Wirt Manfred Valentin (r.) und sein Kompagnon Robert Matthes.
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Wirt Manfred Valentin (r.) und sein Kompagnon Robert Matthes.

Nach langer Corona-Pause

„Vor Vatertag habe ich ein bisschen Angst“: Biergärten in Bayern öffnen wieder - doch die Freude ist getrübt

  • Stefan Sessler
    vonStefan Sessler
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Am Montag (18. Mai) eröffnen nach langer Corona-Pause die Biergärten in Bayern endlich ihre Pforten. Doch die Erleichterung der Wirte ist getrübt.

  • Nach langer Pause wegen des Coronavirus darf am 18. Mai endlich wieder die Außengastronomie in Bayern öffnen.
  • Der sonst so lockere Biergarten-Besuch unterliegt aber vorerst strengen Regeln.
  • Diese bereiten einigen Wirten - verbunden mit dem zu erwartenden Ansturm - enorme Sorgen.
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Röhrmoos - Wirt Manfred Valentin, 42, betreibt einen der schönsten Biergärten in Oberbayern – den Biergarten der Schlosswirtschaft Mariabrunn im Landkreis Dachau.

Die Biergartensaison beginnt heuer am 18. Mai. Sind Sie vorbereitet?

Wir haben eine Plexiglasscheibe am Kassenbereich angebracht. Es war nicht einfach, Desinfektionsspender zu bekommen, aber nach zwei Stunden Rumtelefoniererei habe ich jetzt welche. Die stellen wir in die Toiletten und mitten in den Biergarten. Hygiene ist uns sehr wichtig.

800 Gäste haben bei Ihnen Platz, eigentlich. Wie viele lassen Sie rein, um
Abstände einzuhalten?

Das wissen wir noch nicht. Aber bei uns ist das relativ einfach: Wir haben riesengroße Holzbänke, auf die normalerweise über 20 Leute passen. Wenn ich da jetzt zwei Paare hinsetze, die ja zusammen furtgehen dürfen, dann hab ich da insgesamt acht Leute sitzen. Oben zwei Paare, unten zwei Paare. Wenn das geht, wäre ich zufrieden.

Haben Sie Aufpasser, die von Tisch zu Tisch gehen?

Ich glaube, die Gäste halten sich automatisch an die Regeln. Aber zur Sicherheit werden wir Angestellte abstellen, die aufpassen.

Wie schützen sich Ihre Mitarbeiter?

Die kriegen Masken und Handschuhe. Sobald ein Mitarbeiter mosert, sag’ ich immer: „Wenn ein Chefarzt zwölf Stunden operiert, dann muss er zwölf Stunden Maske tragen. Also könnt ihr das auch.“

Biergarten-Öffnung in Bayern: „Punkt 20 Uhr“ die letzte Mass?

Anfangs dürfen Sie nur bis 20 Uhr öffnen. Wann schenken Sie die letzte Mass aus? 19.59 Uhr?

(lacht) Punkt 20 Uhr natürlich. Aber Spaß beiseite. Das müssen wir in der Praxis testen. Sagen wir, wir haben um kurz vor 20 Uhr noch 40 Leute sitzen und es kommt einer und sagt: „Kann i noch a Mass haben?“ Dann geb ich ihm die Mass. Aber natürlich schauen wir, dass um 20 Uhr keine 300 Leute mehr im Biergarten sitzen.

Hatten Sie in den letzten Wochen Existenzängste?

Nein, wirklich nicht. Ich habe eh in keiner Sekunde darüber nachgedacht aufzuhören. Arbeitsamt, Kurzarbeitergeld, Telefonate mit den Banken. Es war wahnsinnig viel Büroarbeit zu tun. Unser Betrieb steht auf sicheren Beinen – wir sind mit einem blauen Augen davongekommen. Ein Betrieb muss das auch mal aushalten, dass er zwei Monate zu hat. Das ist meine Meinung.

Biergarten-Öffnung in Bayern: Keine klaren Regeln - Plan nicht durchdacht?

Rechnen Sie am Montag mit großem Andrang?

Ich glaube, dass viele Menschen kommen – aber nicht alle gleich am ersten Tag. Das Einzige, was uns bis zum heutigen Tag fehlt, ist ein klares Regelwerk. Ein banales Beispiel: Ich gehe davon aus, dass das Besteck in eine sterile Tüte muss. Wir haben vorgesorgt und die gestern schon gekauft. Aber das braucht natürlich alles Vorlauf. Viel Zeit ist nicht mehr.

Es geht endlich wieder los. Die Erleichterung hört man Ihnen an.

I gfrei mi, dass wir endlich wieder ein Geschäft machen dürfen. Doch der erste schöne Tag in diesem Biergarten-Jahr ist wahrscheinlich der Vatertag, das ist übernächsten Donnerstag. Ich weiß nicht, ob das von der Regierung so durchdacht ist. Da wird Hochalarm bei uns sein. Sagen wir: Ich darf die Hälfte der Plätze besetzen, 400 Gäste. Wie sag’ ich dann dem vierhundertersten Gast, dass er nichts mehr kriegt? Da habe ich ein bisschen Angst davor.

Alle Informationen rund um die Corona-Lockerungen in Bayern und den Fahrplan der Söder-Regierung finden Sie hier.

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