Erinnerungen, die bewegen: Max Mannheimer hatte die ungeteilte Aufmerksamkeit der Schüler, als er von seiner Zeit in Auschwitz berichtete. Foto: kwo

Brücke in die Vergangenheit

Karlsfeld - Einige Schüler der Karlsfelder Mittelschule und der Dr.-Elisabeth-Bamberger-Schule haben den Zeitzeugen Max Mannheimer getroffen - und ihm ihre Fragen über die Vergangenheit gestellt.

Max Mannheimer ist in seinem Element. Termine wie diese sind dem 91-Jährigen unglaublich wichtig. Einige Karlsfelder Schüler sind in das nach ihm benannte Studiumzentrum nach Dachau gekommen. Sie wollen seine Geschichte hören. Einen der noch lebenden Holocaust-Zeitzeugen persönlich kennenlernen. Dinge erfahren, die nicht in ihren Geschichtsbüchern stehen.

Kaum einer könnte ihnen diesen Wunsch besser erfüllen als Max Mannheimer. Denn er ist ein Mann voller Geschichten. Ihm reichen Stichworte oder knapp formulierte Fragen, um Brücken in die Vergangenheit zu bauen. „Ihr braucht Euch nicht scheuen, Ihr dürft alles fragen“, ermuntert er die Neuntklässler der Mittelschule und der Dr.-Elisabeth-Bamberger-Schule. Keine Frage ist Mannheimer zu banal, keine Antwort würde er verweigern. Denn ihm ist es wichtig, den Jugendlichen eines zu vermitteln: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was in der Vergangenheit passiert ist“, sagt er. „Ihr seid verantwortlich für die Zukunft.“

Langsam kommen die ersten Fragen. Welches KZ war für Sie am schlimmsten? Welches Ereignis konnten Sie am schwersten verarbeiten? Wie geht es Ihnen, wenn Sie sich erinnern? Dieser weißhaarige kleine Mann ist für die Jugendlichen längst kein Fremder mehr. Sie kennen seine Geschichte, seinen Humor, seinen Weg, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Denn sie haben als Vorbereitung den Film „Der weiße Rabe“ gesehen. Ein Film mit und über Max Mannheimer. Die Karlsfelder Schüler haben gesehen, wie er das erste Mal zurückreiste ins Konzentrationslager Auschwitz, wie ihm gelegentlich die Tränen kommen, wenn er über seine Erinnerungen spricht - und dass er es trotzdem unermüdlich tut. Dieser Mann ist für sie interessanter als alles, was sie im Unterricht über den Holocaust gelernt haben.

Das merkt auch Lehrerin Gudrun Ullrich sofort. So aufmerksam und interessiert sind ihre Schüler nicht immer. „Genau deswegen war es uns so wichtig, dieses Treffen zu arrangieren“, erzählt sie. „Wir wissen alle nicht, wie lange es noch Zeitzeugen gibt, denen wir Fragen stellen können.“ Und Fragen haben die Schüler - ganz egal, wie viel sie in der Schule schon über den Holocaust gelernt haben.

„Wie denken Sie über Neonazis?“ fragt ein Neuntklässler. Es ist nicht das erste Mal, dass Max Mannheimer diese Frage hört. Er erzählt darauf gerne eine Geschichte. Die Geschichte von Timo, einem Skin-Head mit weißen Schnürsenkeln in den Springerstiefeln, den er auf einer Führung durch die KZ-Gedenkstätte Dachau kennengelernt hat. „Er ist mir den ganzen Nachmittag nicht von der Seite gewichen“, erzählt Mannheimer. Danach hatte er seiner Lehrerin gesagt, er glaube, dass Mannheimer Angst vor ihm habe. „Darauf habe ich geantwortet, dass ich meine ganze Angst bereits in Auschwitz verbraucht habe.“ Jahre später erfuhr Mannheimer, dass ausgerechnet dieser junge Mann eine israelische Flagge in seiner Wohnung hängen hatte und glücklich mit einer Polin zusammenlebte. Das ist für Mannheimer die größte Motivation, mit Jugendlichen das Gespräch zu suchen: „Wenn ich nicht überzeugt wäre, dass es Sinn hätte, ohne Hass meine Erinnerungen zu erzählen, dann hätte ich es längst aufgegeben.“

(kwo)

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