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Merkel im Dachauer Bierzelt

Wahlkampfrede im Dachauer Festzelt

Merkel mobilisiert die Massen

Dachau - Angela Merkels Rede im Dachauer Festzelt war keine große Bierzeltshow. Doch den 4500 Besuchern im Festzelt wurde im Laufe der gut 40 Minuten klar, worin ihr Erfolg liegt.

Es war der Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath, der die Stimmung im proppevoll gefüllten Festzelt auf den Punkt brachte: „Jeder hat heute erleben dürfen, warum ihre Sympathie- und Kompetenzwerte so hoch sind.“

Die Kanzlerin hatte eine gute halbe Stunde ein Tour d’Horizon zur Lage Deutschlands und Europas geliefert: locker, mit Zahlen gespickt, aber trotzdem unterhaltsam, zuweilen mit einem Schuss Selbstironie – und immer wieder mit einem kleinen Schlenker gegen das aus ihrer Sicht wohl zuweilen überbordende bayerische Selbstbewusstsein im Allgemeinen und das spezielle Selbstverständnis der CSU im Besonderen.

Die Mischung kam an, obwohl es keine typische Bierzeltrede war. Die 59-Jährige bringt ein Volksfestpublikum nicht zum Kochen, das entspricht nicht ihrem Naturell und vermutlich auch nicht ihren Ansprüchen. Sie wirkt eher wie eine Lehrerin, die Zusammenhänge erklären will und wie jede gute Pädagogin Anknüpfungspunkte für ihre Eleven sucht. „Sie müssen sich fragen: Was ist wichtig für Sie und Ihre Familie?“, sprach sie die 4500 Zuschauer an und forderte diese auf: „Dann müssen Sie schauen, welches Parteienangebot für Sie das richtige ist.“ Das war ein bisschen kokett, denn ein Großteil ihrer Zuhörerschaft waren CSU-Mitglieder und -Sympathisanten aus den Landkreisen Dachau und Fürstenfeldbruck. Dennoch: Es ist der Standardeinstieg, mit dem Merkel rund 60 Veranstaltungen in den nächsten Wochen bestreiten wird.

Andernorts steigt die CDU-Vorsitzende direkt mit der Frage nach der persönlichen Bedeutung der anstehenden Wahlen in ihre Rede ein (wie man auf ihrer Facebook-Seite nachsehen kann). Doch in Dachau lief es anders: Denn Merkel kam direkt von einem einstündigen Besuch der KZ-Gedenkstätte. Und sie kam sofort auf ein Thema zu sprechen, das man in der Amperstadt über viele Jahre nicht wahrhaben wollte: „Wer wollte, konnte damals sehen und hören, was hier geschah.“ Sie fuhr fort: „Nie wieder darf Ähnliches passieren, nie wieder darf jemand wegen seiner Herkunft, seiner Religion, seines Geschlechts oder seiner sexuellen Orientierung benachteiligt oder gar getötet werden!“ Die Dachauer reagierten mit einem Beifall, den man als überzeugend bezeichnen könnte.

 

Kanzlerin Merkel zu Gast im Bierzelt in Dachau

Kanzlerin Merkel zu Gast im Bierzelt in Dachau

Dennoch: Eine gewisse Distanz war anfänglich auf beiden Seiten zu spüren. Bayern scheint für die norddeutsche Protestantin ein etwas seltsames Terrain zu sein. Zum Beispiel wenn Merkel auf die bayerischen Hochschulen zu sprechen kommt: „Sie haben ja hier besonders gute Universitäten. Ich sage es ja nicht gerne, aber Sie werden Konkurrenz bekommen.“ Oder wenn sie auf die PISA-Ergebnisse der unterschiedlichen Bundesländer zu sprechen kommt: „Die besten Werte hat übrigens nicht Bayern, sondern Thüringen oder Sachsen.“

Solche Neckereien werden mit freundlichem Gelächter quittiert. Richtige Stimmung kommt in den wenigen Passagen auf, bei denen sie sich den politischen Gegnern widmet: „Ich sage Ihnen nicht, wann Sie Fleisch essen sollen oder wann nicht.“ Das war ein kleiner Seitenhieb auf einen Vorstoß der Grünen, die kürzlich einen „verpflichtenden Vegetariertag“ für Betriebskantinen gefordert hatten.

Ihren Gegenspieler Peer Steinbrück erwähnte Merkel übrigens mit keiner Silbe, auch nicht die FDP und deren Protagonisten. Der Einfachheit halber erledigte die Kanzlerin den Job des Oppositionsführers gleich selber und forderte vehement ein differenziertes Mindestlohnmodell – so als ob sie nicht die letzten zwei Legislaturperioden Zeit gehabt hätte, ein entsprechendes Gesetz auf den Weg zu bringen.

Doch warb die Kanzlerin auch für Unpopuläres wie die Rente mit 67: „Ich weiß, dass Sie das nicht gerne hören. Aber die Mathematik lehrt uns, dass wir mit immer weniger Beitragszahlern nicht die gleichen Leistungen erbringen können.“

Schließlich lobte Angela Merkel noch ihre Freundin Gerda Hasselfeldt, die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag: „Mit ihr haben Sie eine hervorragende Vertreterin im Bundestag sitzen. Gerda Hasselfeld moderiert die unterschiedlichen Interessen immer offen ehrlich und immer zuverlässig.“ Irgendwie hatte man das Gefühl, Merkel spricht dabei über sich selber und liefert ihre eigene Erklärung für ihren Erfolg beim politischen Publikum.

Kanzlerin Merkel zu Gast im Bierzelt in Dachau

Bilder von Merkels Besuch in KZ-Gedenkstätte

Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Besuch in Dachau

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