Ablösung nach 20 Jahren: Edi Hörl (links) übernimmt den Vorsitz der Ludwig-Thoma-Gemeinde von Karl Bruckmayer. Foto: kn

Ära Bruckmayer beendet

Dachau - Eine Ära geht zu Ende: Nach 20 Jahren hat Karl Bruckmayer den Vorsitz der Ludwig-Thoma-Gemeinde abgegeben. Sein Nachfolger ist Edi Hörl.

Auf der Mitgliederversammlung der Ludwig-Thoma-Gemeinde im Zieglerbräu ist der Vorstand unter der routinierten Leitung von Katharina Ernst neu gewählt worden. Karl Bruckmayer, der 20 Jahre als Vorsitzender den Verein prägte, kandidierte - ebenso wie sein Stellvertreter Frederic Kirchgesser - nicht mehr.

Als Bruckmayer 1990 sein Amt antrat, konzentrierte sich der Verein vor allem auf das Andenken des Namenspatrons und die bairische Mundartliteratur. Er war es, der Autoren wie Bertolt Brecht, Franz Xaver Kroetz oder Thomas Bernhard auf die Bühne der Thoma-Gemeinde verhalf.

Noch breiter war das Spektrum der Lesungen. Dabei verlor Bruckmayer nie das Andenken Ludwig Thomas und die Pflege seines Werks aus den Augen. Doch nicht nur im Repertoire und Inszenierungsstil experimentierte man: Die Ludwig-Thoma-Gemeinde wagte sich mit Bruckmayr immer wieder in neue Räume oder auch aus ihnen heraus. So präsentierte der Verein 1997 Ödön von Horváths „Himmelwärts“ als Freilichttheater auf drei verschiedenen Bühnen vor St. Jakob und dem Rathaus mit etwa 50 Mitwirkenden.

Auch heuer las man unter freiem Himmel - im Hof des Bezirksmuseums - und in einem für die Schauspieler und Sprecher neuen Raum: in der Kulturschranne. So wie Bruckmayer unablässig mit neuen Ideen den Verein als nicht wegzudenkenden Teil des Dachauer Kulturlebens erhielt, bemühte er sich stets um den Nachwuchs und integrierte Jüngere in die Vereins- und Theaterarbeit.

Auch über seine Nachfolge machte er sich Gedanken und erarbeitete gemeinsam mit dem neunköpfigen Vorstand einen Vorschlag, der bei der Mitgliederversammlung große Zustimmung fand. So wurden alle Kandidaten mit über 90 Prozent der Stimmen gewählt. Vorsitzender ist nun Edi Hörl, der bereits in den 70er Jahren mit der Thoma-Gemeinde auf der Bühne stand. Er wirkte schon einige Zeit im Beirat des Vorstands mit und ist eine der zentralen Figuren des Ensembles. So war er auch heuer auf der Bühne der Thoma-Gemeinde zu sehen: als Paulimann in Ludwig Thomas „Magdalena“ und als Ganghofer in der szenischen Lesung zum 75. Todestag von Karl Kraus.

Hörl dankte seinem Vorgänger für die jahrzehntelange Arbeit. Zweiter Vorsitzender wurde Wolfgang Möckl, der vor Jahren durch seinen Gymnasiallehrer Bruckmayer zur Thoma-Gemeinde kam und dort seit geraumer Zeit nicht nur als Schauspieler in Erscheinung tritt, sondern auch Regie führt.

Dieser harmonisch-einvernehmliche „Machtwechsel“ manifestiert sich in einiger Kontinuität: Kassierin und Schriftführerin bleiben dieselben: Antonie Franitza und Silvia Kalina. Ebenso bleiben zwei Mitglieder des Beirats in ihrem Amt: Gertrud Weber (seit 30 Jahren im Vorstand) und Dr. Annemarie Stauss.

Für die aus dem Beirat „aufgerückten“ Vorsitzenden Hörl und Wolfgang Möckl sowie den aus persönlichen Gründen vorübergehend ausscheidenden Thomas Westermaier fand man Ersatz in der Theatergruppe des Vereins: Christa Horbelt, Brigitte Fiedler und Angelika Mauersich engagieren sich von nun an nicht mehr nur pragmatisch sondern auch amtlich für die Aufführungen und Veranstaltungen der Thoma-Gemeinde. (mm)

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