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Das Landgericht München verhandelt derzeit den Fall eines jungen Dachauers, der eine junge Frau über Monate gestalkt und bedroht haben soll.

22-Jähriger vor dem Landgericht München

Dachauer bedrohte Stipendiatin: „Ich werde Dich erschießen,bang, bang, bang!“

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Amelia R. ist die Urenkelin des Unternehmers Max Wallach, der in der Pogromnacht 1938 aus Dachau vertrieben worden war. Die 24-Jährige ist Künstlerin und setzt sich in ihren Werken mit der Vergangenheit ihrer jüdischen Familie auseinander. Mittlerweile kann sie als Stipendiatin der Ruckteschell-Villa in Ruhe arbeiten.

Doch das war nicht immer so. Zwischen Januar und Juni 2019 wurde sie von einem Stalker mit Droh- wie Liebesmails verfolgt. Der Mann ist schizophren. Aktuell wird ihm am Landgericht München II der Prozess gemacht.

2017 lernte der heute 22-Jährige die Künstlerin in einer Jugendherberge in München kennen. Er verliebte sich in sie. Sie verkörperte seinen Wunsch, in den USA zu studieren. Später, in Folge seiner fortgeschrittenen Krankheit, wurde der Mann in Italien aufgegriffen, als er in die USA schwimmen wollte. Ein anderes Mal war er barfüßig auf dem Weg zum Flughafen. Zudem wurde er nackt auf der Autobahn angetroffen.

Seine Liebe zu der Frau blieb unerwidert. Amelia R. wollte nichts von dem Mann wissen. Und dessen Zuneigung kippte um in Abneigung. Fortan schrieb er der jungen Frau Todesandrohungen wie „Ich werde Dich erschießen, bang, bang, bang!“ oder „Ich werde Dich töten!“ Selbst als er wieder einmal in der Psychiatrie landete, schnappte er sich das Tablet eines Mitpatienten und schrieb: „... wenn Du mir keine Nachricht schreibst, dann werde ich mich umbringen...“

Amelia R. konnte zunächst nicht in der Dachauer Künstlervilla leben. Sie versteckte sich in einer Wohnung, engagierte sich einen Personenschutz und konnte anfangs keine öffentlichen Workshops mit anderen Künstlern geben, um ihre Anwesenheit nicht bekannt zu machen. Die 24-Jährige hatte Schlafstörungen und konnte nicht richtig essen.

Dabei hätte es gar nicht so weit kommen müssen, hätte der junge Mann aus Herten in Nordrhein-Westfalen regelmäßig seine Medikamente genommen. Doch die verursachten zum Teil schwere Nebenwirkungen. Eine Depotspritze wollte er sich nicht geben lassen. Mittlerweile bekommt er sie aber regelmäßig. Kurz nach dem Abitur war die Krankheit ausgebrochen. Sein Schwager erinnerte sich an ein rotes Licht, das für den 22-Jährigen durch den Raum geflogen war. Ihm berichtete der junge Mann auch von Amelia R. „Ich will sie nicht, aber ich muss mit ihr zusammenkommen“, hatte er gesagt. Gewalt sei aber niemals von ihm ausgegangen, berichtete der Schwager.

Der Prozess dauert an.

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