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„Mein Zwilling“: Eva Hönigschmid und Max Mannheimer wurden am selben Tag geboren und waren enge Freunde. Unser Bild entstand bei einem Konzert im Juni 2016.

Geburtstag

Eva Hönigschmid: Eine ganz besondere Frau wird heute 100

Sie gilt als besondere Frau, nicht nur in der Gemeinde Bergkirchen: Eva Hönigschmid wird an diesem Donnerstag 100 Jahre alt.

Eisolzried Eine ganz besondere Frau feiert am heutigen Donnerstag ihren 100. Geburtstag: Eva Hönigschmid. Trotz ihres hohen Alters ist die Jubilarin aus Eisolzried immer noch quicklebendig, humorvoll und weltoffen.

Bücher gehören zu Hönigschmids Leben genauso wie die Musik. Sie spielt Klavier, war zehn Jahre lang Organistin in Deutenhausen und sang im Bergkirchner Kirchenchor. Für ihre Verdienste ist sie 2015 von der Gemeinde Bergkirchen mit der Bürgermedaille in Silber im Dezember ausgezeichnet worden. Die Jubilarin hat den Grundstein für die Gemeindebücherei gelegt und durch ihre Beiträge das kulturelle Leben bereichert.

Aufgewachsen ist sie in einer wohlhabenden, einflussreichen Industriellenfamilie in dem südmährischen Dorf Kwassitz (heute Kvasice) als die verwöhnte Tochter Eva von Proskowetz. Zu Hause ging es, wie sie erzählt, sehr vornehm zu: „Es servierte ein Diener mit weißen Handschuhen.“ Sie lernte Tschechisch, im Elternhaus wurde Deutsch gesprochen, und mit der Gouvernante sprach sie Französisch. 1939 nahm sie ein Chemie-Studium in München auf. Dort lernte sie beim Fechten zwei Mitglieder der „Weißen Rose“ kennen: Christoph Probst und Alexander Schmorell, dem sie sich besonders eng verbunden fühlte. Flugblätter zu transportieren, lehnte sie mit Rücksicht auf ihre Familie ab.

Als Zeitzeugin hat sie über diesen prägenden Lebensabschnitt, über Flucht und Ängste, aber auch über Hoffnung und Glück, immer wieder berichtet, vor Kurzem erst in einem ZDF-Beitrag.

Eine enge Freundschaft verband Eva Hönigschmid mit dem im September 2016 verstorbenen Max Mannheimer, dem Schriftsteller, Künstler und Vizepräsidenten des Internationalen Dachau-Komitees, der wie sie aus Mähren stammte, ebenfalls am 6. Februar 1920 zur Welt kam und den sie deshalb ihren „Zwilling“ nannte.

Mit ihrer „Jugendliebe“ Wolfgang war Eva Hönigschmid 65 Jahre lang glücklich verheiratet. Zunächst hatte das Paar mit seinen beiden Kindern in Prag ein luxuriöses Leben geführt. Als Wolfgang im November 1942 eingezogen wurde, zog die junge Frau zu ihren Eltern aufs Land, bis es 1944 politisch „brenzlig“ wurde und sie zunächst in Österreich Zuflucht fand.

„Ich habe immer Glück gehabt“, sagte sie im Bergkirchner Erzählcafé, beispielsweise, als sie durch den Krieg bedingt vor dem Nichts stand – ohne Beruf und mit zwei Kindern. Ihr Mann hatte ebenfalls Glück, er kehrte heil aus dem Krieg zurück.

Zwei weitere Buben wurden geboren, die Familie ließ sich schließlich in Eisolzried nieder, das Hönigschmid landschaftlich an Mähren erinnerte. Eisolzried war ihr „neues Zuhause“, dort fühlt sie sich bis heute zugehörig. „Es hat alles so sein müssen. Jeder hat sein Leben. Ich habe hier Luxus, mein Haus und meinen Garten.“

Verewigt hat sich Eva Hönigschmid in der Gemeinde Bergkirchen 2015, als ihre Familie mit den Söhnen, Kindern, Enkeln und Urenkeln in Abstimmung mit der Gemeinde Bergkirchen auf die Idee kam, aus Anlass des 95. Geburtstages einen Walnussbaum am Bruggerhaus zu pflanzen. Die Jubilarin ist auch Autorin eines Hörpfads, der an dieser Stelle im vergangenen Jahr angebracht worden ist. INGRID KOCH

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