Sogenannte Steiger , oftmals Turner, mit Hakenleitern wurden auch bei der Freiwilligen Feuerwehr Dachau eingesetzt. Sie konnten die Dächer der umliegenden Gebäude ersteigen, um den Brand abzuriegeln und von den Dächern aus zu bekämpfen. Foto: FFW Dachau

Serie: 150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Dachau: Von den Anfängen einer Institution

„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“

Die Heimatzeitung in den kommenden Wochen bis zur großen Jubiläumsfeier von 13. bis 15. September in einer Serie über die bewegte, 150-jährige Geschichte der Feuerwehr Dachau.

Dachau– Der Rathaussaal konnte die Interessenten kaum aufnehmen: So viele Menschen kamen am 16. Juni 1869 zu der Versammlung, in der die Freiwillige Feuerwehr Dachau gegründet wurde. 100 Personen trugen sich in eine ausgelegte Liste ein. Am morgigen Sonntag ist diese Geburtsstunde der Freiwilligen Feuerwehr Dachau genau 150 Jahre her.

Gebrannt hat es in Dachau schon vor vielen hundert Jahren. Aus dem Jahr 1398 ist überliefert, dass der Markt Dachau im Bruderkrieg der Wittelsbacher bis auf die Grundmauern niederbrannte, wie die Dachauer Feuerwehr in ihrer Chronik berichtet. Der Magistrat von Dachau war natürlich angesichts dieser Tatsachen bemüht, die Gefahr und die Auswirkungen von Schadensfeuern möglichst gering zu halten. So wurden in Dachau zweimal jährlich Feuerbeschauen durchgeführt und die Erlaubnis für eine Feuerstelle nur in Ausnahmefällen erteilt.

Im Jahre 1403, also fünf Jahre nach der verheerenden Brandkatastrophe von 1398, gebot Herzog Ernst Wilhelm von Bayern, der Herr von Feste und Markt Dachau, dass Häuser künftig nicht mehr mit Stroh, sondern nur noch mit Ziegeln oder Schlier, einem Gemisch aus Lehm und Stroh, abgedeckt werden durften. Bereits damals wurde schon vorbeugender Brandschutz geleistet und Ausrüstungsgegenstände wie Leitern, Haken, Äxte und lederne Löscheimer vorgehalten. Es dauerte aber noch bis in die Mitte des vorletzten Jahrhunderts, bis es zu einer Koordination und Schulung von Einsatzkräften für die Brandbekämpfung kam.

Am 17. Februar 1869 erging im Amtsblatt für das Bezirksamt Dachau der Aufruf an die Gemeinden, nach Möglichkeit Freiwillige Feuerwehren einzurichten. Dieser Aufruf fand bei einigen Dachauer Bürgern sehr schnell Gehör, und kurz darauf, am 7. März des gleichen Jahres, wurde eine Versammlung einberufen, deren Ergebnis ein Antrag an den Magistrat war, die vorhanden Löschrequisiten der Freiwilligen Feuerwehr zu übergeben und bei deren Gründung behilflich zu sein. Am 9. Juni 1869 gab es dann eine Besprechung mit dem Magistrat und dem Bürgermeister der Stadt Dachau, in der die Statuten einer zu gründenden Feuerwehr beraten wurden.

Eine Woche später, am 16. Juni 1869, fand im Rathaus eine öffentliche Sitzung dazu statt. Wie groß das Interesse an einer Freiwilligen Feuerwehr war, mag die Tatsache verdeutlichen, dass der Rathaussaal die Zuhörer kaum aufnehmen konnte. In einer ausgelegten Liste trugen sich 100 Personen ein, darunter auch fast alle Mitglieder des 1865 gegründeten Turnvereins. Dieser Tag ist demnach die Geburtsstunde der Freiwilligen Feuerwehr Dachau.

„Wenn auch die Freiwillige Feuerwehr des Marktes Dachau gegründet worden war, so war ihre Ausrüstung doch noch sehr mangelhaft“, so die Feuerwehr in ihrer Chronik. Die Ausrüstung bestand im Wesentlichen aus einer reinen Druckspritze ohne Ansaugmöglichkeit und einer etwas kleineren älteren Spritze.

