Bilder, die Spuren hinterlassen

Dachau - „Ich komme anders nach Hause, als ich hier angekommen bin." Dieser Satz steht im Gästebuch des Jugendgästehauses in Oswiecim. Auch die Stadträte haben Eindrücke von ihrer Fahrt nach Polen mitgenommen, die in ihnen arbeiten. Nicht nur schreckliche.

Massen von Schuhen, Koffern und Brillen, Prothesen, jüdischen Gebetsbüchern, Bürsten, Schuhe und Koffer in verschiedensten Größen: Die Habseligkeiten der Ermordeten sind in Sälen der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau ausgestellt. Sie zeigen, dass die Nazis keinen Unterschied machten zwischen Erwachsenen und Kindern. Diesen authentischen Teil des Museums empfinden viele Besucher als den am schwersten zu ertragenen.

Bilder, die auch bei den Dachauer Besuchern Spuren hinterlassen haben. Die Stadträte, Amtsleiter der Stadtverwaltung und OB Peter Bürgel besichtigten die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau - endlich. Seit Jahren schon war im Gespräch, dass die Stadtratsinformationsfahrt nach Polen führen soll - zu jenem Ort, wo der Weg der Vernichtung, der im KZ Dachau begann, fortgesetzt wurde, wo fabrikmäßiges Morden und systematisches Erniedrigen perfektioniert wurden.

„Dachau steht für den Anfang, Auschwitz steht für das Ende“, sagte OB Peter Bürgel. Beide Städtenamen seien ein Synonym für die Verbrechen des Nationalsozialismus. Wie wichtig daher der Austausch ist zwischen Dachau und Oswiecim, so lautet der polnische Name der Stadt, betonte Dachaus Oberbürgermeister. Im Foyer des Jugendgästehauses saß die Delegation aus Dachau mit dem Bürgermeister von Oswiecim, Stadtpräsident Janusz Marszalek, und dem Direktor des Jugendgästehauses, Leszek Szuster, zusammen.

Für Oswiecim, mit 57 000 Einwohnern die viertgrößte Stadt in Kleinpolen, sei die Stigmatisierung einerseits eine Last, aber angesichts der Zahl der Besucher eine Chance, erklärte Marszalek: Rund 1,2 Millionen Menschen besuchen jährlich die Gedenkstätte. Ein kleiner Teil der Besucher, etwa 20 000 bis 30 000, nimmt in Oswiecim eine Unterkunft, besichtigt und entdeckt die Stadt, geht essen und einkaufen. „Das bedeutet wirtschaftliche Möglichkeiten und Arbeitsplätze“, so Marszalek ganz offen.

Denn nicht nur das Lager, sondern auch eine wunderschöne Stadt könne man in Oswiecim entdecken, betonte Szuster, Leiter des Jugendgästehauses. Gleiches gilt eigentlich auch für Dachau. Der Stadtrat hat in der Vergangenheit durchaus Anstrengungen unternommen, Besucher der KZ-Gedenkstätte in die Altstadt zu locken - zum großen Teil vergeblich. Womöglich haben die Politiker nun ein wenig Verständnis: Denn aus Zeitgründen blieb der Delegation aus Dachau die Entdeckung von Oswiecims Altstadt verwehrt. Doch Bürgermeister Janusz Marszalek freue sich, den Gästen bei nächster Gelegenheit die Stadt zu zeigen.

Dass es weitere Gelegenheiten geben wird, daran besteht kein Zweifel. Schon seit 25 Jahren besteht der Künstleraustausch zwischen Oswiecim und Dachau, über 20 Jahre gibt es eine Schulpartnerschaft zwischen den Berufsschulen in Dachau und Oswiecim. Eine Lehrerin der Berufsschule und Initiatorin der Schulpartnerschaft, Eva Gorska, war es auch, die den Dachauern Besucher die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau zeigte.

Doch nicht nur schreckliche Erinnerungen werden die Dachauer Besucher aus Oswiecim mitnehmen: „Der Gedenkstättenbesuch ist nur ein Ausgangpunkt für jeden persönlich, um sich mit weiteren Details zu beschäftigen“, so Kulturamtsleiter Tobias Schneider. Historisch-wissenschaftlich gesehen stehe die Frage im Raum: Wie müssen Gedenkstätten in Zukunft ausgestattet sein, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt?

Diese Frage beschäftigte die Stadträte auch an den anderen beiden Tagen ihrer Informationsfahrt noch. Immer wieder war der Besuch der Gedenkstätte Thema, ob bei der Stadtbesichtigung, beim Spaziergang durch das Jüdische Viertel in Krakau oder beim gemeinsamen Essen. Das zeigt, dass der Satz im Gästebuch sicherlich auch für die Stadträte gilt: Sie kamen anders nach Hause, als sie angekommen sind.

Nikola Obermeier

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