

Thomas Leichsenring

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