+
Der eine Bus ist überfüllt, der leere Bus hält nicht an: Solche Zustände herrschten in den vergangenen Tagen morgens um 7.30 Uhr beispielsweise an der Bushaltestelle in Pasenbach.

Beschwerden über MVV-Buslinien

Chaotische Busfahrten für viele Schüler 

Vierkirchen - Bus kommt zu spät, ist nicht beschildert, nimmt Schüler nicht mit, fährt an Haltestellen vorbei: Solche Beschwerden erreichen das Landratsamt – seit das Busunternehmen Geldhauser vier Linien übernommen hat.

Seit Montag geht es auf den MVV-Buslinien 708, 723, 725 und 727 im Landkreis drunter und drüber. Busfahrer weigern sich, Schüler mitzunehmen, Busse kommen gar nicht, Fahrziele sind nicht beschildert, Busfahrer kennen die Haltestellen nicht: So lauten die Beschwerden, die sich seit drei Tagen im Landratsamt ansammeln. Das Großunternehmen Geldhauser mit Sitz in München und Odelzhausen hat eine europaweite Ausschreibung gegen drei lokale Betreiber gewonnen und diese Linien am Montag übernommen.

„Mama, stell dir vor, wir kamen heute erst zur zweiten Schulstunde in der Schule an! Das war vielleicht ein Chaos!“, erzählten die Töchter, 11 und 14 Jahre alt, von Susanne Heinzinger. Sie wohnen in Rettenbach bei Vierkirchen. Die Kinder der 45-Jährigen fahren immer mit der Linie 708 zur Schule. Doch am Montag, am Tag des Fahrplanwechsels des MVV, wussten die Kinder nicht, „in welchen der Busse sie in Pasenbach einsteigen sollten. Die Anzeige der Fahrziele auf den Bussen ergab keinen Sinn“, erzählte Susanne Heinzinger. Es stand beispielsweise „Bernau“ auf dem Bus. Bernau am Chiemsee?

Bisher hatten sich die Kinder von Susanne Heinzinger an die hilfsbereiten Busfahrer gewandt. „Die neuen Busfahrer haben sie aber nicht verstanden“, bemängelt Susanne Heinzinger. Die Omnibus-Chauffeure sprachen kein Deutsch. Im Bus galt aufs Neue: Selbst ist die Schülerin. „Meine Tochter half dem Fahrer, denn er wusste nicht genau, wo er halten muss.“

Susanne Heinzinger hat kein gutes Gefühl: „Ich vertraue den Busfahrern meine Kinder ja auch ein Stück weit an. Da wäre ich schon froh, wenn sie auch ein Auge auf sie haben.“ Zu sehr seien die öffentlichen Verkehrsmittel auf Kommerz ausgerichtet. „Es sind ja unsere Kinder, die transportiert werden, und nicht irgendeine Ware.“

Ihre andere Tochter wurde zunächst gar nicht transportiert: „Der Bus war schon zu voll.“ Also wartete sie – unterdessen „fuhr zweimal ein leerer Bus vorbei. Aus dem winkte zwar der Fahrer, aber er hielt nicht an“, erzählte Susanne Heinzinger weiter von der abenteuerlichen Reise ihrer Töchter zur Schule. Ihre Töchter fanden das „alles blöd, aber wir kommen schon an“.

Gar nicht angekommen ist der Sohn von Kirstin Markl aus Röhrmoos: Der Neunjährige sollte am Dienstag nach der Schule mit dem Bus 727 nach Hause fahren, wie immer, „aber der Busfahrer hat sich geweigert, mein Kind mitzunehmen“, berichtet die Mutter. Der Busfahrer, der nur spanisch spreche, habe „Nix Zieglberg!“ gerufen und den Schüler stehen lassen. Die Schule informierte die Mutter, die ihr Kind dann abholte. Kirstin Markl ist empört. Ein weiterer Fall: In Großinzemoos sei der Bus einfach an der Haltestelle vorbeigefahren. Der Kindergarten habe die Schule informiert, dass an der Haltestelle noch Kinder stehen, sagt Kirstin Markl. Sie bedauert sehr, dass die Firma Simperl die Linie nicht mehr bedient. „Es hat immer genial geklappt.“

