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214 nicht-infizierte Kinder in Quarantäne

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Von: Stefanie Zipfer

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Impfung
Immer mehr Kinder und Jugendliche lassen sich impfen. © Foto: dpa

17 Prozent aller Coronainfektionen im Landkreis fanden zuletzt in der Altersgruppe der Sechs- bis 16-Jährigen statt. Doch nicht nur die infizierten Kinder dürfen mehrere Tage nicht am Unterricht teilnehmen, sondern auch ihre „engen Kontaktpersonen“ im Klassenzimmer.

Dachau – Das „Ziel“, den Präsenzunterricht in Bayern aufrechtzuerhalten, sei bislang „gut erreicht“ worden, betonte zuletzt Staatskanzleichef Florian Herrmann. Demnach betrage der Anteil der Schüler in Bayern, die wegen eines positiven Coronatests nicht in den Unterricht können, aktuell 0,35 Prozent. Unmittelbar vor der Aufhebung der Maskenpflicht im Unterricht vor knapp drei Wochen war diese Quote mit 0,27 Prozent etwas niedriger.

Doch die Zahl der Coronainfektionen steigt wieder. In den bundesweiten Top Ten der Landkreise mit den höchsten Inzidenzwerten sind neun aus dem Freistaat. Dachau steht dabei – bei grüner Krankenhausampel – mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 118,6 (Stand Freitag) vergleichsweise gut da. Aber auch hier geht der Trend nach oben – vor allem bei den Schulkindern.

Grundsätzlich ist die Regel an den Schulen seit September folgende: Der Unterricht findet – unabhängig von der Sieben-Tage-Inzidenz – in Präsenz statt. Allerdings können Gesundheitsämter je nach Infektionsgeschehen für einzelne Klassen, Jahrgangsstufen oder Schulen Einschränkungen anordnen.

Wenn ein Kind positiv getestet wurde, muss seit diesem Schuljahr nicht mehr gleich die ganze Klasse in Quarantäne, sondern nur noch „enge Kontaktpersonen“, wie zum Beispiel die Tischnachbarn. Die Quarantäne dauert für infizierte Kinder 14 Tage, zehn Tage für die Kontaktpersonen. Letztere aber können sich mit einem negativen Schnelltest nach fünf Tagen vorzeitig frei testen. Geimpfte und Genesene sind von der Quarantäne-Pflicht ausgenommen, es sei denn, sie entwickeln Symptome.

„Sollte aber mehr als ein positiver Fall in der Klasse nachgewiesen werden und dieser auf den Kontakt in der Schule zurückzuführen sein, ist dies als Ausbruch zu werten und die gesamte Klasse in Quarantäne zu setzen“, heißt es in einer entsprechenden Erläuterung des Dachauer Gesundheitsamts. Dabei gelten die Quarantäneregeln nicht nur für Klassenzimmer: „Auch bei einem Infektionsfall im Hort werden die engen Kontaktpersonen zum infizierten Kind ermittelt und müssen sich häuslich isolieren“, erklärt Landratsamtssprecherin Silke Lein.

Die viel diskutierten Luftfilter für die Klassenzimmer scheinen den Schulen derweil keine Entlastung zu bringen. Wie berichtet, hatte sich die Stadt Dachau auch deswegen zum Kauf der teuren Geräte entschieden, weil das bayerische Kultusministerium im Sommer angedeutet hatte, die Quarantäneregeln zu lockern, sobald die Schulräume mit diesen Geräten ausgestattet sind. Auf die Nachfrage, ob aus dieser Ankündigung aus München mittlerweile entsprechende Vorgaben folgten, bekommt man vom Landratsamt aber keine Antwort. Sprecherin Lein sagt nur: „Luftfilter können bei ordnungsgemäßer Anwendung und regelmäßiger Wartung das Risiko einer Infektion verringern, jedoch nicht ausschließen.“

Aktuell stellt sich die Corona-Lage in den – meist filter-losen – Stadt- und Landkreisschulen so dar: Zusätzlich zu den 57 infizierten Schulkindern im Alter zwischen sechs und 16 Jahren sind im Moment auch 214 „enge Kontaktpersonen“ der Kinder – sprich Schulkameraden – in Quarantäne (Stand Freitag). Von den infizierten Kindern haben laut Gesundheitsamt „zirka 80 Prozent einen symptomatischen, jedoch milden Verlauf, welche einer Erkältung oder leichten Grippe ähnelt“.

Derweil kommt das Impfen bei den „Kleinen“, wie Versorgungsarzt Dr. Christian Günzel die Zwölf- bis 18-Jährigen nennt, gut voran. Die Sieben-Tage-Inzidenz in dieser Altersgruppe ist im Landkreis Dachau mit einem Wert von zirka 110 derzeit vergleichsweise niedrig; im Kreis Berchtesgadener Land etwa liegt die Kinder-Inzidenz gerade bei 600!

Natürlich sei „der Run“ zur Coronaspritze bei den Jüngeren nicht ganz so ausgeprägt wie bei der älteren Bevölkerung, wie der Mediziner erklärt. Doch die Kinder würden ihn immer wieder überraschen, wie gut informiert und differenziert sie die Lage einschätzten. Die meisten, so Günzel, würden sich impfen lassen, um ein Homeschooling und andere Beschränkungen ihrer Freiheit zu vermeiden: „Die haben einfach die Nase voll von Corona.“ Von den rund 104 000 Erstimpfungen, die bislang im Landkreis verabreicht wurden, gingen demnach 3685 an unter 20-Jährige.

Für Kinder und Eltern, die eine Impfung an der Schule ablehnten, hat Impf-Befürworter Günzel dennoch Verständnis: „Im Idealfall“ solle nämlich der Arzt die Impfung vornehmen, der das Kind kennt; dies ist der Kinderarzt, und nicht der Impfarzt, der irgendwann in die Schule kommt.

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