Noch immer wohlbehütet bei den Eltern

Privatschüler auf Abwegen: Wie ein Mama-Bubi auf die schiefe Bahn geriet

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Gruppendynamik sei Schuld daran gewesen, dass ein junger Mann vor fünf Jahren eine massive Straftat beging. Das Gericht zeigte sich dennoch milde. 

Dachau – Der Angeklagte erscheint in aufgeräumtem Zustand vor Gericht: die Haare gekämmt, der Bart getrimmt, das Hemd ordentlich gebügelt. Wenn man es nicht wüsste, könnte man meinen, ein Jura-Student hätte sich aus Versehen auf die Anklagebank des Amtsgerichts gesetzt.

Doch der 24-Jährige saß genau dort, wo er hingehörte. Die Staatsanwaltschaft warf ihm räuberische Erpressung und versuchte gefährliche Körperverletzung vor. Kein Pappenstiel also. Auch wenn die Tat fünf Jahre zurücklag und er damals erst 19 Jahre alt – und juristisch damit Heranwachsender – war, drohten damit erhebliche Strafen.

Konkret ging es um folgenden Fall: In einem Edeka-Markt will der Angeklagte einen alten Bekannten getroffen haben. Laut Staatsanwaltschaft kannte man sich aus der Dachauer „Betäubungsmittel-Szene“. Der Bekannte berichtete, dass er richtig sauer sei! Ein gemeinsamer Bekannter habe ihn verpfiffen, woraufhin die Polizei seine Drogen beschlagnahmt hätte. Dadurch sei ein Schaden von 8000 Euro entstanden! Das Geld wollte er sich natürlich wiederholen, indem man den Verräter auf einen Spielplatz lockte, ihn verprügelte und schließlich die Drogenschulden eintrieb. Ob der Angeklagte, zur Unterstützung quasi, nicht mit auf den Spielplatz kommen wollte?

Angeklagter spricht von „ziemlichem Bockmist“

Ja, er wollte. Auch wenn er vor Gericht über seinen Anwalt ausrichten ließ, dass er nicht zugeschlagen und eigentlich nur dabeigestanden habe, gab er zu, dass das „ziemlicher Bockmist“ gewesen sei. Zudem wurde sein passiver Part in der Geschichte schnell auch noch ein aktiver, als nämlich der Kumpel beschloss, dem Opfer nicht nur Geld, sondern auch sein Auto abzunehmen. Der Angeklagte setzte sich ans Steuer des VW Golf und fuhr damit davon.

Dennoch: Heute, fünf Jahre nach der Tat und nachdem seine anderen Freunde wegen des Überfalls längst verurteilt sind, zeigte der Angeklagte aufrichtige Reue. Er ließ sich seitdem auch nichts mehr zuschulden kommen. Richter Daniel Dorner fand, dass der Angeklagte „die Tragweite der Tat“ wohl auch überhaupt nicht begriffen und weder an deren Planung, noch an der Durchführung eine „tragende Rolle gespielt“ habe.

Noch heute lebt er wohlbehütet bei den Eltern

Auch die Jugendgerichtshilfe nahm den Angeklagten in Schutz. Seine Eltern hätten einen „großzügigen und inkonsequenten Erziehungsstil“ gepflegt. Der Sohn ging zunächst auf eine Montessori-Schule, anschließend auf eine teure Privat-Realschule. Einen Abschluss geschweige denn eine Berufsausbildung hat er nicht. Noch heute lebt er wohlbehütet bei den Eltern, eine „altersentsprechende Unabhängigkeit“ habe er bis heute nicht erlangt.

Immerhin: Eine Wiederholungsgefahr sehen weder Dorner noch die Pädagogen der Jugendgerichtshilfe. Auch sogenannte schädliche Neigungen seien nicht zu erkennen. Am Ende wurde der in der Nähe von Petershausen lebende junge Mann wegen der Beihilfe zur schweren räuberischen Erpressung für schuldig befunden. Er muss nun eine Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro an den Verein Brücke Dachau zahlen.

Rubriklistenbild: © SIGI JANTZ

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