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Beweisvideo: Haft für zwei Schläger

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Dachau - Weil ein aufgeweckter Zeuge eine Schlägerei am Dachauer Bahnhof mit seinem Handy gefilmt hatte, wurden Anton L. und Walter S. überführt.

Die beiden Schläger wurden vor Gericht zu Haftstrafen von neun und zehn Monaten verurteilt.

Das Strafmaß wurde auch vom satten Vorstrafenregister der beiden beeinflusst: Der 36-jährige Walter S. sitzt seit November wegen Diebstahls in Haft und hat 23 Einträge im Bundeszentralregister. Sein Kumpel Anton L. (33) weist 15 Einträge auf.

Die beiden Freunde hatten sich an einem Nachmittag im April vergangenen Jahres mit ihrer Clique am Dachauer Bahnhof getroffen. Walter S. war bei seinem Arzt in München gewesen, wo er Ersatzstoffe verabreicht bekommen hatte, um seine Drogensucht zu stillen. Anschließend hatte er viel Wodka mit Red Bull getrunken. Als er betrunken am Bahnhof eintraf, war der Streit schon im Gange: Anton L. stellte Bernhard N. zur Rede, weil dieser am Vortag angeblich L.’s Lebensgefährtin angemacht hatte.

„Sowas geht gar nicht“, entrüstet sich Anton L. vor Gericht. „Wir haben ein Baby verloren und viel durchgemacht. Ich muss auf meine Frau achten.“ Als Bernhard N. die Anmache leugnete, begannen Anton L. und Walter S. auf ihn einzuschlagen, bis er zu Boden fiel. Richter Lukas Neubeck konnte auf dem Beweisvideo deutlich erkennen, dass beide Angreifer betrunken waren und einige ihrer Schläge ihr Opfer verfehlten - die Polizei stellte bei Anton L. einen Blutalkoholgehalt von 2,28 Promille fest.

Welche Verletzungen der Geschädigte erlitt, konnte nicht mehr ermittelt werden. Bernhard N. ist zwischenzeitlich an seinem Drogenkonsum gestorben. „Es tut mir so leid, was passiert ist“, beteuert der 33-jährige Anton L. „Der Bernhard und ich kannten uns aus der Schule. Wir haben uns nach dem Streit gleich wieder versöhnt und ein Bier miteinander getrunken.“ Richter Neubeck blieb unbeeindruckt von diesen Worten und verurteilte die Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung. Auch konnte Neubeck nur ungläubig schmunzeln, als Walter S. ihm nach der Urteilsverkündung zurief: „Ich verspreche ihnen, dass wir uns nie wieder in einem Gerichtssaal sehen werden.“

mhz

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