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Im Mischwald von Clemens von Trebra-Lindenau soll ein Natufriedhof für Urnen entstehen. 

Clemens von Trebra-Lindenau stellt Naturfriedhof vor

Letzte Ruhestätte im Wald?

Clemens von Trebra-Lindenau will seinen Wald zu einem Naturfriedhof machen: An Ruhebäumen sollen die Urnen bestattet werden. Nun stellte er sein Projekt im Röhrmooser Gemeinderat vor.

Röhrmoos – Der Unterweilbacher Gutsbesitzer Clemens von Trebra-Lindenau will auf einer Waldfläche von 21,5 Hektar auf dem Höhenrücken des Unterweilbacher Berges einen Naturfriedhof zur Urnenbestattung schaffen. 

Doch nur 19 Hektar befinden sich dabei auf der sind Röhrmooser Flur – 2,1 Hektar sind im Bereich Hebertshausen. Trebra hat das Projekt mit Adina Lauer von der Naturbestattungs-Initiative „Waldruh St. Katharinen“ nun dem Röhrmooser Gemeinderat vorgestellt.

Dabei zeigte Trebra auf, dass auf seinem Besitz nahe Reipertshofen Urnenbestattungen im naturbelassenen Wald künftig möglich sein sollen: Er will das Konzept „Waldruh St. Katharinen“ aus der Bodenseegegend am Unterweilbacher Berg umsetzen. Denn „Der Wunsch nach Bestattung wandelt sich“, sagte er. 

Vorbild für den Naturfriedhof zwischen Röhrmoos und Reipertshofen: Das Waldruh-Konzept

Wichtig sei ihm, dass das Konzept von St. Katharinen die christlichen Werte erhält. Im Gespräch mit den Bürgermeistern von Röhrmoos, Dieter Kugler, und Hebertshausen, Richard Reischl aus Hebertshausen (beide CSU) habe er festgestellt, dass auch die Gemeindechefs sein Vorhaben begrüßen.

Auch Trebras fachliche Unterstützung im Gemeinderat, Adina Lauer erklärte sich bereit, ihr Wissen über einen Bestattungswald an die Gemeinde Röhrmoos weiterzugeben. Sie ist selbst Försterin, hat aber auch Theologie und Philosophie studiert und leitet seit sechs Jahren den Waldfriedhof am Bodensee. 

Das Waldruh-Konzept am Bodensee sei für 25 Hektar Wald genehmigt und die Nachfrage nach Naturbestattungen groß. Ein Forstweg reiche dort als Friedhof-Zufahrt, auch die 15 Parkplätze und die Einfriedung des Naturfriedhofs mit hölzernen Stangen würden genügen. Außerdem gebe es dort Wege aus Hackschnitzeln.

„Anonyme Bestattungen gibt es nicht“

Alle zehn bis zwanzig Meter sind sogenannte Ruhebäume vorzufinden, um die sich die Urnen verteilen. Für jeden Bestatteten gibt es ein Namensschild am Baum. Anonyme Bestattungen würden nicht zugelassen. 

Rund um einen Bestattungsbaum sei Platz für zwölf Gräber. Das einzelne Grab sei rund zwei Meter vom Baumstamm entfernt, „so ist jede Grabstelle genau definiert“.

Die Ruhestätten unter Bäumen können für eine Laufzeit von 99 Jahren ausgewählt werden, es gebe auch ausgewiesene Familienbäume. Trauerfeiern könnten außerdem im Freien stattfinden, weil genügend Sitzbänke vorhanden sind.

Lauer zeigte ein weiteres Argument für den Naturfriedhof auf: Nur die Angehörigen des Verstorbenen würden über die Art der Trauerfeier bestimmen. Für die Ortsgeistlichen wäre eine Bestattung in der Natur keine zusätzliche Belastung. Im Winter könnten die Verwandten das Grab des Verstorbenen markieren. Im Lauf der Zeit soll das Grab aber von der Natur übernommen werden. Auch ein Strom- und Wasseranschluss sei am Naturfriedhof nicht notwendig, weil es dort keine Toiletten gibt.

Betreiber des Friedhofs bleibe der Waldbesitzer. Trebra müsse die beanspruchte Fläche aber an die Gemeinde verpachten, so dass sie Träger des Friedhofs werden kann. Die Verwaltung der Waldruh-Initiative regle die Bestattung, sodass die Gemeinde nur für die Bestattungsgebühren zuständig ist. 

Die Gemeinde habe daher bei einem Naturfriedhof zusätzliche Einnahmen ohne finanzielles Risiko. Wie die Diskussion mit den Gemeinderäten zeigte, werde das Projekt als zusätzliches Angebot für Bestattungen gesehen. Denn auch im ländlichen Raum nehme die Zahl der Feuerbestattungen immer weiter zu. Nun muss das Landratsamt den Naturfriedhof noch genehmigen.

Mehrere Ratsmitglieder interessierten sich aber noch für die Grabkosten: Pro Ruhestätte würden sie bei 500 Euro losgehen, so Lauer. Wer einen Ruhebaum mit bis zu zwölf Ruhestätten reservieren will, muss 3200 Euro und mehr bezahlen. Die Beisetzungsgebühr gab sie mit 280 Euro an.

Wie entschied der Gemeinderat über das Projekt Naturfriedhof?

Auch Gemeinderatsmitglieder, die eng mit der katholischen Kirche verbunden sind, wie Gerhard Schmidbauer, Mesner an der Röhrmooser Pfarrkirche, und Burkhard Haneke begrüßten das Vorhaben. Matthias Rager (CSU) und Martin Mayr (Freie Wählern) stimmten gegen das Projekt.

Wenn nun auch der Gemeinderat Hebertshausen dem Naturfriedhof zustimmt, sei Röhrmoos laut Bürgermeister Kugler bereit, weitere Schritte vorzubereiten.

Von Josef Ostermair

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