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Auf der Einbahnstraße durchs Museum: Wie hier im Bezirksmuseum gelten strenge Vor schriften für Besucher. 

Nicht alle Museen im Landkreis Dachau öffnen wieder

Museen leiden unter Besucherschwund und Geldsorgen

Die Corona-Beschränkungen prägen auch die Museumsbesuche. Seit knapp zwei Wochen dürften die Museen wieder öffnen – aber nicht alle im Landkreis können das.

LandkreisGruppenführungen und zusätzliche Veranstaltungen gibt es im Bezirksmuseum in Dachau vorerst keine. Kuratorin Ursula Nauderer berichtet von den ersten Öffnungstagen: „Der Zulauf ist sehr verhalten, es läuft nur schleppend an.“

32 Besucher dürfen sich gleichzeitig im Bezirksmuseum aufhalten. Damit sich diese möglichst wenig über den Weg laufen, gibt es ein Wegeleitsystem. So wird das Museum mit der Sonder- sowie Dauerausstellung zu einer Einbahnstraße. Ähnlich handhabt das auch die Gemäldegalerie, die ebenfalls seit dem 12. Mai wieder geöffnet hat. Wer durch die Sonderausstellung „Tierbilder“ geht, wird von dort in die Dauerausstellung nach draußen geleitet.

So auch beim Museum Altomünster, das sich jedoch eine Woche länger Zeit gelassen hat, um wieder zu öffnen. Pünktlich zum Internationalen Museumstag am 18. Mai gab es auch hier wieder Besucher. Die Sonderausstellung mit Bildern von Bernd Schwarting hätte eigentlich schon am 5. April eröffnen sollen. Wegen der Verspätung wird diese nun bis Ende August verlängert. „Am härtesten trifft es eigentlich den Künstler. Ohne Vernissage und mit kleineren Besucherzahlen sind seine Verkaufszahlen womöglich nicht so hoch wie ohne Corona“, vermutet die zweite Vorsitzende vom Museums- und Heimatverein, Regina Schüffner.

Die Diplom-Biologin hat sich schon lange über ein Hygienekonzept Gedanken gemacht. So gelten nun auch in Altomünster begrenzte Besucherzahlen. Schilder und Linien am Boden führen die Besucher sicher durch die Räumlichkeiten. Neben der Maskenpflicht wurden auch Plexiglasscheiben an der Kasse angebracht. Zudem stehen Desinfektionsmittel bereit. Und: „Solange Corona so präsent ist, haben wir nur samstags und sonntags geöffnet!“  

Als Grund gibt Schüffner die Mitarbeiter an: Die meisten davon seien 70 Jahre alt und gehörten zur Risikogruppe. Sie „möchte niemanden zwingen, seinen ehrenamtlichen Dienst hier zu tun“.

Das ist auch der Hauptgrund, warum bei anderen Museen im Landkreis die Türen noch länger geschlossen bleiben. So sagt die Kuratorin des Karlsfelder Heimatmuseums, Ilsa Oberbauer: „Wir öffnen erst wieder im Herbst, weil im Sommer sowieso wenig los ist und unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter alle zur Risikogruppe gehören.“ Aktuell kann sich die Kuratorin nicht vorstellen, wie in den engen Räumen und Zugängen im Karlsfelder Museum die Regeln eingehalten werden sollen.

Das ist auch das Problem im Dachauer Wasserturm: Der Förderverein gab bekannt, vorerst bis 31. August geschlossen zu bleiben. Der Vorstand habe sich im Vorfeld eng mit den Dachauer Museen abgestimmt, soSchriftführer und Programmkoordinator Gerhard Niedermair. Im engen, langen Treppenaufgang – dem einzigen Zugang – dürfe sich schlichtweg niemand begegnen.

Vorsitzender Anton Wagatha vom Augustiner Chorherren Museum in Markt Indersdorf hat ähnliche Probleme wie der Verein in Karlsfeld: „An der Kassen sitzen nur Rentner. Ich möchte auf niemandem Druck ausüben.“ Das wesentliche größere Problem aber sind für Wagatha die Finanzen des Vereins: „Wir schreiben aktuell einen Verlust von etwa 10 000 Euro.“ Vor allem die 8000 Euro vom Bücherflohmarkt fehlten, mit denen immer fest gerechnet werde. „Wartungskosten für Aufzug und Brandschutz, Heizkosten, Wasser, Telefon und die Tilgung der Schulden“, zählt Wagatha die laufenden Kosten auf. Er hofft auf Unterstützung von der Gemeinde und dem Landkreis. Anträge für Zuschüsse seien bereits gestellt.

Doch die Not macht die Museumsverantwortlichen auch erfinderisch: Im Dachauer Bezirksmuseum beispielsweise setzt man nun vermehrt auf das Internet. „Ich stelle etwa jede Woche ein Exponat aus der aktuellen Ausstellung ,Die Lebensalter‘ im Internet vor“, erzählt Kuratorin Nauderer. Das ersetze zwar nicht die Ausstellung, könne aber Appetit machen.  

Auch das Museum Altomünster hat ein Video der aktuellen Sonderausstellung auf seine Internetseite gestellt. „Das hätten wir ohne Corona sicherlich nicht gemacht“, weiß Regina Schüffner.

mik

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