Gottes Segen überbrachte Pfarrer Robert Krieger den Karlsfelder Kindern in ihren Bungalow. Bis ihr Kindergarten saniert ist, müssen sie in Containern spielen. Foto: habschied

Bunte Welt in grauen Containern

Karlsfeld - Von außen sind es Container - aber wer die Eingangstür öffnet, betritt eine farbenfrohe und sehr fröhliche Welt: den Kindergarten St. Anna. Bis das alte Gebäude saniert und erweitert ist, haben die Kinder einen Bungalow bekommen. Und sie sind mit der provisorischen Zwischenlösung mehr als zufrieden.

Nicola ist hochkonzentriert. Der Bub hat gerade eine verantwortungsvolle Aufgabe bekommen. Pfarrer Robert Krieger braucht seine Hilfe, um die neuen Räume der Karlsfelder Kinder zu segnen. Deshalb hat er Nicola den Krug mit dem geweihten Wasser anvertraut. Gemeinsam ziehen sie nun von Zimmer zu Zimmer, um die neue Spielstätte zu segnen.

„Alles Finstere soll von dem Wasser weggewaschen werden“, hatte der Pfarrer den Kindern gerade eben noch erklärt. „Gott soll immer auf euch aufpassen, damit hier nichts Schlimmes passiert.“ Den Gedanken findet Nicola schön, deshalb hat er sich sofort gemeldet, um beim Segnen zu helfen. „Hier ist das Zimmer der Maulwurfgruppe“, sagt er und führt Robert Krieger zu einer Tür. „Das ist meine Gruppe.“ Der Pfarrer spritzt einige Tropfen Wasser in den Raum. Viel Zeit bleibt ihm nicht, Nicola will ihm noch viel mehr zeigen.

Nicht nur Robert Krieger merkte an diesem Nachmittag, dass sich die Mädchen und Buben in ihrer neuen Unterkunft bereits richtig wohl fühlen. Die Eltern und die Erzieherinnen haben sich in den vergangenen Wochen große Mühe gegeben, aus 27 farblosen Containern eine bunte und fröhliche Welt für die Kinder zu machen. An den Türen kleben Bilder und ausgeschnittene Figuren. Ein Kaufmannsladen steht im großen Gemeinschaftsraum, die Kinder haben auf einem großen Plakat ihre Handabdrücke hinterlassen. „Wir haben alle tagelang regelrecht mit Zollstöcken geschlafen und intensiv überlegt, wie wir den wenigen Platz am sinnvollsten nutzen können“, berichtete Kirchenpfleger Robert Ludwig. Vor allem den Erzieherinnen sprach er für ihren Einsatz ein großes Lob aus: „Sie sind beim Umzug über die Qualitäten von Männern herausgewachsen.“

70 Kinder sind in drei Gruppen nun vorläufig in dem kleinen Bungalow untergebracht, während der alte Kindergarten saniert und erweitert wird. „Jedes Kind kriegt dadurch in Karlsfeld einen Kindergartenplatz“, betonte Bürgermeister Stefan Kolbe bei seiner Ansprache. „Das ist keine Selbstverständlichkeit.“

Nicht nur die Kinder sind sichtlich zufrieden mit der Zwischenlösung, die sich die Gemeinde überlegt hat. Auch die Kindergartenleiterin Evelyn Kastner freut sich, dass der Bungalow so schön geworden ist. „Wir haben im Moment zwar keinen Turnraum, aber den Platz den wir haben, können wir sinnvoll nutzen.“

Und so klein, wie der Containerbau im ersten Moment aussieht, ist er eigentlich gar nicht. Das merkt Pfarrer Krieger ziemlich schnell. Denn Nicola ist schon seit einigen Minuten unterwegs, um ihm jede Ecke seines neuen Kindergartens zu zeigen und ihm erwartungsvoll den Krug mit dem Weihwasser zu reichen. Denn überall soll Gott aufpassen, findet Nicola.

(kwo)

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