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„Steinzeichen“ heißen die einzelnzen Blöcke aus Granit mit Quarzadern, die Klaus Herbrich geschaffen hat.

Klaus Herbrich stellt in der KVD-Galerie aus

Urgestein und Schwergewicht

Kalt. Stumm. Grau. Starr. Steinen ordnet man nicht gerade diese Eigenschaften zu. Anders bei Klaus Herbrich. Zu dem Karlsfelder Bildhauer sprechen die Steine – durch Muster, Formen und Zeichnungen.

Dachau  Nach der künstlerischen Bearbeitung des Materials erscheinen Herbrichs Steinskulpturen warm, fließend, organisch, gar lebendig. Eine Auswahl seiner Werke stellt der Künstler aktuell in der Galerie der Künstlervereinigung Dachau (KVD) aus.

„Klaus Herbrich hat sich schon als kleiner Bub für Steine interessiert“, sagte Ramon Grote, Vorstandsmitglied der KVD, bei der Vernissage. Als Landvermesser sei er bei der Kartierung von Erdölfeldern in der Sahara dabei gewesen. „Dunkle, fast schwarze Steine, die aus hellem Sand herausragten, faszinierten ihn sehr“, erzählte Grote. Sie waren letztlich der Grund, warum sich Herbrich vor 30 Jahren und nach jahrelanger Malerei entschloss, seinem künstlerischen Schaffen vor allem dem Material Stein zu widmen. „30 Jahre STEINzeichen“ heißt die Ausstellung, die nun bis zum 15. Juli zu sehen ist.

„Es geht ihm bei seiner Arbeit nicht darum, die Natur nachzuahmen, sondern sie sichtbar zu machen“, erläuterte Grote. „Der Stein spricht zu mir, sagt mir mit seinen Mustern und Zeichnungen, wie ich ihn verarbeiten soll“, erklärt Herbrich fast poetisch. Bei seinen vier „Steinzeichen“, vier Blöcke aus grauem Granit, orientierte er sich an der weißen Quarzader, die sich durch das feste Material schlängelt. „So trete ich in einen Dialog mit dem Stein“, sagte der 75-Jährige. Auch welche Stellen er poliert und welche nicht, sagt ihm der Stein. Das Werk „Amperlicht“ aus grünem Serpentin ist eine flache, rechteckige Steinplatte. Ihre Oberfläche ist komplett poliert. „Mit der Politur möchte ich die innere Schönheit des Steins hervorholen“, sagte der Bildhauer.

Nach der Bearbeitungen mittels 25 verschiedener Werkzeuge, wie er selbst schätzt, entstand eine wellige, leicht hügelige, glänzende Oberfläche. Sie erinnert an einen Bachlauf, dessen fließende Oberfläche durch die Sonne glitzert. So schafft Herbrich es, dass sogar Steine fließen können. Aber auch eckig und kantig können seine Werke sein. Wie etwa „Messerscharf“ aus Granit mit einer Quarzader. Eine klingenförmige Skulptur mit Spitze ragt aus dem Boden. Der graue Stein hat von oben bis unten feine waagrechte Rillen. Herbrich hat mal nachgezählt: „70 000 Schläge habe ich da mit dem Meißel gebraucht.“ Das ginge nur durch meditatives Arbeiten.   

Auch kritische Werke sind zu finden wie „Schwere Wege“: Ein längliches Boot aus schwarzem Granit – es würde im Mittelmeer untergehen. Herbrich sähe seine Skulpturen auch als Verfestigung eines Zeitpunkts, so Roman Grote. Denn ohne Eingriffe hätte sich der Stein mit seiner Struktur und Zusammensetzung noch Millionen Jahre weiterentwickelt. „Ich fahre oft mit meinem Bus zu den Steinbrüchen und hole mir die Steinblöcke selbst ab“, erzählt der Künstler. Marmor, Muschelkalk, viel Serpentin aus Österreich oder Granit aus dem Bayerischen Wald, Quarzit sowie blau-beiges Sodalith Foyait aus Brasilien und viele weitere verschiedene Steinarten sind dabei. Sie alle bieten verschiedene Farben und Muster. Zusammen stehen rund drei Tonnen Stein in der KVD-Galerie.

Die schwersten Skulpturen hat er in seinem zweiten Atelier in Niederbayern gelassen. Immerhin war der Aufbau der kleineren Arbeiten schon Kraftakt genug. Klaus Herbrich ist seit 25 Jahren ordentliches sowie aktives Mitglied der KVD. Als „Urgestein oder Schwergewicht“ bezeichnete ihn Grote abschließend augenzwinkernd.

Die Ausstellung „30 Jahre STEINzeichen“ von Klaus Herbrich in der KVD-Galerie in der Schranne ist noch bis zum 15. Juli geöffnet. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag von 16 bis 19 Uhr und sonntags von 12 bis 18 Uhr.

mik

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