27-Jähriger vor dem Amtsgericht Dachau

Adoptivsohn stiehlt Familienschmuck

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Ein 27-Jähriger hat seiner Adoptivmutter Geld und Schmuck im Wert von mehreren tausend Euro gestohlen. Der 59-Jährigen fiel es schwer, vor dem Amtsgericht gegen den Sohn auszusagen. Dennoch betonte sie: „Da ist er zu weit gegangen!“ Auch Richter Christian Calame sah es so. Und verhängte eine Haftstrafe.

Dachau – Dass die 59-jährige Landkreisbürgerin ihren Adoptivsohn nicht weniger liebt als ihren leiblichen Sohn, war im Gerichtssaal deutlich zu spüren. Die Frau sah den auf der Anklagebank sitzenden 27-Jährigen immer wieder traurig an, kämpfte um die richtigen Worte und erklärte am Ende weinend: „Ich will nicht, dass er wegen dem ins Gefängnis oder in die Forensik muss. Ich will nur, dass damit jetzt Schluss ist. Da ist er einfach zu weit gegangen!“

Tatsächlich ist der 27-Jährige aber viel zu weit gegangen. So weit, dass er sich am Amtsgericht wegen Diebstahls, Nötigung, Beleidigung und Bedrohung verantworten musste. Denn der junge Mann, dem ein Gutachter verminderte Intelligenz und eine emotionale Persönlichkeitsstörung mit dissozialer Akzentuierung attestierte, hat weit mehr auf dem Kerbholz als nur den geklauten Schmuck seiner Mutter. In der Pflegeeinrichtung im Landkreis Dachau, in der er in den vergangenen vier Jahren untergebracht war, beleidigte er eine Pflegerin als „alte Pritsche“ und „Miststück“, hinderte die Frau daran, mittels Notrufknopf Hilfe zu holen und drohte sogar, als man ihm an einem anderen Tag die Mitnahme von Alkohol verweigerte, damit, „die Bude anzuzünden“.

Dennoch, das erkannte auch Richter Christian Calame an, wog der Diebstahl am schwersten. Es waren Familienerbstücke beziehungsweise Geschenke des verstorbenen Ehemanns, die der Adoptivsohn aus den diversen Schatullen und Tresoren im Haus heimlich, still und leise klaute und anschließend bei einem Juwelier in der Dachauer Altstadt versetzte. In den Monaten zuvor hatte er der Mutter bereits Bargeld gestohlen. Heute, erklärte die Frau unter Tränen, „darf er nicht mehr in mein Haus. Ich kann ja nicht immer alles wegsperren“.

Einen impliziten Vorwurf machte die Mutter aber auch dem Juwelier, der ihren Schmuck ankaufte. Dieser hätte doch die eingeschränkte Geschäftsfähigkeit ihres Sohnes bemerken müssen? Und wieso habe er nicht hinterfragt, wo der Schmuck eigentlich herkam?

Der Juwelier betonte im Zeugenstand jedoch, nur zweimal in geschäftlichem Kontakt mit dem 27-Jährigen gewesen zu sein. Er habe den Goldschmuck an die Scheideanstalt weiterverkauft. Wohin die wertvollen und seltenen Aquamarinsteine, die auf einzelnen Teilen verarbeitet waren, gekommen seien, wisse er beim besten Willen nicht. „Ich kann mich nicht erinnern“ oder „des woaß i nimma“ waren Standardantworten des Juweliers auf Richter Calames Fragen.

Das Urteil fiel am Ende hart aus: Der 27-Jährige, der mittlerweile in einer betreuten Einrichtung im Landkreis Mühldorf am Inn lebt, wurde zu einer Haftstrafe von sieben Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt. Zudem muss der Verurteilte 270 Euro an die Brücke Dachau zahlen. Aufgrund der Schadenshöhe, die Calame auf rund 10 000 Euro schätzte, sei die kurze Haftstrafe unumgänglich.

Positiv wertete der Vorsitzende jedoch das stabile soziale Umfeld des jungen Mannes. Dessen Bruder hatte im Zeugenstand noch eine Lanze für den Verurteilten gebrochen: „Es tut ihm leid, und er hat ein gutes Herz. Und in letzter Zeit hört er auch wieder auf mich!“

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