Gesammelte Werke: CSU-Fraktionsvorsitzender Dominik Härtl hängt Kärtchen mit Argumenten, Gegenargumenten, Kritik und Vorschlägen der Zuschauer an eine Tafel. foto: hab

Bloß keine Experimente!

Dachau - Zur „Zukunft der Münchner Straße“ wollte die CSU Ideen und Vorschläge der Dachauer Bürger sammeln. Gesammelt wurden jedoch hauptsächlich Argumente gegen eine Umgestaltung. Der Tenor der Geschäftsleute lautete: Die Straße soll so bleiben, wie sie ist. Allerdings wurde ein wichtiger Aspekt völlig vergessen.

Die Münchner Straße ist eine lebendige Einkaufsstraße und eine der Hauptverkehrsadern in Dachau. 25 000 Fahrzeuge rollen täglich über die Münchner Straße. Übrigens ist sie auch „eine der Hauptunfallstraßen im Stadtgebiet Dachau“, sagt Richard Wacht, Verkehrsexperte der Dachauer Polizei. Und aufgrund der Unfallzahlen wünscht er sich schon einige bauliche Verbesserungen. Wacht sagte das nicht bei der CSU-Veranstaltung im Schützensaal des Drei Rosen am Dienstagabend, denn dort war er gar nicht. Die CSU hatte keine Fachleute eingeladen, ganz bewusst. „Wir wollen hören, was die Bürger denken“, sagte Dominik Härtl, Fraktionsvorsitzender der Stadtratsfraktion. Einzig die Moderation übernahm ein Verkehrsingenieur einer Münchner Firma, der außer ein wenig fachlicher Expertise nicht allzu viel beisteuern konnte - und sollte.

Denn an diesem Abend sollten die Geschäftsleute, Anwohner, Einkäufer, Nutzer der Münchner Straße das Wort haben. Aktueller Anlass der Veranstaltung seien laut Härtl zwei Anträge, mit denen sich die Stadträte demnächst befassen werden: ein Antrag der ehemaligen Stadträtin Elisabeth Schilhabel, die Münchner Straße von vier auf drei Spuren zu verschmälern, sowie ein Antrag des Bündnis für Dachau, eine Fuß- und Radwegquerung in Höhe der Einfahrt zur Scheibner-Schule einzurichten.

Doch die Geschäftsleute - die sich zahlreich zu Wort meldeten - warnten vor sämtlichen Maßnahmen des Rückbaus, die Parkplätze kosten oder den Verkehr verringern: „Wir brauchen den Verkehr, weil er viele Spontankäufe hervorruft“, sagte Isabel Seeber, Inhaberin der Candisserie und von „Patchouli“. Ihr Argument für die vier Spuren: „Der Anlieferverkehr ist ganz wichtig für uns: Was wäre, wenn der Lkw hält und wir hätten nur eine Spur?“ August Haas, Inhaber eines Hofladens in der Münchner Straße und CSU-Stadtrat, warnte vor Experimenten: „Finger weg von der Münchner Straße!“ Wenn man an den Parkplätzen rumkratze, mache man die gute Geschäftslage kaputt. Auch Optiker Frank Tannek und Daniela Missere vom Feinkosthandel Münchner-/Ecke Goethestraße waren der Meinung, dass die Münchner Straße so bleiben soll: „Ich halte die Straße verkehrstechnisch für gut, weil sie für die Kunden praktisch und einfach ist“, so Tannek. Auch die zwei Spuren in eine Richtung seien wichtig: Wenn jemand einen Parkplatz auf der gegenüberliegenden Straßenseite sehe, könne er sich auf die linke Spur stellen und blockiere nicht den Verkehrsfluss.

Schließlich sprachen auch einige wenige Besucher die Interessen anderer Verkehrsteilnehmer an. Zum Beispiel Gisbert Speth, Mitglied des Dachauer Seniorenbeirats, erwähnte Kinder, Senioren mit Rollatoren - und diese Radfahrer auf dem Gehweg, die trotz der Enge „oft schnell unterwegs sind“.

Dass das Problem mit den Radfahrern schwer lösbar ist, erkannte auch Moderator Jürgen Schmiele. Immerhin stellte er klar: „Radfahrer im Alter über zehn Jahren haben auf dem Gehweg nichts verloren.“ Seinem Vorschlag, Längsparkplätze plus Fahrradweg einzurichten, folgte ein Aufschrei der Geschäftsleute: „Dann gibt’s ja noch weniger Parkplätze!“

Vorschläge, auf dem Gehweg einen Fahrradstreifen zu markieren, wurden schnell entkräftet: Der Gehweg sei dafür an vielen Stellen zu schmal, erklärte Schmiele. Außerdem müssten dafür die Geschäftsleute ihre Stände auf dem Bürgersteig räumen, was laut Haas großen Schaden anrichten würde. Der einzige Vertreter der Geschäftsleute, der im Schützensaal des Drei Rosen die Situation der Fahrradfahrer ansprach, war Reinhold Petrich, der mit seiner Agentur die IG Münchner Straße vertritt: „Die Sicherheit ist ein echtes Problem.“

Anders ausgedrückt: Die Münchner Straße könnte bleiben, wie sie ist - wenn die Radler nicht wären. Der Moderator gab den Auftrag an die Stadtpolitik weiter, „hier einen Konsens zu finden“. Tobias Stephan, CSU-Ortsvorsitzender, plädierte derweil an alle Verkehrsteilnehmer, mehr Rücksicht zu nehmen - um das Miteinander von Fußgängern, Radlern und Autofahrern sicherer zu gestalten.

(no)

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