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„Zu welcher Schule fahren Sie?“ Nicht immer war das auf den Buslinien 708, 723, 725 und 727 zuletzt erkennbar.

Busfahrer werden nachgeschult

Beschwerden über MVV-Buslinien halten an

Dachau - Der Streit um die Probleme nach der Umstellung der Busbeförderung im Dachauer Hinterland nimmt weiter Fahrt auf. 

Beschwerden über Beschwerden. Und das eine ganze Woche lang: Albert Herbst, Leiter der Abteilung Kreisschulen und Öffentlicher Personennahverkehr im Landratsamt, arbeitete die ganze Woche über böse Mails über den neuen Betreiber der Buslinien 708, 723, 725 und 727, das Münchner Großunternehmen Geldhauser, ab. Dennoch zeigte er sich nach der Besprechung mit dem Unternehmen im Landratsamt zuvesichtlich.

„Das Problem mit den fehlenden Zielanzeigen an den Bussen scheint das Unternehmen in den Griff bekommen zu haben“, gab Albert Herbst nach einer Kontrolle an.

Die größten Sorgen mache noch die Linie 708: Denn die Busse fahren nicht alle die gleichen Schulen an. Viele Schüler waren nach der Umstellung auf den neuen Linienbetreiber verwirrt, weil die bekannten Busse und Busfahrer sie nicht mehr in ihre Schule brachten. Stattdessen kamen andere Busse ohne Anzeigen – das Chaos war perfekt.

„Wir haben überlegt, die Busse mit Schildern zu kennzeichnen. Sie sollen konkret vorgeben, zu welcher Schule die Busse fahren“, schlägt Albert Herbst vor. Dadurch kämen die Schüler auch nicht mehr zu spät in den Unterricht.

Problem Nummer zwei: Viele Schüler und Eltern haben bemängelt, dass die neuen Busfahrer nur schlechte Deutschkenntnisse haben. Busunternehmer Martin Geldhauser hat für die neuen Linien beispielsweise viele Kroaten eingestellt. Martin Geldhauser, Geschäftsführer des Busunternehmens, stellt klar: „Wir sind ein zertifizierter Betrieb. Unsere Mitarbeiter können Deutsch. Sie müssen ja auch regelmäßig Berichte schreiben.“ Vielleicht tue sich der eine oder andere mit Bayerisch schwer. Laut Geldhauser waren unter den Beschwerden aber auch einige ausländerfeindliche Äußerungen dabei. „Wie man in den Wald schreit, kommt es halt zurück“, so Geldhauser. Das Unternehmen werde seine Mitarbeiter auf jeden Fall noch einmal nachschulen und mit den Busfahrern die Strecke abfahren.

Kreisrat Michael Reindl (FW) forderte sogar, die Verträge mit Geldhauser zu kündigen. In einem Schreiben an Landrat Stefan Löwl wies er noch einmal auf die „katastrophalen Zustände auf den MVV-Buslinien 708, 723, 725 und 727“ hin. Unregelmäßigkeiten und die Nichteinhaltung der Fahrpläne könnten nicht länger hingenommen werden. Da der Busunternehmer laut Reindl also vertragliche Vereinbarungen mit dem Landkreis nicht erfülle, will Reindl eine Kündigung der Verträge prüfen lassen.

„Meiner Auffassung nach reicht die jetzige Problematik dafür nicht aus“, beurteilt Albert Herbst die Forderungen Reindls. „Für einen Konzessionsverlust müssten schon über einen längeren Zeitraum gravierende Mängel mit dem Unternehmen auftreten.“ Außerdem könnte das Landratsamt im Falle einer Kündigung nicht schnell genug für Ersatz sorgen.

Für Martin Geldhauser hat „der Mann (Reindl, Anm.d.Red.) keine Ahnung, aber schreit rum.“ Die Ausschreibung im MVV sei seit 17 Jahren so üblich. Mit einer Ausnahmeregelung hätten mittlere und kleinere Betriebe bei den Ausschreibungen bevorzugt werden können. Diese Regelung hat der Landkreis laut Geldhauser aber nicht genutzt.

Die Linien haben dank des früheren Linienbetreibers Simperl laut Geldhauser „kleine Tücken“ für die neuen Betreiber: „Anscheinend haben es die vorherigen Busfahrer öfter so gehandhabt, dass die Schüler auch zwischen einzelnen Haltestellen aussteigen durften. Wir weisen unsere Fahrer an, nur an den Haltestellen zu halten“, erklärt Geldhauser. So handhabe es auch der MVV. „Wenn die Kinder 30 Meter entfernt von der Bushaltestelle am Hauseck warten, fährt der Busfahrer natürlich an der leeren Bushaltestelle vorbei. Das ist doch logisch“, erklärte Busunternehmer Geldhauser.

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