Nannte die Probleme beim Namen: Landrat Christmann (r.) vor dem IHK-Gremium. Links Christine Unzeitig. Foto: KRA

Christmann spricht Klartext

Odelzhausen - Der Landrat nimmt bei der IHK kein Blatt vor den Mund, geißelt das Anspruchsdenken der Bürger und preist den Flughafens im Erdinger Moos.

Am Dienstag hat die IHK Dachau-Fürstenfeldbruck ihre Mitgliederversammlung beim Autozulieferer W.E.T. In Odelzhausen abgehalten (siehe weiteren Bericht). Wichtigster Punkt der Tagesordnung: der wirtschaftliche Lagebericht von Landrat Hansjörg Christmann (CSU).

Der oberste politische Beamte des Landkreises hatte im Grunde nur positive Botschaften zu verkünden: wachsende Gewerbegebiete - speziell in Bergkirchen und Odelzhausen -, neue schulische Bildungsangebote in Odelzhausen und Karlsfeld. Doch dann wechselte der routinierte politische Fahrensmann die Tonlage. Es ging um das weitere Wachstum des Landkreises. Christmann geißelte die „Antihaltung“ der Bevölkerung gegen die Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbegebiete: „Pensionierte MAN- und MTU-Ingenieure haben in Karlsfeld neue Industrieansiedlungen verhindert.“ Später ergänzte er: „In diesem Augenblick laufen Bürger durch Karlsfeld und sammeln Unterschriften gegen eine Wohnbebauung im Kernbereich (gemeint ist die Neue Mitte - Anm. d. Red.), die dringend benötigten Wohnungraum schaffen könnte.“

Im gleichen Atemzug verurteilte der Landrat die Bürgerinitiativen in der Großen Kreisstadt, die sich den Verbleib der Schlossbrauerei auf die Fahnen geschrieben hatten. Und schließlich kam er auf die dritte Start- und Landebahn des Flughafens zu sprechen. Christmann erinnerte sich: „Die Einweihung des Flughafens Franz-Josef Strauß brachte den entscheidenden Wachstumsschub für den Landkreis Dachau.“ Man müsse „behutsam mit den Ängsten der Bevölkerung“ umgehen, um die Infrastrukturen für den Airport in die richtigen Bahnen zu lenken und „zum richtigen Zeitpunkt Entscheidungen zu treffen, zum Beispiel zur dritten Startbahn“, formulierte der Politprofi diplomatisch, klagte aber auch: „Meine größte Sorge ist, dass wir wegen der Bürgerentscheide nicht mehr in der Lage sind, große Infrastrukturprojekte zu stemmen.“

Christmann zeigte allerdings auch Verständnis für die Befürchtungen der Bevölkerung und verwies auf die Erfahrungen, die seine Behörde mit dem Beteiligungsprojekt „Zwischen Dorf und Metropole“ sammeln konnte: „Die Bürger haben vor Übermaß einfach Angst.“

Doch Christmanns Kernbotschaft war klar: Eine Verweigerungshaltung führt nicht weiter; der Landkreis muss infrastrukturelle Voraussetzungen schaffen, um das zu erwartende Bevölkerungswachstum bewältigen zu können. Sein Credo fasste er in dem Satz zusammen: „So lange wir Egalität fordern, kriegen wir die Probleme nicht gelöst.“ (kra)

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