Eugen Glonnegger
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Starb mit 90 Jahren: Eugen Glonnegger.

Träger des Bundesverdienstkreuzes hatte Kontakt zur Weißen Rose

Sozial engagierter Bergkirchner mit 90 Jahren gestorben: Trauer um Eugen Glonnegger

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Eugen Glonnegger aus Bergkirchen bereits am 21. Dezember im Alter von 90 Jahren verstorben. Zur Urnenbeisetzung auf dem Friedhof in Bergkirchen fand bereits ein ökumenischer Trauergottesdienst in der Pfarrkirche St. Johann Baptist statt. Wegen der Corona-Pandemie durfte leider nur ein kleiner Kreis an der Trauerfeier teilnehmen.

Bergkirchen – Eugen Glonnegger war in seiner oberschwäbischen Heimat der jüngste Kraftfahrzeugmechanikermeister. Im Alter von 60 Jahren bekam er die Bundesverdienstmedaille für sein soziales Engagement. Glonnegger war zunächst selbständiger Automobilkaufmann, bevor er 1972 zur Fraunhofer-Gesellschaft nach München kam, dort schnell Karriere machte und im Betriebsrat die Interessen der Arbeitnehmer vertrat.

Beruflich bedingt erfolgte der Umzug von Schwaben zunächst nach Palsweis, bevor sich in Bergkirchen ein Grundstück für das Eigenheim fand. Er zeigte außergewöhnliches soziales Engagement und war immer hilfsbereit, es trauern Ehefrau Martha, Sohn Jonas, Tochter Kathrin, fünf Enkelkinder und ein Urenkel.

Es begann in den 50er Jahren mit Berliner Kindern, die in Schwaben unbeschwerte Ferien verbringen konnten. In den 60er Jahren half Glonnegger afrikanischen Studenten. Mitte der 80er kümmerte er sich um zwei Iraker, zu denen noch bis ins hohe Alter Kontakt bestand. Lange Jahre stand die Familien- und Seniorenbetreuung bei der Caritas im Zentrum seines Bemühens. In Fortbildungskursen habe er dort „Menschenführung“ gelernt, sagte Glonnegger einmal. Über Jahrzehnte organisierte er ehrenamtlich mit viel Herzblut für die Caritas Familienfreizeiten, auch für Familien mit Migrationshintergrund.

Hinzugekommen ist die Arbeit in der Dachauer Versöhnungskirche, der sich Martha und Eugen Glonnegger gemeinsam widmeten. Auch das Team an der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau trauert deshalb. „Er gehörte mehr als 30 Jahre zum engen Umfeld unserer Kirche – als regelmäßiger Besucher der Gottesdienste und Veranstaltungen und im Ruhestand dann zusätzlich als engagierter ehrenamtlicher Mitarbeiter im sogenannten Präsenzdienst, der sich den Besucherinnen und Besuchern der Gedenkstätte aus aller Welt als Ansprechperson zur Verfügung stellte“, sagt Pfarrer Björn Mensing. „Voller Dankbarkeit erinnern wir uns an Eugen Glonnegger, der uns auch verbunden blieb, als er aus gesundheitlichen Gründen aus dem Präsenzdienst ausschied und immer seltener in die Versöhnungskirche kommen konnte.“

Eugen Glonnegger wurde am 13. August 1929 in Aulendorf, Kreis Ravensburg, geboren. In seiner frühen Jugend in der Zeit des Zweiten Weltkriegs war für ihn die politische Auseinandersetzung seiner beiden älteren Brüder prägend. Während der eine ein begeisterter Nationalsozialist war und 1942 für „Führer, Volk und Vaterland“ fiel, wurde der andere zum Gegner der NS-Regimes. Erwin Glonnegger arbeitete in der Versandbuchhandlung von Josef Rieck, die zahlreiche widerständige Frauen und Männer mit NS-kritischer Literatur versorgte. So auch Mitglieder der Weißen Rose.

Dies brachte Sophie Scholl dazu, an Rieck Flugblätter der Weißen Rose zu schicken. Erwin Glonnegger war an der Weiterverbreitung der Flugblätter beteiligt. Sein jüngerer Bruder Eugen holte hin und wieder Pakete bei der Post ab und brachte diese zur Buchhandlung. „Auch wenn Eugen selbst damals die Flugblätter wohl nicht las, so vermittelte Erwin ihm etwas von deren Inhalt“, sagt Mensing.

In den letzten Jahrzehnten waren für Eugen Glonnegger die Begegnungen mit Zeitzeugen wie dem Auschwitz- und Dachau-Überlebenden Max Mannheimer (†) und mit Texten des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer wichtig. Als leidenschaftlicher Sänger liebte er die moderne Vertonung von dessen Gedicht „Von guten Mächten wunderbar geborgen“.

Im Trauergottesdienst in Bergkirchen trug ein kleines Gesangsensemble aus der Familie Glonnegger das Lied vor, die Gemeinde summte unter den „Masken“ mit. Alle gemeinsam lasen das Glaubensbekenntnis von Bonhoeffer, das Eugen Glonnegger in so vielen Gottesdiensten der Versöhnungskirche mitgesprochen hatte: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen...“ Björn Mensing: „Eugen Glonnegger war solch ein Mensch.“ dn

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