„Leider kamen die bisherigen drei nicht mehr zum Zug“, bedauert auch Albert Herbst. Und: „Ich bin schon angefressen.“ Denn seit Montag gehen Beschwerden im Landratsamt ein – wobei es gestern schon weniger waren. „Dass es Anlaufprobleme gibt, war uns klar“, aber mit solch massiven Schwierigkeiten habe niemand gerechnet. Heute führt er ein „grundsätzliches Gespräch“ mit der Geschäftsführung des Busunternehmens Geldhauser. „Dann will ich wissen: Warum kam es zu solchen Mängeln? Und wie soll die Situation zeitnah verbessert werden?“ Denn immerhin habe das Unternehmen ein Jahr lang Zeit gehabt, sich vorzubereiten. In Einzelfällen soll möglicherweise auch eine Vertragsstrafe ausgesprochen werden. „Ich bin jedenfalls voll auf der Seite der Fahrgäste“, versichert Herbst.

Martin Geldhauser, Geschäftsführer des Busunternehmens, bedauert die Vorkommnisse: „Es kam am Montag einfach viel zusammen.“ Pünktlich zum neuen Fahrplanwechsel hatte das Unternehmen neue Busse bestellt. Aber diese kamen nicht rechtzeitig. Also ersetzte das Unternehmen den Bus mit einem Reservemodell, in dem nicht die Fahrpläne auf der Software eingespeichert sind. Dann der „Supergau“: Zusätzlich sei ein Bus wegen technischer Probleme ausgefallen „Ein Busfahrer ist schließlich umgedreht, um die Schüler abzuholen.“ Zurzeit werden die Fahrer auch auf der Strecke geschult – laut Geldhauser teilweise schon seit November. Verständigungsschwierigkeiten ließen sich dadurch erklären, dass das Unternehmen teilweise kroatische Busfahrer eingestellt hat, denn „deutsche Busfahrer findet man nicht mehr“. Selbstverständlich seien die neuen Kollegen aber alle nette und erfahrene Mitarbeiter. Martin Geldhauser ruft die Fahrgäste auf, die Fahrer zu unterstützen. „Die Fahrgäste sollen doch offen auf die Leute zugehen, dann herrscht gute Stimmung.“ Der Unternehmer ist aber zuversichtlich, dass sie die Anlaufschwierigkeiten in den Griff bekommen werden. „Es menschelt halt nun mal im Bus.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

OB will Freibad-Eintritt für Kleinkinder abschaffen
Nach einem Gespräch mit der Werk- und Bäderleitung der Stadtwerke  hat OB Florian Hartmann nun dem Werkausschuss vorschlagen, den Eintrittspreis für null- bis …
OB will Freibad-Eintritt für Kleinkinder abschaffen
Gottes Segen für das 18-Tonnen-Hightech-Auto
Mit einer Feierstunde im Gerätehaus hat die Karlsfelder Feuerwehr offiziell ihr neues Fahrzeug in Dienst gestellt. Der hochmoderne MAN TGM Euro 5 wurde für das Ereignis …
Gottes Segen für das 18-Tonnen-Hightech-Auto
Karlsfeld forciert die Falschparker-Jagd
Absolutes Halteverbot – für viele Autofahrer allenfalls so etwas wie eine Empfehlung. Um das Problem mit den Falschparkern einigermaßen in den Griff zu bekommen, will …
Karlsfeld forciert die Falschparker-Jagd
Großbrand in Indersdorf: Schaden immens, Ursache ein Rätsel
Bis zur Erschöpfung haben rund 230 Feuerwehrleute am Mittwoch gegen den Großbrand in einer Indersdorfer Lagerhalle gekämpft. Der Sachschaden ist immens. Die Ursache …
Großbrand in Indersdorf: Schaden immens, Ursache ein Rätsel

Kommentare