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Josef Mayr ist tot.

Trauer um Josef Mayr

Der Bräu von Vierkirchen ist tot

Vierkirchen - Er wird als letzter Bräu von Vierkirchen in die Geschichte der Gemeinde eingehen. Josef Mayr ist im Alter von 92 Jahren gestorben.

Kurz vor seinem 93. Geburtstag ist der ehemalige Brauerei- und Gastwirtschaftsbesitzer Josef Mayr nach schwerer Krankheit verstorben.

Mayr ist von Kind auf in Vierkirchen zu Hause gewesen. Hier wuchs er zusammen mit einer Schwester auf, in der Gastwirtschaft „Zum Bräu“ in der Ortsmitte, zu der damals noch ein land- und forstwirtschaftlicher Gutshof, eine Brauerei mit Mälzerei und eine Metzgerei gehörten. Von der Volksschule kam er in ein Internat nach Pfarrkirchen am Inn. Als 18-Jähriger musste er in den Krieg ziehen. Nach seiner Rückkehr ließ er sich in Weihenstephan zum Braumeister-Agrar-Ingenieur und Forstwirt ausbilden.

1967 übernahm Mayr, der als letzter Bräu von Vierkirchen in die Ortsgeschichte eingehen wird, bis 1985 die Brauerei. Zuvor wurde diese von seiner Mutter Maria Mayr und deren zweitem Mann Adolf Hilg geführt. Ihr erster Mann– ebenfalls ein Josef Mayr – war schon früh verstorben. Rund 600 000 Liter Bier (Export, Dunkles, Märzen und Bock zur Fastenzeit) wurden in Spitzenzeiten im Jahr produziert, erzählte Mayr noch stolz an seinem 90. Geburtstag.

Das Bier der Mayr´schen Brauerei Vierkirchen war nicht nur im Ort, sondern auch in der Umgebung recht beliebt. 1985 folgte die Verpachtung der Brauerei samt Wirtschaft an die Münchner Spaten Brauerei. Ein nicht alltägliches Ende fand die Brauerei 1987 mit dem Verkauf an eine Erlebnisbrauerei in Atlanta im amerikanischen Bundesstaat Georgia. Gastwirt war der Bräu Sepp zwar selbst nie, doch seine Wirtschaft, die er immer verpachtete hatte, war seine zweite Heimat. Noch bis Mai vergangenen Jahres sah man ihn zweimal wöchentlich am Stammtisch seiner Bräuwirtschaft sitzen, die jetzt als griechisches Speiselokal Achillion geführt wird.

Zum mittlerweile denkmalgeschützten Gasthof gehörte auch ein großer Saal auf der anderen Straßenseite. Dort fanden früher Feierlichkeiten aller Art statt. Auch die Diskothek Las Palmas, auf die Mayr immer ganz besonders stolz war, war dort untergebracht. Der Saal ist mittlerweile abgerissen, nicht aber die ehemaligen Stallungen beim Gasthaus, die jetzt Gewerbezwecken dienen.

Sepp Mayr war in vielen Vereinen Mitglied, liebte im Ruhestand die Arbeit in seinem Wald und war begeisterter Gartler in seinem großen Obst- und Gemüsegarten. Man kann ihn als ein in seiner Art seltenes bayerisches Mannsbild bezeichnen: Er unterhielt sich gerne mit den Leuten, hatte viel zu erzählen und interessierte sich immer für die Gemeinde- und Weltpolitik. Josef Mayr war Vater von zwei Zwillingstöchtern, von denen eine bereits gestorben ist, aus erster Ehe, und einer Tochter aus zweiter Ehe.

Zu den Wirtschaften, die mit Vierkirchner Bier einst beliefert wurden, gehörte auch das Gasthaus Bücherl in Weichs, dessen Besitzer Hans ein Cousin des Verstorbenen war. Gerne erinnert sich der Weichser Josef Lamprecht noch an die Zeiten, als die Freien Wähler von Vierkirchen und Weichs abwechselnd in den beiden Orten zum jährlichen Josefi-Treffen kamen. Fand dieses beim Bücherl in Weichs statt, zeigte sich der Vierkirchner Bräu großzügig und brachte ein kleines Fassl Freibier mit.

Mit Josef Mayr ist eine Person gegangen, die nicht nur als ehemaliger Bräu, sondern auch als engagierter Gemeinderat (von 1978 bis 1984) sich um die Gemeinde verdient gemacht hat. In seinem Nachruf erinnert Bürgermeister Harald Dirlenbach daran, dass der Verstorbene seine Heimatgemeinde viel unterstützte: „Durch seine Bereitschaft, Grund zur Verfügung zu stellen, konnten wichtige Projekte wie die Kläranlage und die Sportanlagen des SC realisiert werden.“ Einer seiner Töchter bleibt eine Aussage, die sie von ihrem Vater kurz vor seinem Tode gehört hat, in Erinnerung: „Ja, gibt’s denn do koa Bier!“ Einfach passend für den für den letzten Bräu von Vierkirchen. Um den Verstorbenen trauern neben seiner Frau Rosa die Töchter Rosemarie und Gabriela sowie vier Enkelkinder.

Der Trauergottesdienst

für Josef Mayr mit anschließender Beerdigung findet am Donnerstag, 19. Januar, um 14 Uhr in der Pfarrkirche von Vierkirchen statt.

Heinz Nefzger

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