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Beratungen über die neue Weltordnung im Vogelreich zwischen den beiden Athenern und den Vögeln, während Königin Wiedehopf im Hintergrund lauscht: Herbert Müller, die Vögel mit Jessica Dauser, Annalena Lipp, Mona Weiblen, Ansgar Wilk (von links) und Janet Bens (hinten).

Turbulentes Stück im Hoftheater Bergkirchen

Fast wie im wirklichen Leben

Großes Vergnügen und eine scharfsinnige politische Analyse: Mit dem turbulenten Stück „Wolkenkuckucksheim“ hat das Hoftheater Bergkirchen die erste Premiere der Saison 2017/18 gefeiert.

Bergkirchen – Wie in der Komödie „Die Vögel“ des griechischen Bühnendichters Aristophanes (445-385 v. Chr.), die Herbert Müller bearbeitet und inszeniert hat, werden politische und soziale Missstände angeprangert und Zitate regierender Politiker unter die Lupe genommen.

Etwa, wenn die Kanzlerin sagt: „ein Land, in dem wir gut und gerne leben“. Auf die Suche nach dem gelobten Land machen sich die beiden Athener, Herbert Müller als Ratefreund und Ansgar Wilk in der Rolle des Hoffegut. Sie wollen einfach nur zufrieden und behaglich leben. Von „Alternativlosigkeit“ haben sie genug. Den Glauben an die Politiker haben sie längst verloren. Macht und Geld zählen, und ein „Trumpen“ ist gewählt worden. Statt Brücken zu bauen, werden in Europa Mauern errichtet.

Mühsam erklimmen die beiden den höchsten Gipfel, um ins Vogelreich zu gelangen, in dem Königin Wiedehopf (Janet Bens) unangefochten herrscht. Umgeben ist sie von ihrer beflissenen Dienerin Papagei (Annalena Lipp) und zwei flinken Chorvögeln (Jessica Dauser und Mona Weiblen). Fröhliches Vogelgezwitscher empfängt die Suchenden, während Ulrike Beckes, zuständig für Ausstattung und Kostüme, mittels Projektion die Bühne und den Himmel in ein Reich taucht, das grenzenlose Freiheit verheißt.

Weil es auf der Erde so Brauch ist, überzeugen die beiden Athener die Königin, dem Vogelreich eine eigene Verfassung zu geben und es mit „einer mächtigen Mauer luftdicht“ abzugrenzen. Nach dem Motto „America first“ handelt nun auch die autoritäre Herrscherin.

Doch es bahnt sich ein Krieg zwischen Himmel und Erde an. Göttervater Zeus schickt ihr den feuerbringenden Prometheus, den Ansgar Wilk in seinem plüschigen Outfit in einer herrlich komischen Szene spielt. Obwohl sie Alleinherrscherin im „State of birds first“ werden könnte, macht sie eine Kehrtwende. Sie will sich nicht abhängig machen von überheblichen Ratgebern, Redenschreibern und Parteisekretären und befiehlt: „Reißt die Mauern wieder ein! Jeder ist willkommen. Wir sind pro Asyl. Wir schaffen das.“ Internationale Zusammenarbeit und weniger nationaler Egoismus verspricht Königin Wiedehopf in ihrer Regierungserklärung. Die „beflügelten“ Männer aus Athen, die sich mit ihren „Krähenfüßen“ in Stöckelschuhen ans Vogelreich angepasst haben, werden beide gleichzeitig von ihr geheiratet.

Die Vision, glücklich und zufrieden zu sein, erfüllt sich in dieser brillant gespielten Komödie. Die Zuschauer haben sich vom ersten Moment an dank des Einfallsreichtums dieser witzigen Inszenierung köstlich amüsiert und waren beindruckt, wie es auf spielerische Weise gelingt, die aktuelle politische Lage mit in das Geschehen einzubinden. Max I. Milian komponierte eigens für dieses Stück die stimmungsvolle Bühnenmusik. Für die Technik ist Gudrun Wilk zuständig.

Weitere Vorstellungen finden statt am 28. Oktober, 10., 11. und 24. November sowie am 1. und 7. Dezember, jeweils um 20 Uhr. Kartenbestellungen unter: 08131/326 400 oder mail@hoftheater-bergkirchen.de.

ink

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