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Mit 10 km/h im Standgas bergauf und bergab: Das tut Autos nicht gut und erhöht deren Abgaswerte.

Fahrlehrer gibt Tipps

„Starker Tobak“: Dieses neue Tempolimit ist kaum einzuhalten

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Das neue Tempolimit am Schlossberg stellt viele Autofahrer vor eine Herausforderung: Wie schafft man es, den steilen Berg in Schrittgeschwindigkeit hoch zu rollen? Fahrlehrer Fleischmann gibt Tipps.

Dachau – Michael Fleischmann, Inhaber einer Fahrschule mit Filialen in Petershausen und Pfaffenhofen, fährt mit seinen Schülern selten zum Dachauer Schlossberg: „Es ist eng und geht oben ja nur im Kreis. Wenn wir rauffahren, dann nur wegen der Aussicht.“ Dass am Berg nun ein Tempolimit von 10 km/h gilt, berührt ihn also nicht primär. Auf Bitte der Heimatzeitung nimmt sich der Fahrlehrer die neue Regelung dennoch einmal genauer vor.

Grundsätzlich, noch bevor er die ersten Meter den Berg hinauffährt, ist er der Meinung, dass eine Beschränkung auf 20 km/h auch gereicht hätte: „Damit würde man die Raser genauso ausbremsen, und für die Autofahrer wäre es auch leichter. Tempo 10 ist schon starker Tobak!“ Hinzu komme der Faktor Zeit: Exakt 1:58 Minuten ist man unterwegs, wenn man den Berg mit 10 km/h hinunter- oder hinauffährt. Für Fleischmann ist das „natürlich auch Lärm, den die Anwohner hören“.

Da Tempo 10 aber nun einmal gilt und laut Stadtverwaltung auch mittels Geschwindigkeitskontrollen durchgesetzt wird, hat der 49-Jährige einige Tipps an der Hand, wie der Berg nun zu befahren ist. Oberste Regel dabei: „Es ist reine Kopfsache!“ Und für Autos, die noch keinen digitalen, sondern nur einen analogen Tacho haben, der im Regelfall erst mit der Zahl 20 beginnt, gelte: „Versuchen Sie die Tachonadel deutlich unter der 20 zu halten!“

Am wenigsten Probleme mit der neuen Regelung haben Fleischmann zufolge neue Diesel: Die schaffen es ohne Probleme, im ersten Gang ohne Gas den Berg hinauf zu rollen. Schwieriger wird es dagegen für kleinere Autos, mit wenig Hubraum. Fleischmann gibt hier den Tipp, ebenfalls im ersten Gang ohne Gas erst einmal anzurollen und dann – je nach Bedarf – mit etwas Gas nachzuhelfen. Übrigens: Wenn das Auto anfängt zu rütteln, solle man sich Fleischmann zufolge nicht aus der Ruhe bringen lassen: „Das ist nur das Kopfsteinpflaster!“ Sollte der Motor tatsächlich absterben, bleibe das Auto einfach stehen.

Fahrer von Automatik-Autos müssen in jedem Fall aufpassen. „Diese Autos brauchen Gas“, weiß der Fahrlehrer. Wer also einfach nur auf Fahrstufe D schaltet und hofft, sein Auto würde von alleine losrollen, werde enttäuscht: „Ohne Gas bleiben die Automatik am Berg stehen.“ Auch wer sich auf den Tempomat in seinem Auto verlässt, ist am Schlossberg verlassen. Bei den allermeisten Fabrikaten funktioniere die Geschwindigkeitsregelanlage erst ab Tempo 30, betont Fleischmann.

Frei nach dem Schriftsteller Herbert George Wells, der sagte, „Erfahrungen sammeln, heißt Fehler begehen“, findet Fahrlehrer Michael Fleischmann: „Die Erfahrung heißt in diesem Fall: im ersten Gang ausprobieren, ob es klappt. Wenn der Motor abstirbt, ist es dann eben ein Fehler.“ Grundsätzlich sollten die Autofahrer aber „nicht ungeduldig werden“ und bei der Berg-Premiere „darauf achten, dass einem keiner hinten drauf fährt“.

Dass die Tempo-10-Regel aber nicht nur für die Fahrer anstrengend ist, sondern auch für die Autos, ist Fleischmann ebenfalls wichtig zu betonen. Denn: Den Autos tue es nicht gut, allzu lang unter Last im Standgas zu fahren. „Die müssen da richtig an ihre Grenzen“, so der Fahrlehrer.

Und selbst für die Luft am Schlossberg könnte das Tempolimit Folgen haben: Durch die unvollständige Verbrennung des Treibstoffs entsteht laut Fleischmann ein sogenanntes fettes Gemisch – und dieses wiederum erhöht die Abgaswerte.

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