Für die Anschaffung von neuem Gerät war jedoch kein Geld vorhanden. So wurde noch im gleichen Jahr ein Rundschreiben an die Dachauer Bevölkerung herausgegeben mit der Bitte um Unterstützung. Mit den eingehenden Spenden wurden eine neue Steigleiter, Helme, Gurte und andere Ausrüstungsgegenstände beschafft. Außerdem wurde die vorhanden alte Druckspritze in eine Saug- und Druckspritze umgebaut.

Mit dem jetzt vorhandenen Gerät konnte man auch bald mit dem Übungsbetrieb beginnen. Die ersten Anleitungen zu den Übungen kamen von der Freiwilligen Feuerwehr München. Im ersten Jahr ihres Bestehens zählte die Dachauer Feuerwehr 80 aktive und 75 passive Mitglieder. Auch wurde sie in diesem Jahr gleich zweimal zu Bränden gerufen.

Seit nunmehr 150 Jahren sorgen die ehrenamtlich tätigen Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr Dachau rund um die Uhr für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger. „Das wird auch so bleiben“, verspricht Pressesprecher Wolfgang Reichelt. Getreu dem Motto „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“! 

In einer Serie

berichtet die Heimatzeitung in den kommenden Wochen bis zur großen Jubiläumsfeier von 13. bis 15. September über die Geschichte der Feuerwehr Dachau, aber auch darüber, wie sich die Freiwillige Feuerwehr Dachau in den vergangenen 150 Jahren gewandelt und verändert hat, und was die Mitglieder antreibt, sich darin zu engagieren.

Konzert, Aktionstag, Partyabend, Festgottesdienst und Umzug:
Die Feuerwehr feiert drei Tage lang

Das Jubiläum der Feuerwehr wird von Freitag bis Sonntag, 13. bis 15. September, mit einem großen Fest gefeiert. Für alle Altersklassen ist etwas dabei. Als Schau- und Veranstaltungsort dient die Ludwig-Thoma-Wiese in Dachau. Die Jubiläumsfeier beginnt am Freitag, 13. September, mit einem Konzert der Band LaBrassBanda. Die allseits bekannte und irgendwie „vogelwuide“ Band tritt ab 20 Uhr im großen Festzelt auf. Einlass ist ab 18 Uhr. Der Vorverkauf läuft bereits, Karten gibt es bei allen bekannten Vorverkaufsstellen. Am Samstag, 14. September, folgt ein großer Aktionstag. Neben der Freiwilligen Feuerwehr Dachau und der Freiwilligen Feuerwehr Pellheim werden weitere Hilfs- und Rettungsorganisationen auf der Ludwig-Thoma-Wiese vertreten sein. Alle werden ihre Geräte- und Einsatzstärke der Bevölkerung vorstellen. Selbstverständlich werden auch Schauübungen stattfinden, zudem gibt es ein Kinderprogramm. Die Samstagsveranstaltung startet um 10 Uhr mit der Eröffnung des Aktionstages, einigen Grußworten und einem Frühschoppen im Festzelt. Am Samstagabend lädt die Freiwillige Feuerwehr Dachau herzlich zu einem stimmungsvollen Partyabend mit „Landy Landinger & Band“ ins große Festzelt ein. Der Eintritt ist frei. Am Sonntag, 15. September, findet nach dem Empfang der Vereine und Feuerwehren ein Festgottesdienst auf der Ludwig-Thoma-Wiese statt. Bei schlechter Witterung wird der Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Jakob stattfinden. Beginn des Festgottesdienstes ist um 10 Uhr. Im Anschluss gibt es einen Festumzug durch Dachau, der auf der Volksfestwiese endet. Nach dem Mittagessen im Festzelt wird es im Bereich der Ludwig-Thoma-Wiese nochmals eine Fahrzeugschau und für die kleinsten Feuerwehrfreunde ein Kinderprogramm geben.

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