Auf der Streichliste: Die geplante Rutsche im Gebäude mit den Grundschulklassenzimmern (Bildmitte) wird es nicht geben. grafik: cla

Bürgermeister kontra Rektorin

Odelzhausen - Beim neuen Schulzentrum in Odelzhausen muss gespart werden. Die Kreisräte haben bereits Einsparungen in Höhe von 1,8 Millionen Euro beschlossen, jetzt wurde in der Schulverbandsversammlung noch einmal darüber diskutiert. Eigentlich war man sich bei den meisten Punkten einig - einen Streit gab es trotzdem.

Das neue Schulzentrum in Odelzhausen kostet mehr Geld als erwartet (wir haben berichtet). Jetzt ging es in der Schulverbandsversammlung darum, wo abgespeckt werden kann. Ursprünglich war ein Kostenrahmen von insgesamt 51,9 Millionen Euro vorgesehen, diesen Preis korrigierte das Projektsteuerungsbüro Meixner auf 57,1 Millionen Euro nach oben. Zu teuer befand der Landkreis und forderte zunächst Sparmaßnahmen in Höhe von drei Millionen Euro. Als Kompromiss einigte man sich schließlich auf 1,8 Millionen Euro.

„Wenn der Zweckverband manches trotzdem will, beteiligt sich der Landkreis wahrscheinlich nicht an den Kosten“, stellte der Vorsitzende Helmut Zech gleich zu Beginn der Sitzung klar. Vielleicht auch deshalb waren sich die Schulverbandsmitglieder in fast allen Punkten mit dem Kreistag einig.

Wegfällt unter anderem die Rutsche, die in dem Gebäude mit Grundschulklassenzimmern, Werkräumen, Mensa und Räumen für die offenen Ganztagsschulen geplant war. Ein Streetball-Platz sowie CO2-Sensoren in den Klassenzimmern und eine besondere Kühlung, die auch bei über 28 Grad Außentemperatur noch für angenehme Kälte sorgt, wurden ebenfalls einstimmig gestrichen.

Weniger einmütig lief dagegen die Diskussion, ob der Fahrradstellplatz überdacht werden soll. Das würde rund 119 000 Euro zusätzlich kosten. Pfaffenhofens Bürgermeister Helmut Zech plädierte dafür, Odelzhausens Bürgermeister Markus Trinkl und Sulzemoos’ Bürgermeister Gerhard Hainzinger fanden eine Überdachung dagegen zu teuer. Schließlich kam es zur Kampfabstimmung: Mit nur einer Stimme mehr setzten sich die Überdachungsgegner durch.

Richtiger Unmut herrschte schließlich, als das Projektbüro die Kosten für Bauabschnitt drei vorstellte. Dazu werden zum Beispiel die Grundstücks- und Erschließungskosten, die Außenanlagen und die technischen Anlagen gerechnet. 3,2 Millionen Euro fallen insgesamt an. Im Gegensatz zu Bauabschnitt eins und zwei gibt es dafür kein Geld vom Landkreis. Was die Verbandsmitglieder daran ärgert, ist, dass die Gemeinden eine Million Euro für die vorherigen Planungen für eine neue Realschule zahlen müssen. Geld, das zu einem großen Teil verloren war, nachdem sich herausstellte, dass die Grund- und Mittelschule ebenfalls neue Gebäude brauchen. Aber: Die Planungen für das komplette neue Schulzentrum waren billiger, weil die Architekten auf einzelne Punkte aus dem Realschulplan zurückgreifen konnten. Das bedeutet, dass sich auch der Landkreis Geld gespart hat - was wiederum die Bürgermeister ungerecht fanden. „Wir übernehmen doch nicht Kosten für den Landkreis“, sagte Gerhard Hainzinger. Sein Odelzhauser Kollege Markus Trinkl kündigte schon an: „Da müssen wir noch das ein oder andere Gespräch führen.“

Weiteren Diskussionsbedarf gibt es außerdem bei der Frage, wie viele Parkplätze das neue Schulzentrum braucht. Hier brach bei der Sitzung ein richtiger Streit zwischen Hainzinger und Grund- und Mittelschulrektorin Cordula Weber aus. Laut der Stellplatzsatzung der Gemeinde Odelzhausen sind 2,5 Stellplätze pro Klassenzimmer vorgeschrieben. Viele Kreisräte hatten jedoch Einsparungen gefordert. Der Odelzhauser Gemeinderat wäre wohl bereit, als Kompromiss die Satzung zu ändern: „Für uns wären zwei Parkplätze pro Klassenzimmer denkbar, wenn es die Zusage gibt, dass bei Mehrbedarf weitere Stellplätze geschaffen werden“, sagte Markus Trinkl. Er erklärte, sich auf Zählungen der Schulleitungen gestützt zu haben. Grund- und Mittelschulrektorin Cordula Weber verteidigte ihre Analysen. Nicht nur Lehrkräfte, sondern auch Bücherei-Mitarbeiter, Personal für die Ganztagsklassen und die Putzkräfte müssten ihre Autos irgendwo abstellen.

Da platzte Sulzemoos Bürgermeister Gerhard Hainzinger der Kragen: „Es ist eine Unverschämtheit, so geht das nicht“, ärgerte er sich. Er arbeitet selbst in einer Berufsschule, nicht einmal dort, wo die Schüler viel älter seien, gäbe es so viele Stellplätze. „Sie können mir nicht erzählen, dass es eine Schule gibt, die zum Beispiel für das Reinigungspersonal Stellplätze baut“, schimpfte Hainzinger. „Wir müssen nicht Kosten verursachen, nur um Kosten zu haben.“ Das wiederum ließ Weber so nicht gelten. „Das lasse ich so nicht auf mir sitzen“, ärgerte sie sich ebenfalls und kündigte an, jeden, der sich über parkende Autos beschwert, zu Hainzinger zu schicken. Eine Lösung für diesen Streit gab es in der Schulverbandssitzung nicht. Bevor eine Entscheidung über die Parkplatzsituation getroffen werden kann, muss erst der Odelzhausener Gemeinderat über die Stellplatzsatzung abstimmen.

(cla)

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