Ein Zeitzeuge, der noch berichten kann: Gedenkstättenpädagogin Ulrike Jensen zeigt ein Foto von Aleksander Henryk Laks bei seiner Erinnerungsarbeit. Foto: habschied

Der Blickwinkel der neuen Generation

Dachau - Die Zeitzeugen schwinden, die Erinnerungen verblassen. Mit einer Fotoausstellung in der KZ-Gedenkstätte wollen Dachauer Jugendliche gemeinsam mit Fotograf Mark Mühlhaus genau das verhindern.

„Seht ihr, wie die Konturen langsam verblassen?“, fragt die 18-jährige Alisa Frischholz. Die Schülerin des Josef-Effner-Gymnasiums steht am Eröffnungsabend der Foto-Doppelausstellung „Generationen und Blickwinkel“ mit drei Freunden im Ausstellungsraum der KZ-Gedenkstätte. Gemeinsam betrachten die jungen Leute das Foto „Verblassen der Erinnerung: Konstruierte Vergangenheit“. Das Bild zeigt die in den 60er Jahren rekonstruierten Baracken auf dem Gedenkstättengelände. Durch technische Effekte verblassen zum rechten Bildrand die Umrisse der Gebäude. So, wie mit immer weniger Überlebenden die Erinnerungen an die Lager zu verblassen drohen und unscharf werden. Es ist eines von 17 Fotos von Schülern des JEG und Absolventen des Bundesfreiwilligen Dienstes am Max-Mannheimer-Studienzentrums, die gemeinsam mit den Fotos von Mark Mühlhaus bis Mitte März in Dachau zu sehen sind, danach geht die Doppelausstellung in den Bayerischen Landtag.

Für die Fotos von Mühlhaus ließen sich KZ-Überlebende während Gedenkfeiern und Zeitzeugengesprächen ablichten. In ganz persönlichen, stillen und traurigen Momenten. Alleine, oder mit ihren Familien in tiefer Trauer umschlungen. Ohne Titel und Beschreibungen sollen die Bilder für sich sprechen.

Diese Bilder inspirierten die Schüler zu eigenen Werken. In einem zweitägigen Workshop mit Fotograf Mark Mühlhaus entstanden ihre Bilder. Sie wurden alleine auf Spurensuche geschickt, und fanden Details, an denen viele Besucher vorbeilaufen. Etwa ein verwittertes Kreuz, das im Titel die Frage aufwirft: „Was bleibt?“

Mühlhaus bemüht sich seit einigen Jahren mit dem Projekt Generationen darum, Erinnerungen zu bewahren und die Weitergabe durch Überlebende zu dokumentieren. Da liegt es nahe, nachfolgende Generationen mit ein zu beziehen. Mit ihren Bildern wollen die Schüler den Wunsch der Überlebenden unterstützen, dass Erinnerungen auch in den nächsten Generationen nicht verblassen.

„Wir stehen an einer Epochenschwelle“, sagt Dr. Gabriele Hammermann. Die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau erinnerte die Besucher bei der Eröffnung daran, dass sich die Reihen der KZ-Überlebenden lichten und die Gedenkstättenarbeit bald ganz ohne die Zeitzeugen auskommen muss. Die Überlebenden hoffen auf die Fortführung des Gedenkens.

„Durch die künstlerische Annäherung an den Gedenkort bekamen wir einen persönlichen Zugang zu dem schwierigen Thema“, sagt Schülerin Helene Middelhauve. Ein Jahr lang haben sich die Schüler mit ihrem Lehrer Christoph Triebfürst mit der Geschichte der Gedenkstätte beschäftigt. Davor gingen die Schüler eher passiv auf das Gelände, erzählt Helene Middelhauve. „Jetzt sind ganz andere Emotionen dabei. Ich fühle mich dem Ort und der Geschichte näher.“

(ros)

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