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Die Zeit läuft: Die Freiwillige Feuerwehr Dachau beim Ausrücken. Oft geht das nicht schnell genug.

10-Minuten-Vorgabe wird oft nicht eingehalten

Feuerwehr muss schneller ausrücken

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In zehn Minuten müssen die Kräfte der Feuerwehr gemäß Gesetz nach Eingang einer Alarmierung am Einsatzort sein. Die Freiwillige Feuerwehr Dachau ist in 47 Prozent der Einsätze langsamer. Eine beunruhigende Zahl, die eines zeigt: Es muss dringend etwas unternommen werden.

Dachau – Die Freiwillige Feuerwehr Dachau muss schneller am Einsatzort sein. Denn zu oft wird die Frist überschritten, die der Gesetzgeber vom Eingang des Notrufes bis zum Eintreffen am Einsatzort vorgibt. Zu diesem Ergebnis kam ein Fachbüro, das derzeit einen Feuerwehrbedarfsplan erstellt. Mögliche Lösungen des Problems versucht nun eine Arbeitsgruppe zu finden: etwa weitere Feuerwachen im Stadtgebiet, mehr hauptamtliches Personal, bezahlte Bereitschaften im Gerätehaus.

In der Sitzung des Hauptausschusses am Mittwoch legte Diplom-Ingenieur Thomas Keller vom Ingenieurbüro für Brandschutz und Gefahrenabwehrplanung (IBG) die zum Teil beunruhigenden Zahlen vor, im Beisein von Kommandant Thomas Hüller und Feuerwehrreferent Wolfgang Reichelt. Auch drei Feuerwehrmänner wollten den Ausführungen des Fachmanns lauschen – bis die Piepser Alarm schlugen. Die Helfer sprangen auf und verließen den Saal: Einsatz in Hebertshausen, wie Hüller und Reichelt erklärten. „Das war nicht inszeniert“, sagte Reichelt schmunzelnd.

Mehrere Tage war Keller mit Kollegen wegen des Bedarfsplans in Dachau, schaute sich Stadtteile an, unternahm Fahrversuche, verifizierte das Gefahrenpotenzial, befragte alle 102 Aktiven und nahm die Einsätze von 2014 bis 2016, bei denen eine Gefahrensituation vorlag, unter die Lupe. Für den ersten Bericht stellte Keller nun den Ist-Zustand dar. Und weist auf ein Problem hin: Die sogenannte Hilfsfrist, die Zeit vom Notruf bis zum Eintreffen der Feuerwehr am Einsatzort, wird nur in 53 Prozent der Fälle eingehalten, tagsüber in 71 Prozent, nachts nur in 32 Prozent. Sie darf aber zehn Minuten nicht überschreiten, wie das Bayerische Feuerwehrgesetz festlegt.

Die Zeit läuft, sobald über die 112 ein Notruf abgesetzt wird: Nach Abschluss des Gesprächs bis zur Alarmierung vergeht bei der Integrierten Rettungsleitstelle Fürstenfeldbruck im Schnitt eine Minute. Die Einsatzkräfte werden alarmiert, eilen zum Feuerwehrhaus, ziehen sich um – das ist die Ausrückzeit. Sie beträgt bei der Feuerwehr Dachau nachts 6:45 Minuten. Dann setzen sich die Helfer in die Fahrzeuge und fahren zum Einsatzort – für die Fahrzeit blieben dann nur 2:15 Minuten, um die zehn Minuten einzuhalten.

„Sie wissen, dass manche Gebiete in Dachau nicht innerhalb dieser Zeit erreicht werden können“, so Keller. Eines der Hauptprobleme: „Tagsüber sind sehr wenige ehrenamtliche Feuerwehrangehörige in der Nähe der Feuerwache verfügbar“, so Keller. Zwar dürften Aktive der Feuerwehr auf dem Weg zum Gerätehaus Sonderrechte nutzen, also etwa die Geschwindigkeit „unter größtmöglicher Sorgfalt geringfügig überschreiten“, so Reichelt – doch das genüge trotzdem nicht, um eine Ausrückzeit von 3:30 Minuten einzuhalten. Dass dennoch die Quote der Einsätze, in denen die Hilfsfrist eingehalten wird, tagsüber besser ist, liege an den vier hauptamtlichen Gerätewarten, die untertags mitausrücken. „Sechs Mann reichen für die Besetzung des ersten Fahrzeugs“, erklärte Wolfgang Reichelt, der in der Sitzung als Feuerwehrreferent Auskunft gab.

Das Problem bei nächtlichen Einsätzen ist, dass die siebenEhrenamtlichen, die jeweils immer eine Woche lang Bereitschaft haben, quer über das ganze Stadtgebiet verteilt sind. „Und auch in der Nacht braucht man mehr als drei Minuten zum Feuerwehrhaus“, so Reichelt. Hüller ergänzt: „Zwei bis drei Minuten sind gar nichts – gerade wenn man im Bett liegt.“

Nun werden Lösungen für as Problem gesucht. Erste Vorschläge des Experten: Aufstockung der hauptamtlichen Mitarbeiter, Verpflichtung von weiteren Mitarbeitern der Stadt, Besetzung der der Feuerwache tagsüber mit Mindestbesatzung, Schaffung von Dienstwohnungen, bezahlte Bereitschaften durch ehrenamtliches Personal. Eine Idee, die wegen der Kosten bereits verworfen wurde: Eine 24-Stunden-hauptberufliche Besetzung der Feuerwache würde laut Keller 2,5 Millionen Euro pro Jahr kosten.

Reichelt möchte aber die Errichtung von drei zusätzlichen Gerätehäusern im Stadtgebiet diskutieren. Denn wie Hüller erklärt hatte, seien bei der Gebietsreform die Ortsteilfeuerwehren Mitterndorf, Augustenfeld und Etzenhausen in die Feuerwehr Dachau eingegliedert worden. „Wenn die vor 40 Jahren nicht aufgelöst worden wären, würde es vermutlich anders ausschauen“, so Reichelt.

Eine Arbeitsgruppe befasst sich nun intensiv mit dem Thema. Die Kommandanten Thomas Hüller und Gerd Lobmeier, Feuerwehrreferent Wolfgang Reichelt, Vertreter der Stadt sowie ein hauptamtlicher Gerätewart werden die Ergebnisse ihrer Diskussion mit dem Fachmann vom IBG und dem Feuerwehrbedarfsplan abstimmen und dann den Gremien des Stadtrats zur Abstimmung vorlegen. Auf die Frage, ob es Grund gibt, beunruhigt zu sein, antwortet Keller ganz entspannt: „Man muss sich intensiv mit der Problematik auseinandersetzen – und das tut die Stadt jetzt.“

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