Die Bürger gehen auf die Barrikaden

Großinzemoos - Der Verkehr durch Großinzemoos wird immer mehr. Das wollen die Anwohner nicht mehr länger hinnehmen, und gehen auf die Barrikaden: Sie haben Bürgermeister Dieter Kugler auf der Bürgerversammlung deutlich gesagt, was sie ärgert - wie die Sigmertshauser. Doch Kugler wies alle Schuld von sich.

roßinzemoos - Bei der Bürgerversammlung in Großinzemoos drehten sich nahezu alle Wortmeldungen, und es waren viele, um das Thema Verkehr - und die Bürger zeigten deutlich ihren Ärger.

In Inzemoos geht es in erster Linie um die Ortsdurchfahrt. Swen Sturies, der an der Ortsdurchfahrt wohnt, gab deutlich zu verstehen, dass tagtäglich Raser ohne Rücksicht durch den Ort fahren, die Fußgängern keine Chance lassen, die Straße zu überqueren. Dass, wie Bürgermeister Dieter Kugler zuvor bekanntgab, nur 2,7 Prozent der Verkehrsteilnehmer bei einer durchgeführten Messung zu schnell dran waren, könne er nicht glauben. „Da blitzt man allem Anschein nach an der verkehrten Stelle“, so der verärgerte Bürger.

Auch ein anderer Anlieger der Indersdorfer Straße unterstrich, dass die Raserei und der zugenommene Verkehr nicht mehr erträglich sei. Auf den Vorschlag von Sturies, doch endlich eine 40er-Zone einzurichten, wollte der Gemeindechef mit dem Hinweis, dass es sich bei der Ortsdurchfahrt um eine Kreisstraße handelt, nicht näher eingehen. Er könne die Beschwerden nur an die Landkreisstraßenverwaltung weitergeben.

Nicht gut zu sprechen sind die Ortsdurchfahrt-Anlieger auch auf die schweren landwirtschaftlichen Fahrzeuge, die die Biogasanlagen anfahren: 16-Jährige würden diese großen Traktor-Gespanne steuern, ohne nur ansatzweise den Fuß vom Gas nehmen. Renate Lamprecht sprach von „Lärmterror“, der hier hauptsächlich durch die Biogasanlagen-Fahrzeuge verursacht werde. „Wenn dann erst noch die Umgehung von Indersdorf her kommt, kann man sich vorstellen, wie das verkehrsmäßig bei uns weitergeht“, so Lamprecht. Schon 1980 hätte man die Ortsumfahrung von Großinzemoos bauen können, so der Hinweis der Bürgerin, die nicht mehr daran glaubt, dass Inzemoos die dringend notwendige Ortsumfahrung erhält. Der Bürgermeister aber setzt auf das Verkehrskonzept des Landkreises, „denn eine Umfahrung, die in einem Flaschenhals endet, bringt uns nicht weiter“.

Schwer verärgert über die verkehrsmäßige Situation ist auch Gerhard Schlereth, der am Parkweg (Ausfahrt in die Ortsdurchfahrt) wohnt. Diese Ausfahrt sei mittlerweile zu einem Abenteuer geworden. Man sehe wegen der an die Straßengrenze gesetzten Garage und der ein Meter hohen Betonmauer die direkt an die Straßengrenze gebaut wurde, kein Auto mehr. Daher stellte Schlereth den Antrag auf Entschärfung dieses Gefahrenpunktes. Wie man die Situierung der Garage unmittelbar an der Ortsdurchfahrt und die Betonmauer genehmigen konnte, könne ohnehin kaum ein Bürger verstehen. Doch auch in diesem Punkt sieht Kugler kein Versagen der Gemeinde, denn auch hier war der Landkreis die Genehmigungsbehörde.

Gertraud Reindl, die gehbehindert ist und zum Überqueren der Ortsdurchfahrt auf ihren Rollator angewiesen ist, forderte den Bürgermeister auf, so schnell wie möglich auf Tempo 30 im Kreistag hinzuwirken und zu versuchen, dass auch die Bordsteinkanten abgeflacht werden. „Versuchen Sie doch, Landrat Löwl dazu zu bringen, dass endlich Tempo 30 angeordnet wird. Ich habe sonst keine Chance, die Ortsdurchfahrt zu überqueren.“ Laut Bürgermeister gehe es hier aber um keine politische, sondern um eine rechtliche Entscheidung. Wiederholt wurde Kugler aufgezeigt, dass das Einzige was den Inzemoosern hilft, nur eine Ortsumfahrung sein kann.

Auch in Sigmertshausen stellt der ständig zunehmende Verkehr die Bürger vor Probleme. So forderte Karl-Heinz Ludwig einen gesicherten Übergang an der Ortsdurchfahrt, notfalls mit einem Schreiben an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, der am 16. Juni darauf hingewiesen habe, dass schwächere Verkehrsteilnehmer den besonderen Schutz im Straßenverkehr brauchen. Gleichzeitig beantragte Ludwig für die Alleestraße in Sigmertshausen Parkverbot. Kugler glaubt, dass die Schaffung eines Zebrastreifens an der Ortsdurchfahrt in Sigmerthausen an der geringen Querungsfrequenz scheitern wird, was aber auch noch vom Landkreis zu klären sei. Kugler warnte aber auch davor, ob so ein Zebrastreifen nicht falsche Sicherheit für Fußgänger geben könnte.

Das Parkproblem in der Alleestraße sei laut Kugler in erster Linie vom Verhalten der Anlieger abhängig, die ihre Garagen lieber als Lagerraum statt Kfz-Stellplatz sehen. Brigitte Hofmann betrachtet auch die Parksituation an der Pasenbacher Straße in Inzemoos als unerträglich. Franz Hackl schließlich beschwerte sich darüber, dass sich Fußgänger selbst auf Gehwegen nicht gefahrlos bewegen können, weil viele Anlieger ihre Sträucher nicht zurückschneiden.

(ost)

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