Bürgerversammlung im Adolf-Hölzel-Haus

„Dachau-Ost ist massiv bedroht“

Knapp 80 Besucher sind zur Bürgerversammlung in Dachau-Ost ins Adolf-Hölzel-Haus am Ernst-Reuter-Platz gekommen. Nach dem ausführlichen Bericht von Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) hatten die Bürger das Wort. Wie üblich ging es um Verkehrsfragen – aber es gab auch andere Themen, wie die Würm.

Dachau – „Dachau-Ost ist massiv bedroht“, erklärte Peter Heller. Er nannte die Ostumfahrung, die Gewerbegebiete südlich der Siemensstraße, in Karlsfeld und auf dem ehemaligen Schuster-/Seeber-Gelände und stellte zwei Fragen: „Was tut die Stadt, um die Würm besser erlebbar zu machen und was passiert mit dem Freiraum zwischen Dachau und Karlsfeld?“

Wenn der Bayerische Rundfunk (BR) „Dahoam is Dahoam“ nicht mehr dreht, soll laut OB die Würm im Seeber-Bereich ähnlich wie in Dachau-Ost renaturiert werden. Weiter südlich sei das abhängig von der Eigentumsfrage. Im Übrigen mache sich die Stadt gerade im Rahmen des neuen Flächennutzungsplans Gedanken, wie und an welcher Stelle sie sich entwickeln solle. Das müsse sinnvoll sein und zusammenpassen. Denn es drohe der Teufelskreis von mehr Wohnungen, mehr Infrastruktur und deshalb mehr Gewerbe, um das auch bezahlen zu können. Aber natürlich brauche der Stadtteil Frischluft und Erholungsflächen für die Bevölkerung.

Hier hakte als direkter Nachbar von der Anton-Josef-Schuster-Straße Gerhard Schlabschi ein und kritisierte 16 Meter hohe Wände gleich neben dem geplanten Grün an der Würm plus drei Meter Aufbauten. Nach innen werde die Bebauung niedriger. Ihm sei es umgekehrt lieber. Außerdem müssten die Verkehrsbelastungen der verschiedenen Gewerbegebiete zusammen gesehen werden und nicht immer jedes einzeln. Schließlich konnte er nicht verstehen, warum sein Wohngebiet nur als ein allgemeines und kein reines eingestuft wurde. Denn dann wäre für den Lärm fünf Dezibel weniger vorgeschrieben.

Stadtbauamtsleiter Michael Simon sagte, für Schlabschis Wohngebiet gebe es keinen Bebauungsplan. Die Stadt habe sehr um die Renaturierung der Würm im Seeber-Bereich gekämpft und dafür in Kauf genommen, dass die Bebauung höher wird. Die zukünftigen Verkehre seien in den Verkehrsplanungen durchaus berücksichtigt worden. Doch generell habe man den Bebauungsplan fürs Seeber-Gelände bewusst flexibel gehalten. Der OB betonte, es sei darauf angekommen, Logistikzentren mit wenig Arbeitsplätzen zu verhindern. „Wir wollten gute Gewerbesteuerzahler.“

Als Dr. Michael Ruhs fragte, wie lange der BR hier noch drehe, musste Hartmann passen: „Die Stadt will nicht der Totengräber der Fernsehserie sein.“ Die Würm-Renaturierung soll laut Simon über einen städtebaulichen Vertrag sichergestellt werden.

Leonhard Reifs Frage, welche Mitspracherechte die Stadt bei der Architektur habe, beantwortete der OB ganz knapp: „Gar keine.“ Angst vor Ghettos durch den sozialen Wohnungsbau hatte Engin Aydin. Doch Hartmann beruhigte ihn. „Wir haben den übers ganze Stadtgebiet verteilt.“ Aydins Frage nach bezahlbaren Wohnraum für Menschen, die knapp über der Bemessungsgrenze für eine Sozialwohnung liegen, beantwortete der Stadtchef so: „Wir versuchen das in die sozialgerechte Bodennutzung aufzunehmen, dass da entsprechende Flächen bereitgestellt werden.“ Aber das harre noch der juristischen Prüfung.

Doch es gab nicht nur Kritik bei der Bürgerversammlung. Des Lobes voll für die überaus freundlichen Mitarbeiter der Stadtverwaltung war Rudolf Stauss.

(rds)

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