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Wenig Zuhörer waren auf der Bürgerversammlung.

Bürgerversammlung Indersdorf

Senioren fühlen sich im Stich gelassen

  • VonChristiane Breitenberger
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Indersdorf - Sie waren zwar nur zu dritt, aber sie wollten für 95 Bewohner des Betreuten Wohnens sprechen. Auf der Indersdorfer Bürgerversammlung im Sportheim hatten die Senioren nur einen Wunsch: Dass man endlich ihre Sorgen ernst nimmt.

Irgendwie ziehen Bürgerversammlungen hier nicht so wirklich. Während sie andernorts auf Bürger eine Art Magnetwirkung haben, verirren sich zu den Indersdorfer Treffen fast immer nur einige wenige Interessierte. Doch am Mittwochabend hatte Bürgermeister Franz Obesser auch mit starker Konkurrenz zu kämpfen:

Während rund 200 Zuhörer in der Schulaula dem Krimiautor Jörg Maurer lauschten, waren ins Sportheim gerademal rund 25 Interessierte gekommen – Gemeinderäte und Rathausmitarbeiter ausgenommen. Aber die, die Obessers Ausführungen über die verschiedenen Gemeindeprojekte lauschten, hatten teils gravierende Anliegen mitgebracht.

Helga Reisinger ist enttäuscht. Die Seniorin fühlt sich von der Gemeinde im Stich gelassen. Denn: „Keiner nimmt unsere Sorgen ernst“, sagte sie auf der Bürgerversammlung. Der Grund für diese Vorwürfe ist kein neuer: Die Bewohner des Betreuten Wohnens am Marktplatz haben Angst vor der stark frequentierten Freisinger Straße – sie wünschen sich endlich eine Querungshilfe (wir haben berichtet). Viele müssen die Straße mehrmals täglich queren, um zum Essen und in den Aufenthaltsraum zu kommen. Bereits im Mai hatte die Leiterin der Einrichtung einen Antrag an die Gemeinde geschickt. Doch Obesser erklärt: „Die Freisinger Straße ist eine Kreisstraße, wir sind hier nicht zuständig.“ Deshalb habe er das Anliegen weitergeleitet. Doch Helga Reisinger ist das zu wenig. „Da muss man nachhaken und dranbleiben. Es interessiert hier leider keinen, was mit uns alten Leuten ist“, sagte sie traurig nach der Veranstaltung.

Reisinger ist eine der wenigen Altenheim-Bewohner, die noch selber Auto fahren kann. Zusammen mit zwei Bekannten wollte sie dem Bürgermeister hier 95 Unterschriften übergeben. „Von all denen, die eben nicht mehr so mobil sind wie wir“, sagte sie.

Auf einen Zebrastreifen macht Franz Obesser den Senioren keine Hoffnung. „Ich denke nicht, dass das Straßenbauamt das an dieser Stelle realisieren kann.“

Werner Helbig lebt auch im Betreuten Wohnen und wünscht sich, dass Autofahrer wenigstens mit Schildern auf die Senioren aufmerksam gemacht werden. „Wenn einer totgefahren wird, ist es zu spät.“ Doch Obesser warnt, dass ein Schild keine Sicherheit garantiert: „Nichts ersetzt einen vernünftigen Autofahrer.“ Obesser denkt dabei an die Umleitungsschilder während des Kreisverkehrbaus. Schilder, Markierungen, Baken – nichts hätte so manchen Fahrer zur Vernunft gebracht. Aus Schildern mit „Bitte nicht hupen“ machte „irgendein Scherzbold ,Zweimal Hupen’ und ,Laut Hupen’“, erzählte Franz Obesser. Er will sich informieren, inwieweit der Antrag für eine Querungshilfe inzwischen bearbeitet ist.

Werner Helbig hat noch einen weiteten Wunsch: Dass die betagteren Bewohner eine Möglichkeit bekommen, zum Bahnhof zu fahren. „Es gibt keine Busse, mit denen Leute mit Rollstuhl oder Gehwagen zur S-Bahn kommen.“ Das bedauert der Rentner sehr. „Zumindest zweimal die Woche wäre so ein Angebot mit einem kleinen Bus eine große Bereicherung für uns.“ Seine Fahrerin Helga Reisinger sieht die Situation düster: „Wir Älteren haben hier einfach keine Lobby. Deshalb hört keiner auf uns.“

TSV-Chef Bernhard Wetzstein erkundigte sich nach dem nächsten großen Projekt in der Gemeinde: Der Marktplatzumgestaltung. „Immer mehr Geschäfte wandern ab. Will die Gemeinde den Platz trotzdem noch umplanen?“, wollte Wetzstein wissen. Franz Obesser erhofft sich genau mit diesem Umbau eine Attraktivitätssteigerung. „Hoffentlich locken wir dann endlich wieder Geschäfte und Gastronomie in unsere Ortsmitte.“ Doch Obesser ist wichtig, dass der Platz kein Einzelgängerprojekt wird. „Wir wollen hier eine Ortsmitte für die nächsten Jahrzehnte entwerfen – und das müssen wir alle gemeinsam entscheiden.“ Mit alle meint er: Alle Indersdorfer sollen ihre Ideen einbringen. Wie, wann und wo steht allerdings noch nicht genau fest.

Christiane Breitenberger

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