Martin Clemens Winter ist der erste Träger des Studienpreises.

Studienpreis

Comité International de Dachau zeichnet Historiker aus

Der Leipziger Historiker Martin Clemens Winter erhält als Erster den mit 6000 Euro dotierten Studienpreis des Comité International de Dachau (CID). Er wird für seine Dissertation „Gewalt und Erinnerung im ländlichen Raum: Die deutsche Bevölkerung und die Todesmärsche“ ausgezeichnet.

Dachau – In seiner Doktorarbeit untersuchte Martin Clemens Winter das Thema der Todesmärsche aus einer bisher kaum erforschten Perspektive. Er wirft einen genauen Blick auf kleine deutsche Gemeinden, durch die im Frühjahr 1945 Evakuierungstransporte aus den Konzentrationslagern geführt wurden und fokussiert sich dabei auf drei Themenkomplexe. Wie verhielten sich die Einwohner gegenüber den Häftlingen? Halfen sie den Gefangenen, denunzierten sie geflüchtete Insassen, oder übten sie gar selbst Gewalt aus? Wie wurden diese Verbrechen nach dem Kriegsende verfolgt und geahndet? Und abschließend befasst sich der Historiker mit der Erinnerungskultur in den betroffenen Gemeinden – wie gedachten die Einwohner der Opfer?

Mit diesem Konzept konnte Winter auch die zehnköpfige internationale Jury, der unter anderem Barbara Distel, die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau von 1975 bis 2008, und Gabriele Hammermann, amtierende Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, angehören, überzeugen. In ihrer Begründung lobte die Jury die „kluge Anlage, eine souveräne Handhabung aktueller methodischer Ansätze und einen klaren, verständlichen Stil“.

Der Studienpreis wird ab 2017 alle zwei Jahre verliehen. Mit ihm will das CID herausragende wissenschaftliche Forschungen über die NS-Verfolgungspolitik und deren Aufarbeitung würdigen und fördern. Das CID entwickelte sich aus dem internationalen Häftlingskomitee, das sich kurz vor Kriegsende im KZ-Dachau gründete und maßgeblich an der Errichtung der Dachauer Gedenkstätte im Jahr 1965 beteiligt war. Bis heute sind die meisten Mitglieder überlebende KZ-Häftlinge und deren Nachfahren.

Der Preis wird am Samstag, 17. März, um 17 Uhr im Auditorium des NS-Dokumentationszentrum am Max-Mannheimer Platz 1 in München verliehen. In diesem Rahmen wird der Preisträger auch die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit präsentieren.

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