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35 Zuhörer kamen zu der Gemeinderatssitzung. Die Stühle reichten nicht aus.

Bürgermeister wird hauptamtlich

Volle Konzentration aufs Bürgermeister-Amt

Hilgertshausen-Tandern - Ein Bürgermeister soll sich voll und ganz auf seine Aufgaben in der Gemeinde konzentrieren können – und keine weitere berufliche Tätigkeit ausüben. Das findet zumindest der Gemeinderat Hilgertshausen-Tandern. Und so bekommt die Gemeinde erstmals einen hauptamtlichen Bürgermeister.

Die Entscheidung ist am Montagabend mit 11:4 Stimmen gefallen: Die Gemeinde Hilgertshausen-Tandern bekommt ab 1. Mai 2017 einen hauptamtlichen Bürgermeister. Die Entscheidung fand großes Interesse bei den Bürgern. Das zeigte der Rekordbesuch von rund 35 Zuhörern, für die die Stühle bei weitem nicht ausreichten.

Den Antrag, dass der Nachfolger für den aus gesundheitlichen Gründen zurücktretenden, ehrenamtlichen Bürgermeister Hans Kornprobst ein Hauptamtlicher sein soll, hatte die Wählergemeinschaft Hilgertshausen-Tandern (WGHT) gestellt. Die Begründung: Die Aufgaben und zeitliche Inanspruchnahme des Bürgermeisters sei seit vielen Jahren in der 3324 Einwohner zählenden Gemeinde immer weiter gestiegen – und werde wegen der bevorstehenden umfangreichen Aufgaben weiter stark zunehmen. Der Umfang des Haushalts sei angewachsen, die Zahl der Gemeindebediensteten werde zunehmen – in Anbetracht der erwarteten erheblichen Zunahme der Bevölkerung.

Der erste Bürgermeister solle neben seinem kommunalen Amt nicht eine weitere berufliche Tätigkeit ausüben, sondern sich voll und ganz auf seine Aufgaben in der Gemeinde konzentrieren, so die WGHT. Bürgermeister Hans Kornprobst habe das in den vergangenen Jahren, trotz Ehrenamtlichkeit, nur deshalb geschafft, weil er tatsächlich neben dem Bürgermeisteramt keine weitere berufliche Tätigkeit ausgeübt habe. Er ist Geschäftsstellenleiter der Raiffeisenbank Hilgertshausen gewesen und in Vorruhestand gegangen, bevor er Bürgermeister wurde.

Auch Beispiele in anderen Landkreisgemeinden mit vergleichbaren Einwohnerzahlen würden die Auffassung belegen, dass der erste Bürgermeister hauptamtlich tätig sein sollte, um seine Pflichten und Aufgaben in der Gemeinde ohne Einschränkungen nachkommen zu können.

Dass die SPD und die Bürgerliste Tandern das nicht so sehen, machten in der Diskussion Martin Güll (SPD) und für die Bürgerliste Hans Glas und Christoph Hardt deutlich. Güll erklärte, dass ein Hauptamtlicher für Gemeinden in einer Größenordnung von 3000 Einwohnern im Widerspruch zur Gemeindeordnung wäre, die bekanntlich für ganz Bayern gilt. Güll wies daraufhin, dass auch bei einem weithin ehrenamtlich tätigen Bürgermeister zumindest bis 2020 die Zahl der Gemeindemitarbeiter nicht aufgestockt werden müsste. Im übrigen würde es immer noch die Möglichkeit geben, den Bürgermeister vom Beruf freizukaufen. 2020, wenn die Wahlperiode des Gemeinderats zu Ende geht, könne ja immer noch entschieden werden, ob das Gemeindeoberhaupt weiter ehrenamtlich oder hauptamtlich tätig sein soll.

„Es geht hier auch um einen Kostenfaktor“, unterstrich Güll, weil ein hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde doch deutlich mehr kostet als ein ehrenamtlicher.

„Ich sehe zum jetzigen Zeitpunkt keine Notwendigkeit für einen Hauptamtlichen“, sagte auch Hans Glas (BL Tandern). Seine Gruppierung habe vergebens seit Monaten eine andere Organisation in der Verwaltung gefordert, sei aber vom Gemeinderat nicht erhört worden. Stattdessen habe schon zwei Tage nach Bekanntwerden von Kornprobsts Rücktritt der Wahlkampf begonnen, „der einigen Ratsherren wichtiger war“. Wie die WGHT, die sonst immer auf jeden Cent schaue, beim Bürgermeisteramt nicht nach den Kosten schaut, könne Glas nicht verstehen. Die positive Tendenz der Gemeinderatsarbeit über Fraktionen hinweg vermisste auch Christoph Hardt (BL Tandern).

Der zweite Bürgermeister Adi Doldi (CSU), der schon seit Mitte Oktober Kornprobst zeitweise vertritt, forderte dagegen ebenso wie Peter Schadl (CSU) einen Hauptamtlichen. „Ich möchte von einem gestaltenden Bürgermeister angeführt werden, der vielleicht auch Visionen hat“, sagte Schadl. Die Entscheidung für einen hauptamtlichen Bürgermeister komme laut Schadl ohnehin schon neun Jahre zu spät.

Auch Simon Schlatterer und Werner Kerzel von der WGHT stellten klar, dass ein ehrenamtlicher Bürgermeister allein aus Zeitgründen „nicht immer das Beste aus seinem Amt herauskitzeln kann“. Kerzel, der seit 26 Jahren in der Verwaltung tätig ist und schon lange als Geschäftsleiter in der Gemeinde Weichs, geht davon aus, dass der Gesetzgeber ohnehin bald den Forderungen des Bayerischen Gemeindetags nachkommen wird und so künftig Gemeinden ab 3000 Einwohner einen hauptamtlichen Bürgermeister bestellen.

Wer für das Bürgermeisteramt in Hilgertshausen-Tandern kandidieren wird, steht noch nicht fest. Spätestens am 52. Tag vor der Wahl sind die Wahlvorschläge einzureichen. Mittlerweile hat das Landratsamt bestätigt, dass die Bürgermeisterwahl am Sonntag, 19. März, stattfinden wird.

ost

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