Bäumchen fürs Fliegen

Dachauer Stadträte beschließen CO2-Ausgleich für Flugreisen

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Die Dachauer  Stadträte haben beschlossen, einen Ausgleich für Flugreisen zu leisten. In Form von Bäumen.

Dachau – Klimaschutz ist aktuell ja in aller Munde. Kein Wunder, dass nun auch die Lokalpolitik – noch dazu in Wahlkampfzeiten – auf diesen Zug aufspringt.

Zug fahren statt fliegen war in diesem Zusammenhang auch das Thema einen Grünen-Antrags, wonach die Stadt für alle zukünftig anstehenden Reisen des Oberbürgermeisters, der Stadtverwaltung und des Stadtrats in offizieller Mission, welche mit dem Flugzeug durchgeführt werden, einen CO2-Ausgleich zahlen soll. Klar, räumte Fraktionsvorsitzender Thomas Kreß in seinem Antrag ein, ließen sich „Flugreisen nicht immer vermeiden“; allerdings sollte man ein „starkes Augenmerk auf die klimatischen Auswirkungen des Flugverkehrs legen und in geeigneter Weise gegensteuern“. Eine „geeignete Weise“ biete nach Ansicht der Grünen die Non-Profit-Organisation „atmosfair“: Diese berechnet bei Eingabe von Flugdaten einen Geldbetrag, mit dem „atmosfair“ das pro Kopf ausgestoßene CO2 auf eben diesem Flug mittels Klimaschutzprojekten neutralisiert. Für die Reise einer 15-köpfigen Delegation nach Léognan bei Bordeaux würden Kreß zufolge 184 Euro fällig.

Der Haupt- und Finanzausschuss, der den Antrag am Montag zur Diskussion vorgelegt bekam, aber wollte dem Vorschlag der Grünen nur bedingt folgen. Kai Kühnel (Bündnis für Dachau) etwa fand, dass der Berechnungsschlüssel für die CO2-Kompensation zu niedrig angesetzt sei: Der „atmosfair“-Emissionsrechner nennt einen Preis von 23 Euro pro Tonne Kohlendioxid. Kühnel hielt jedoch einen Preis von mindestens 50 Euro pro ausgestoßener Tonne für sinnvoller. Um eine Zahlung an „atmosfair“ zu umgehen, schlug er daher vor: „Warum pflanzen wir stattdessen nicht einfach Bäume?“

Oberbürgermeister Florian Hartmann war es ohnehin ein Anliegen, erst einmal die Dimension des städtischen Flugbetriebs ins rechte Licht zu rücken. In den Jahren 2017 und 2018 hätten er, die Verwaltung und die Stadträte nämlich jeweils nur vier Flugreisen unternommen. Hinzu kam im Oktober 2018 noch die Reise nach Fondi zum 20-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft. Jürgen Seidl (FDP) sah in dem Grünen-Vorstoß daher auch nichts als „Symbolpolitik“. Wieso beschließe man nicht einfach, dass der Stadtrat künftig nur noch mit dem Zug fahren solle? „Das wäre mal ein Zeichen nach außen!“

Edgar Forster (FW) sprach ebenfalls von Schaufensterpolitik und stellte die Frage, ob es denn sinnvoll sei, dass wenn ein Dachauer Verein in Wladiwostok eine Ausstellung mache und eine Dachauer Delegation dorthin mitführe, nun wirklich alle „eine Woche mit dem Zug fahren“ sollen? Elisabeth Zimmermann (CSU) schlug schließlich vor, dass sich der Stadtrat, OB und Verwaltung zum Ziel setzen sollten, „Flugreisen zu vermeiden“, wobei der Hartmann konterte: „Aber das machen wir doch sowieso! Wir sprechen von vier Flugreisen in einem Jahr!“

Am Ende verständigte sich der Ausschuss auf folgende Sprachregelung: Flugreisen von Verwaltung, Stadtrat und OB würden auf ein „notwendiges Minimum reduziert“. Für dennoch unternommene Flugreisen soll es fortan einen internen CO2-Ausgleich geben, der – in doppelter Höhe der „atmosfair“-Bepreisung – an die Abteilung Stadtgrün gezahlt wird. In welcher Form die Stadtratsfahrten stattfinden – ob per Bahn oder Flugzeug – wird jedoch weiterhin von Fall zu Fall entschieden. 

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