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„Bio“-Tüten sind gar nicht so „bio“

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Dachau - Biokunststofftüten sollen angeblich "biologisch abbaubar" sein. Doch das Landratsamt will sie verbieten. Denn: Der Abbau ist mehr als schwierig.

Jeder kennt sie, jeder hat sie: Die unhandlichen, undichten Biokunststofftüten. Diese halb durchsichtigen Tüten, die beim Müll rausbringen den halben Flur volltropfen. Aber trotzdem werden sie gekauft: Denn die Tüten sind zu 100 Prozent Bio, zu 100 Prozent abbaubar - verspricht jedenfalls der Hersteller. Und das glaubt der Verbraucher.

Das war einmal. Denn jetzt wurden Dachauer Bürger vom Landratsamt dazu aufgefordert, in Zukunft gerade diese Müllsäcke nicht mehr zu verwenden. Grund: Die Tüten stören bei der Verarbeitung und müssen in der Kompostieranlage aussortiert werden. Jeder soll künftig seinen Biomüll in Zeitung oder Papiertüten einwickeln. Denn sonst behält sich das Landratsamt in Zukunft vor, den Bioabfall gegebenenfalls nicht mehr zu leeren.

Grund dafür ist eine Beschwerde des Abfallaufbereitungsunternehmens Wurzer Umwelt aus Eitting, das der Gemeinde für gewöhnlich die Kompostabfälle abnimmt. „Wir können diese Tüten nicht vollkommen zersetzen, da wir nicht die Vorrichtungen dafür haben“, sagt Hans Kenst, Chef des Unternehmens. Voraussetzung dafür sei Ozon, Licht, und Sauerstoff. Dazu müsse man die Tüten auf einem freiem Feld ausbreiten, erklärt Kenst. Dies sei natürlich nicht möglich, bei den Unmengen von Müll, die in der riesigen Anlage in Eitting tagtäglich verarbeitet werden. Doch in den riesigen Komposthaufen ist es schier unmöglich, den Tüten den nötigen Sauerstoff und vor allem das Licht für die vollkommene Zersetzung zu kommen zu lassen.

Selbst wenn dies möglich wäre, gäbe es ein zweites Problem: „Die gebräuchlichen biologisch abbaubaren Kunststoffe bauen sich viel langsamer als herkömmliche Bioabfälle ab und führen zu hohen Störstoff-Anteilen im Kompost“, erklärte der Vorstand des Verbandes der Humus- und Erdenwirtschaft Region Nord, Herbert Probst. Gleiches gilt für Bio-Plastiktüten die bei Aldi, Rewe & Co. angeboten werden.

Wer die Umwelt schützen will, muss also sowohl beim Biomüll, als auch beim Einkauf im Discounter weiterhin zur Papiertüte greifen. Oder beim Einkauf zur klassischen Plastiktüte. Denn die ist wenigstens wiederverwendbar.

(bvl)

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