Mildes Urteil: Das Gericht folgte der Forderung der Staatsanwältin nicht (Symbolbild).
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Mildes Urteil: Das Gericht folgte der Forderung der Staatsanwältin nicht.

Mehrere Monate lang

Münchner droht homosexuellem Pfarrer mit angeblichen Videos - und erpresst Riesensumme

  • Thomas Zimmerly
    VonThomas Zimmerly
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Ein 30-jähriger Münchner hat über Wochen einen Pfarrer aus dem Landkreis Dachau erpresst. Der verängstigte Geistliche zahlte.

Dachau – Drei Monate lang hat ein 30-jähriger Mann aus München einen katholischen Pfarrer aus dem Landkreis Dachau erpresst. Immer wieder forderte der Serbe Geld, ansonsten werde er Videos veröffentlichen, die die homosexuellen Neigungen des Geistlichen belegen würden. Selbst an Heilig Abend gab der Erpresser keine Ruhe. Der Pfarrer zahlte insgesamt 11 705 Euro. Gestern wurde dem Erpresser vor dem Schöffengericht Dachau der Prozess gemacht.

Dachau: Münchner erpresst katholischen Pfarrer über Monate

Alles begann im Dezember 2020, als der Angeklagte sich das erste Mal bei dem Kirchenmann per Handy meldete. Fortan drohte er immer wieder, Videos zu veröffentlichen, die die homosexuelle Orientierung des Geistlichen zeigten. Der Vorsitzende Richter Tobias Bauer trug in der Hauptverhandlung Auszüge aus den Chatverläufen vor, die sich auf dem sichergestellten Mobiltelefon des Serben fanden.

So verpackte der Angeklagte seine Drohungen in folgende Sätze: „Sie wollen doch nicht, dass die Kirchenbesucher ihr wahres Gesicht kennenlernen.“ Oder: „Sie wollen doch nicht Job und Wohnung und alles, was mit dem zusammenhängt, verlieren.“ Nicht einmal an Heilig Abend ließ er sein Opfer in Ruhe. Da bat er um „eine kleine Hilfe“.

Pfarrer erpresst: Verängstigter Geistlicher zahlt - und gerät in finanzielle Schwierigkeiten

Der Pfarrer ging auf die Drohungen ein – und zahlte. Insgesamt acht Geldübergaben in der Zeit von Dezember 2020 bis März 2021 listete die Staatsanwaltschaft auf. Einmal waren es 900 Euro, ein anderes Mal gar 2000 Euro. Insgesamt ergatterte der Erpresser 11 705 Euro.

Laut den Chatverläufen geriet der Geistliche wegen der Erpressungen in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. „So schrieb er dem 30-Jährigen, dass er keinen Kredit bekomme und „Monate brauche, bis ich zahlen kann“. Gab sich das Opfer zögerlich, textete ihm der Erpresser, dass er „sich nicht verarschen“ lasse. Und, dass er die Videos an die Pfarramtssekretärin oder das Erzbischöfliche Ordinariat weiterleite. Erst als sich der Pfarrer Dritten offenbarte, stoppten die Drohungen, und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft begannen.

Aus den Texten des 30-Jährigen ging auch dessen Motiv hervor. Hohe Schulden, die sich in Sätzen manifestierten, wie: „Ich bin finanziell ruiniert.“ Aus den Mitteilungen ließ sich allerdings auch die große Verzweiflung des 30-Jährigen, arbeitslosen, alleinerziehenden Vaters zweier Kinder erahnen. Einmal schrieb er: „Auch meine Kinder wollen ein Geschenk.“

Pfarrer-Erpressung in Dachau: Motiv waren hohe Schulden

In der Hauptverhandlung ließ der Angeklagte über seinen Verteidiger wissen, dass er die Tatvorwürfe „objektiv wie subjektiv als absolut richtig einräumt“. Überdies habe er einen Täter-Opfer-Ausgleich mit dem Geistlichen vereinbart. So werde er die 11 705 Euro in Raten zurückzahlen. Zudem zahle er ein Schmerzensgeld in Höhe von 1000 Euro. Der Verteidiger behauptete schließlich noch, dass es keine Videos gegeben habe.

Neben seinem Geständnis machte der Angeklagte nähere Angaben zum Motiv. Das Zocken mittels Sportwetten und die Teilnahme an privaten Pokerrunden, „bei denen hohe Summen über den Tisch gegangen sind“, hätten ihm 20 000 Euro Miese eingetragen. Und die Männer, bei denen er in der Kreide stünde, „könnten das Geld mit Nachdruck einfordern“.

Die Staatsanwältin forderte trotz des Geständnisses des Täter-Opfer-Ausgleichs zweieinhalb Jahre Haft. So weit wollte das Schöffengericht nicht gehen. Es verurteilte den 30-Jährigen am Ende wegen eines besonders schweren Falls von gewerbsmäßiger Erpressung zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung. Schließlich habe der Angeklagte wegen seines Geständnisses dem Diener der Kirche eine Aussage vor Gericht erspart. Das wiederum hatte zur Folge, dass in der Hauptverhandlung nicht thematisiert wurde, in welcher Beziehung Täter und Opfer standen.

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