Klimatischer GAU: Deshalb fordert der BN mehr Schutzgebiete (gelbe Flächen).

Es droht der klimatische GAU

Bund Naturschutz warnt

Karlsfeld/Dachau - Die Gemeinderat Karlsfeld will auf dem Freiraum zwischen Dachau und Karlsfeld Flächen als Landschaftsschutzgebiet ausweisen. Viel zu wenige, wie der Bund Naturschutz beklagt.

Dr. Roderich Zauscher (BN-Kreischef), Marion Matura-Schwarz (Karlsfelder BN-Chefin) und Peter Heller (Dachauer BN-Chef) beschleicht ein ungutes Gefühl, das Zauscher in Worte fasst: „In Wahrheit ist der Plan, Dachau und Karlsfeld zusammenwachsen zu lassen.“ Dagegen machen der Odelzhauser Tierarzt und seine Mitstreiter mobil.

Es geht um die Ausweisung von Landschaftsschutzgebieten (LSG) auf Karlsfelder Flur zwischen dem Wasserwerk im Süden und der Grenze zur Stadt Dachau im Norden; insgesamt sind es 140 Hektar. Der Gemeinderat Karlsfeld hatte Ende Oktober beschlossen, fünf Parzellen als LSGs auszuweisen. Viel zu wenige, wie der Bund Naturschutz bei einer Pressekonferenz klar stellte. Die Vereinigung fordert deutlich mehr geschützte Flächen.

„Es geht vor allem um Menschenschutz“, sagt Zauscher. Im Vordergrund steht für den BN das Problem der Atemluftqualität. Der betroffene lokale Grünzug stelle den größten Inversionswetterraum im Münchner Norden dar, so Marion Matura-Schwarz. Bei Inversionswetterlagen können die bodennahen Luftschichten kälter als die darüber liegenden sein. Weil kalte Luft schwerer ist als warme, bleibt diese Luft am Boden liegen und reichert sich mit den emittierten Schadstoffen aus den Siedlungsgebieten und dem motorisierten Verkehr an. Es gehe um hohe Immissionswerte, „die sehr, sehr kritisch gesehen werden“, betont die Karlsfelder BN-Vorsitzende. Deshalb brauche es das vom BN geforderte LSG-Netz. Komme dieses nicht zustande, „haben wir den klimatischen Gau“, so Peter Heller.

Die Naturschützer haben zur Durchsetzung ihrer Forderung ein Druckmittel: Bürgerbegehren gegen die beiden geplanten Gewerbegebiete in dem fraglichen Bereich. Karlsfeld will ganz im Norden am Schleißheimer Kanal (Schleißheimer Straße) ein rund 7,5 Hektar große Zone für Betriebe ausweisen, die Stadt Dachau auf der anderen Straßenseite eine ähnlich große. Grundsätzlich ist der BN gegen beide Gewerbegebiete.

„Nur wenn alles andere stimmt“, so Zauscher, „dann würden wir diese Kröte schlucken“. Es könnte also auf folgenden Handel hinauslaufen: Gebt ihr uns unsere LSGs, dann dürft ihr euer Gewerbe haben.

Der BN hat diesbezüglich bereits Kontakt mit Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe, dem Dachauer Oberbürgermeister Florian Hartmann sowie mit Landrat Stefan Löwl aufgenommen – und harrt nun der Dinge. Die Entscheidung über die Ausweisung der Landschaftsschutzgebiete liegt letztlich jedoch beim Kreistag.

Kommt die kommunale Volksvertretung den Forderungen des BN nicht ausreichend nach, dann folgt wohl ein Bürgerbegehren. Und das, so sind sich Zauscher, Matura-Schwarz und Heller sicher, gewinne man auf alle Fälle.

zim

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