Fahrräder sind begehrt. Sie wurden von Bürgern gespendet, und vom Helferkreis und den Flüchtlingen freudig entgegen genommen: Bernard Ihezuo (l.), Christina Aschenbrenner (sitzend mit grüner Schürze) und Johannes Fenk (hinten, Mitte). foto: kn/kna

Bernard Ihezuos Neuanfang im Garten

Egenburg - Menschen zu helfen, ist ein Akt der Menschenliebe, und damit ein Gebot des Christentums. Zu diesem Schluss sind auch katholische Einrichtungen gelangt. Wie die Pfarrei in Egenburg. Sie bietet Asylbewerbern ein Dach überm Kopf - und noch viel mehr.

Bernard Ihezuo steht vor einem kleinen Gemüsebeet, in der Hand einen Spaten, daneben eine Steige Salatpflanzen. Die sollen heute noch in die Erde. „This is Tomaten, ich habe gemacht Gemüse auch“, sagt er in gebrochenem Deutsch, aber nicht ohne Stolz. Er möchte etwas Sinnvolles anfangen mit seiner Zeit, betont der Mann. Sich nützlich machen in seiner neuen Heimat, am liebsten in einer sozialen Einrichtung. Aber jetzt ist erst einmal Salatpflanzen dran.

Seit etwa zwei Monaten lebt der 39-jährige Nigerianer mit neun anderen afrikanischen Flüchtlingen in einem ehemaligen Pfarrhaus in Egenburg. Bernard Ihezuo kannte Egenburg zuvor nicht, auch nicht Pfaffenhofen. Doch er ist froh, raus zu sein aus der Indersdorfer Tennishalle, in der er mit 30 anderen Flüchtlingen in den vergangenen neun Monaten hausen musste.

Das Pfarrhaus ist eines von rund 25 kirchlichen Gebäuden, die das Erzbistum München-Freising für Asylbewerber zur Verfügung stellt. Damit bietet das größte bayerische Bistum Platz für bis zu 500 Flüchtlinge. Bereits vor eineinhalb Jahren wurden die Kirchen von der Politik aufgefordert, leerstehende Pfarrhäuser zu melden. Die evangelische Landeskirche legte kurz darauf eine Liste mit 20 Wohnmöglichkeiten vor. Inzwischen hat sich auch einiges in den katholischen Bistümern getan. Mal kommen Asylbewerber im kirchlichen Altenheim unter, mal in einer Behindertenwerkstatt, mal im Kloster - oder eben im Pfarrhaus, wie hier.

Der Nigerianer Ihezuo ist froh, in Egenburg gelandet zu sein. Er mag die Ruhe, sagt er. Und das ehemalige Pfarrhaus ist groß genug für ein wenig Privatsphäre. Bernard Ihezuo hat fast ein Einzelzimmer - beinahe jedenfalls: Ein dunkler Vorhang trennt sein Bett vom gemeinsamen Wohnzimmer. Der Fernseher, die Couch, der Tisch darin- alles Spenden von Leuten aus dem Dorf.

Das ist ein weiterer Grund, warum sich der 39-Jährige hier so wohlfühlt: die Gastfreundlichkeit der Nachbarn. Auch wenn nicht jeder im Dorf begeistert war - schon kurz nachdem bekannt wurde, dass zehn Flüchtlinge ins ehemalige katholische Pfarrhaus ziehen würden, fanden sich ehrenamtliche Unterstützer zusammen, die Möbel und Fahrräder organisierten. Und eben die Salatpflanzen, die jetzt vor dem Beet stehen.

Christina Aschenbrenner hat sie mitgebracht. Die Gartenbauingenieurin ist der Meinung: „Das sind alles junge Männer, die nichts zu tun haben. Da können sie sich verausgaben, wenn sie wollen.“ So wie Bernard Ihezuo. Ihr Selbstverständnis als Christin sei, dass man eben helfe, wo man könne.

Dem stimmt Johannes Fenk zu. Der pensionierte Ingenieur koordiniert den Helferkreis. „Wir versuchen als Bürger, die Asylbewerber zu unterstützen, damit sie einen menschenwürdigen Aufenthalt hier bei uns in Deutschland haben“, sagt er, während er durch das Pfarrhaus führt. „Die Küche haben sie eigentlich recht ordentlich“, sagt er und zeigt auf die drei Mülleimer neben der Tür: Bioabfall, Gelber Sack und Restmüll - für Fenk gehört Mülltrennung ebenso zu einem guten Leben in Deutschland wie Sprache oder Fußball.

Also unterstützen die Helfer die Flüchtlinge nicht nur in Sachen Abfalleimer, sondern auch beim Deutsch lernen. Und: Inzwischen haben sie es geschafft, dass die Männer auf dem Fußballplatz kicken dürfen. Möglicherweise findet sich auch irgendwann ein Praktikumsplatz für Bernard Ihezuo, vielleicht in einem Altenheim. Er will sich erkenntlich zeigen - für das, was er bekommen hat.

(Veronika Wawatschek)

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