Erleichterung und Skepsis

Reaktionen von Dachauern auf die Wahl in Österreich

Dachau - Alexander Van der Bellen  hat die Bundespräsidenten-Wahl in Österreich vor den Rechtspopulisten Norbert Hofer gewonnen. Doch eine Umfrage unter Persönlichkeiten aus Dachau zeigt: Die Lage bleibt kritisch.

Update vom 27. Oktober 2016: Am 4. Dezember wird in Österreich die Bundespräsidenten-Stichwahl zwischen Alexander van der Bellen und Norbert Hofer wiederholt. Wir zeigen Ihnen aktuelle Umfragen und Prognosen zur Bundespräsidentenwahl 2016 in Österreich.

Alexander Van der Bellen von den Grünen hat die Bundespräsidenten-Wahl in Österreich vor FPÖ-Mann Norbert Hofer gewonnen. Viele sehen diesen Sieg als Zeichen gegen den Rechtspopulismus. Aus einer Umfrage unter Persönlichkeiten aus Dachau wird deutlich: Die Lage in Österreich bleibt kritisch.

Landkreis – Alexander Van der Bellen gewann am Sonntag die äußerst spannende Stichwahl um den Einzug in die Wiener Hofburg mit nur rund 31 000 Stimmen Vorsprung, nachdem fast 4,5 Millionen Österreicher an die Wahlurne geschritten waren.

Beinahe hätte also ein EU-Land mit Hofer erstmals einen Rechtspopulisten zum Staatsoberhaupt gekürt. Einflussreiche Dachauer Persönlichkeiten betrachten dies mit großer Sorge.

-Dachaus Landrat Stefan Löwl übt starke Kritik an Wahlentscheidungen, die zu kurzsichtig getroffen werden. Gerade populistische Parteien würden sich meist nur auf ein emotionales Thema stürzen und versprächen vermeintliche Lösungen. „Doch dies hat nichts mit der Komplexität unserer modernen Gesellschaft zu tun“, sagt Löwl. Als Wähler trage man Verantwortung, immer die Gesamtheit der Lebenswirklichkeit zu sehen.

Leider sei das Wahlergebnis in Österreich das, was man auch hier unmittelbar in der Bevölkerung spüre. Menschen hätten den Wunsch, dass die Politik ihre gefühlten Sorgen aufgreifen muss. „Wir müssen in Deutschland stark darauf aufpassen, dass wir auf reale und gefühlte Sorgen Lösungen finden, um so zu verhindern, dass die populistischen Parteien weiter Zulauf bekommen“, betont Löwl.

-Max Mannheimer, Dachau-Überlebender und Präsident der Lagergemeinschaft Dachau sowie seit 1995 Vizepräsident des Internationalen Dachau-Komitees: „Ich bin überglücklich, dass Van der Bellen gewonnen hat, es wäre furchtbar gewesen, wenn die Rechten gesiegt hätten. FPÖ-Kandidat Norbert Hofner hat gesagt, er wolle auf Österreich aufpassen. Solche Aufpasser sind ganz gefährlich.“

-Karl Freller, CSU-Landtagsabgeordneter und Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten: „Es ist offenkundig, dass ein tiefer Riss durch Österreich geht. Es tut mir weh, dass die herkömmlichen Parteien ÖVP und SPÖ so schwach abgeschnitten haben, ein Land sollte zur Mitte hinwählen. Ich bin froh, dass Van der Bellen gewonnen hat, ein anderer Ausgang wäre ein schlechtes Zeichen gewesen.“

-Natürlich ist Marese Hoffmann, Sprecherin der Kreis-Grünen, froh über den Sieg von Alexander Van der Bellen: „Ich freue mich, dass er es geschafft hat und nicht Herr Hofer“. Aber auf Van der Bellen komme eine schwierige Aufgabe zu: ein gespaltenes Österreich zu einen. „Ich hoffe, dass er Persönlichkeit genug ist, diese Herausforderung zu meistern“, sagte Marese Hoffmann. „Ich traue es ihm zu.“ Allerdings könne er die Aufgabe nur gemeinsam mit der Regierung schaffen. „Die Regierungskoalition muss sich bewegen, sonst gibt es einen Eklat bei der Kanzlerwahl.“

Die anstehende Kanzlerwahl will die FPÖ nun für sich entscheiden, wie sie angekündigt hatte. Und Van der Bellen kündigte an, keinen FPÖ-Politiker zum Kanzler zu ernennen. „Dann wird’s richtig kritisch“, so Hoffmann. Alles in allem habe Van der Bellen eine extrem schwierige Amtszeit vor sich. Es werde ihm nur gelingen, die Gräben in Österreich zuschütten, wenn die Regierung bessere Arbeit macht. Immerhin: „Er macht einen präsidialen Eindruck.“

-Erleichtert über die Entscheidung ist auch Mustafa Denel, der Vorsitzende der türkisch-islamischen Gemeinde Dachau: „Es ist doch erfreulich, wie die Wahl ausgegangen ist. Es ist gut, dass Österreich damit nicht in die rechtspopulistische Richtung gegangen ist.“ Dennoch glaubt Denel nicht, dass damit die FPÖ wesentlich geschwächt ist. „Das könnte in Österreich politisch weiter brenzlig bleiben.“  zim/tol/cb/no

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